Wie lassen sich komplexe Zusammenhänge nachhaltiger Entwicklung erlebbar machen? Studierende der Bachelorstudienrichtung Digital Supply Chain Management haben es ausprobiert. Einen Tag lang übernahmen sie in einem strategischen Planspiel die Regierung eines fiktiven Schwellenlandes – mit dem Ziel, es innerhalb von 50 Jahren in eine nachhaltige Zukunft zu führen. Die Realität im Spiel: hohe Dynamik, unerwartete Wechselwirkungen und harte Priorisierungsentscheidungen.
Das Planspiel wird von Christian Baumgartner in der VINAVANT-Vorlesung Nachhaltige Entwicklung (bzw. Sustainable Development) in einer 8-stündigen Blockveranstaltung in die Vorlesung integriert.
Einsatz und Ziele
Das Planspiel verfolgt verschiedene Ziele:
- Nachhaltige Entwicklung anhand der Entwicklung einer Gesellschaft bzw. eines Landes in einer realistischen Situation und mit ebenso realistischen Zusammenhängen und Wirkungskreisläufen näherzubringen:
- Systemdynamik in Bezug auf Akteure, Rollen, Beziehungen, Grenzen, …
- Unterschiedliche Verzögerungen der Wirkung von Massnahmen
- Wirkungsweisen und Zusammenhänge von sozialen Faktoren mit Wirtschaftsleistungen und Umweltsituationen
- Exponentielle Beziehungen bei Bevölkerungswachstum, Schulden, etc.
- Umsetzung von kurzfristigen Taktiken
- Kohärenz von langfristigen strategischen Entscheidungen
- Ablauf von Entscheidungsprozessen und -zwängen von politischen Entscheidungsträger:innen verdeutlichen
- Systemisches Denken als Planungshilfe in unsicheren Kontexten üben
- Teambuilding: Entscheidungsfindung unter unsicheren Bedingungen, Kommunikation und komplexe Beziehungen, Gruppendynamik in Entscheidungsprozessen
Das Planspiel kann – wesentlich besser als eine theoretische Vorlesung – eine Reihe von Themen und Herausforderungen einer Nachhaltigen Entwicklung anhand von unmittelbaren Erfahrungen kompakt vermitteln.
Lernen durch Simulation
„Stratagem“, entwickelt von Dennis Meadows (Mitautor des „Club of Rome“-Berichts Grenzen des Wachstums), ermöglicht es, in einem sicheren Lernraum reale politische und wirtschaftliche Herausforderungen zu simulieren. Die Studierenden besetzten Ministerposten, verteilten Budgets und setzten Schwerpunkte – etwa in Energieeffizienz, Lebensmittelproduktion, Umweltschutz oder Bildung. Jede Entscheidung hatte messbare Auswirkungen auf fast 100 soziale, wirtschaftliche und ökologische Indikatoren.
So lernten sie hautnah, wie schwierig es ist, kurzfristige Taktiken und langfristige Strategien in Einklang zu bringen, systemische Zusammenhänge zu erkennen und unter unsicheren Bedingungen im Team zu entscheiden.
Mehr als Theorie – ein Raum für Reflexion
Das Planspiel zeigte schnell: Nachhaltige Entwicklung ist kein lineares Projekt. Politische Entscheide wirken oft verzögert, Massnahmen greifen ineinander, und auch gut gemeinte Strategien können unvorhergesehene Nebenwirkungen haben. In der abschliessenden Reflexion wurden nicht nur die Spielresultate ausgewertet, sondern auch Gruppenprozesse hinterfragt: Wie wurden Entscheidungen getroffen? Wurde die vereinbarte Strategie konsequent verfolgt? Gab es dominante Rollen oder blinde Flecken?
Studierende des Digital Supply Chain Management Lehrgangs beim Stratagem spielen. ©Christian Baumgartner
Take-Aways
- Vorbereitung ist entscheidend: Dozierende sollten das Spiel mindestens einmal selbst durchlaufen haben, um Dynamiken und Fallstricke zu kennen.
- Das Briefing braucht Zeit, aber klare Spielregeln und Strategien zu Beginn schaffen Orientierung.
- Debriefings sind zentral, um Lernerfahrungen zu sichern – sowohl inhaltlich als auch methodisch.
Weiterführende Links und Ressourcen
Kontakt:
Christian Baumgartner
Dozent
Institut für Tourismus und Freizeit (ITF)
E-Mail: christian.baumgartner@fhgr.ch