Inhalte, Lernaktivitäten, Prüfung – die Bausteine eines Moduls sind bekannt. Aber was hält sie zusammen? Das Lernergebnis: Es beschreibt, was Studierende am Ende eines Moduls konkret können sollen - und bildet damit den Ausgangspunkt, von dem aus Lehre, Lernen und Prüfen zu einem stimmigen Ganzen werden.
Dozierende wissen meist, was Studierende am Ende ihres Moduls können sollen. Wer dieses Wissen präzise formuliert – als konkrete, beobachtbare Handlung – schafft eine verlässliche Orientierung: für Studierende und für sich selbst.
«Grundlagen des Projektmanagements» benennt ein Themenfeld, aber noch kein Ziel. Können Studierende danach ein Projekt planen? Methoden vergleichen? Risiken einschätzen? Ein Lernergebnis beantwortet diese Fragen: «Projekte anhand etablierter Methoden planen» beschreibt eine konkrete Handlung, die in einer Prüfungssituation nachgewiesen werden kann. Das Lernergebnis bestimmt, was gelernt werden soll – die Prüfung zeigt, ob es erreicht wurde.
Wenn Lehren, Lernen und Prüfen zusammenpassen
Lernergebnisse sind der Ausgangspunkt für alle weiteren didaktischen Entscheide – nicht deren Endpunkt. Biggs & Tang (2011) sprechen in diesem Zusammenhang von «Constructive Alignment»: Lernergebnisse, Unterrichtsgestaltung und Prüfung bilden ein kohärentes System. Fehlt die Abstimmung, entstehen Brüche – zwischen dem, was gelehrt, gelernt und bewertet wird. Studierende spüren diese Brüche, auch wenn sie sie selten benennen können.
Lernergebnisse aktiv kommunizieren
Studierende profitieren am meisten von Lernergebnissen, wenn sie frühzeitig und wiederholt damit konfrontiert werden – nicht erst zur Prüfungsvorbereitung. Wer das Ziel kennt, kann den eigenen Lernprozess gezielt steuern und den Fortschritt realistischer einschätzen (Hattie & Timperley, 2007). Das bedeutet konkret: Lernergebnisse zu Beginn eines Moduls explizit benennen, bei der Einführung neuer Inhalte darauf zurückverweisen und vor Prüfungen als Orientierungsrahmen nutzen.
Ein guter Zeitpunkt für diese Arbeit
Die FH Graubünden befindet sich aktuell in einem kompetenzorientierten Curriculum-Entwicklungsprozess. Die Bachelor-Studiengänge werden systematisch weiterentwickelt, Kompetenzmodelle überarbeitet, Modulstrukturen neu gedacht. Lernergebnisse sind dabei das zentrale Verbindungsstück zwischen Kompetenzzielen auf Studiengangsebene und dem, was im konkreten Modul erarbeitet wird.
Parallel dazu startet eine überarbeitete Lehrveranstaltungsevaluation (LVE), deren zentrales Element die Selbsteinschätzung der Studierenden zur Erreichung der Modul-Lernergebnisse ist. Das setzt voraus, dass Lernergebnisse klar und nachvollziehbar formuliert sind – und dass die Prüfung darauf abgestimmt ist. Wer seine Lernergebnisse jetzt schärft, legt damit die Grundlage für eine aussagekräftige Evaluation.
Take-Aways
- Lernergebnisse beschreiben beobachtbare Handlungen, keine Themen oder Inhalte.
- Nicht die Prüfung bestimmt, was gelernt wird - diese macht sichtbar, ob das Ziel erreicht wurde.
- "Constructive Alignment" verbindet Lernergebnisse, Unterrichtsgestaltung und Prüfung zu einem kohärenten Ganzen.
- Studierende profitieren, wenn Lernergebnisse im Unterricht aktiv kommuniziert werden – nicht nur in der Modulbeschreibung.
- Die Überarbeitung der Lernergebnisse ist kein bürokratischer Aufwand, sondern ein Beitrag zur Qualität der Lehre.
Literatur
- Biggs, J., & Tang, C. (2011). Teaching for quality learning at university (4th ed.). Open University Press.
- Hattie, J., & Timperley, H. (2007). The power of feedback. Review of Educational Research, 77(1), 81–112.
Kontakt
Bei Fragen zur Formulierung von Lernergebnissen steht das TLC-Team gerne zur Verfügung: tlc@fhgr.ch