Vorlesungssettings sind nach wie vor ein zentraler Bestandteil der Hochschullehre. Gleichzeitig zeigt sich immer deutlicher, dass reines Zuhören selten zu nachhaltigem Lernen führt. Studierende können Inhalte nur begrenzt aufnehmen, verlieren schnell die Aufmerksamkeit und verarbeiten Informationen oft nicht weiter. Die Herausforderung besteht daher nicht darin, Vorlesungen abzuschaffen sondern sie gezielt so zu gestalten, dass aktive Lernprozesse entstehen.
Von der Vorlesung zum Lernraum
Aktives Lernen bedeutet, dass Studierende nicht nur konsumieren, sondern denken, anwenden, hinterfragen und verknüpfen. Gerade in Zeiten von KI und frei verfügbarem Wissen verschiebt sich die Rolle der Lehre. Weg von der reinen Wissensvermittlung hin zur Gestaltung von Lernprozessen.
Konkrete Beispiele aus der Praxis
Bereits kleine Anpassungen können Vorlesungen deutlich wirksamer machen. In Anlehnung an einen ↗ Blogbeitrag in Harvard Business Publishing Education (2025) werden einige konkrete Methoden vorgestellt:
Vor der Inputphase aktivieren
Statt direkt mit dem Input zu starten, können Studierende ihr Vorwissen einbringen. Das schafft Anschlussfähigkeit und erhöht die Aufmerksamkeit:
- „Was wisst ihr bereits zu diesem Thema?“
- „Was möchtet ihr heute verstehen?“
- „Welche Hypothesen habt ihr dazu?“
Während der Vorlesung aktiv einbinden
Auch während eines Inputs müssen Studierende nicht passiv bleiben. Zuhören kann zu einem aktiven Verarbeitungsprozess werden. Mögliche Ansätze:
- Strukturierte Notizen („Note Catcher“) nutzen: z. B. Felder für Fragen, zentrale Erkenntnisse oder veränderte Perspektiven
- Perspektiven wechseln: „Was würde ein CEO / eine Fachperson / ein Kunde dazu sagen?“
- Mini-Aufträge: z. B. eigene Prüfungsfragen formulieren oder zentrale Aussagen visualisieren
Nach dem Input vertiefen
Kurze Austauschphasen helfen, Inhalte zu festigen:
- „Was ist jetzt klar geworden?“
- „Was ist noch unklar?“
- „Wie passt das zu dem, was wir letzte Woche gelernt haben?“
Besonders wirksam sind kurze Diskussionen in Zweier- oder Kleingruppen, bevor Ergebnisse im Plenum geteilt werden.
Pausen bewusst nutzen
Regelmässige Unterbrüche steigern die Konzentration:
- kurze Zusammenfassungen durch Studierende
- 1-Minuten-Austausch mit Sitznachbarn
- kurze Aktivierung (z. B. Aufstehen, Perspektivwechsel)
Gute Lehre entsteht nicht durch mehr Inhalte, sondern durch mehr Aktivität der Studierenden. Wer Inputs gezielt mit Interaktion, Reflexion und Anwendung kombiniert, schafft Lernumgebungen, die nachhaltiger wirken – und gleichzeitig motivierender sind.
Die zentrale Frage bleibt:
Was tun meine Studierenden, während ich spreche?
Take-Aways
- Aktivierung ist entscheidend: Lernen entsteht durch Beteiligung, nicht durch Zuhören
- Inputs gezielt einsetzen: Kurze, fokussierte Beiträge sind wirksamer als lange Vorträge
- Interaktion einbauen: Austausch vor, während und nach Inputs vertieft das Verständnis
- Struktur hilft beim Lernen: Klare Aufgaben (z. B. Notizstrukturen oder Rollen) lenken die Aufmerksamkeit
- Pausen sind didaktisch wertvoll: Sie ermöglichen Verarbeitung und Reflexion
Weiterführende Links und Ressourcen
↗ "Still Lecturing? Here's how to do it better" (Harvard Business Publishing Education, 2025)
Kontakt
Für Unterstützung zu Didaktik und Moodle wenden Sie sich bitte an das ↗ TLC-Team.