Manche Projekte sind mehr als nur Arbeit. Sie sind eine Herzensangelegenheit, ein Stück gelebte Emotion und ein künstlerisches Wagnis. Genau das ist The Sixth II, ein Kunstprojekt, das gleichermassen bewegt und beeindruckt. Es ist das Werk von Anja Leber, einer Künstlerin, die den Mut hatte, ihre persönlichen Erfahrungen mit Verlust und Trauer in ein berührendes Tanzvideo zu transformieren. Produziert wurde das Projekt von Phil Schneiter im Rahmen des Grundstudienmoduls Digezz – und genau dort entstand etwas Aussergewöhnliches.
Der Ursprung: Trauer in Bewegung verwandeln
Anja Leber begann, sich intensiv mit den Themen Tod und Trauer auseinanderzusetzen – Themen, die uns alle betreffen, aber oft unausgesprochen bleiben. Dabei stiess sie auf die sechs Phasen der Trauer nach der schweizerisch-amerikanischen Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross. Anja erkannte sich selbst in den Theorien wieder und fasste den Entschluss, ihre Gefühle auf kreative Weise zu verarbeiten. Das Ergebnis ist ein siebenminütiger Onetake-Film, der das Thema Trauer durch die beeindruckende Tanzkunst der international bekannten Tänzerin PALETA CQ visualisiert.
Ich wollte die Emotionen so roh und echt wie möglich einfangen, ohne sie zu überlagern
Phil Schneiter / MMP19
Ein Kunstwerk ohne Schnitte
Das Besondere an The Sixth II ist nicht nur die emotionale Tiefe, sondern auch die technische Umsetzung: Der Film ist ein Oneshot, also ein durchgängiger Take ohne Schnitte. Diese anspruchsvolle Technik verlangte nicht nur von Tänzerin PALETA CQ Höchstleistungen, sondern auch von Phil Schneiter und seinem Team äußerste Präzision.
Am Übungstag haben wir den Durchgang über zehnmal geprobt – Stück für Stück, langsam und methodisch. Am Drehtag selbst brauchten wir sieben Takes, bis alles gepasst hat. Danach wäre die Qualität nicht mehr haltbar gewesen.
Phil Schneiter / MMP19
Die Wahl der Location – die imposante Säulenhalle in Bern – war dabei ebenso entscheidend. Anja und Phil suchten lange nach einem Raum, der sowohl die Einsamkeit als auch die Erhabenheit des Themas widerspiegelt. „Nichts ist cleaner und imposanter als dieser Raum“, erinnert sich Phil. Die Säulenhalle bot mit ihren über 20 Meter hohen Säulen genau die passende Atmosphäre für dieses intime Stück über den Umgang mit Trauer.
Improvisation als Stärke
Einer der faszinierendsten Aspekte von The Sixth II ist, wie schnell die Idee zur Realität wurde. „Das Schönste am Projekt war, dass wir kaum Vorbereitungszeit hatten, und somit von Idee bis Fertigstellung nur wenige Tage vergingen“, sagt Phil Schneiter. „Ich bin jemand, der sich gerne mal verkopft und das Gefühl hat, ein Projekt braucht noch XY, damit es wirklich gut wird – das hatte hier keinen Platz.“
Das Tanzvideo «SIXTH II» des Studenten Phil Schneider und der Tänzerin Anja Leber ist ein geradezu intimes Stück über den Umgang mit Trauer. Ein Film, der zwischen Leugnen, Aufbegehren, Lähmung changiert und schliesslich ins Akzeptieren des Unleugbaren mündet – virtuos umgesetzt in der Form des wohl herausforderndsten aller Videoformate, des Oneshot-Movies.
Prof. Thomas Weibel / Modulleiter Konvergentes Produzieren
Vielleicht war gerade diese kreative Spontaneität der Schlüssel zum Erfolg. Das Projekt wirkt ungefiltert, pur und authentisch. Die Entscheidung, den Film in Schwarz-Weiß zu halten, unterstreicht die Schlichtheit und zeitlose Eleganz des Projekts. „Der Gelbstich der Phosphor-Röhren hätte abgelenkt, aber in Schwarz-Weiß fügte sich alles zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen. Aber genug geschrieben: Schaus dir selbst an.
Anerkennung: Der Gewinn des Digezz Awards
Diese Authentizität blieb nicht unbeachtet. 2022 wurde The Sixth II mit dem Digezz Award ausgezeichnet. Die Preisverleihung fand im renommierten Plaza Klub in Zürich statt, wo Phil Schneiter zusammen mit Anja Leber die Trophäe von der Fachjury entgegennahm.
Ein Blick auf Phil Schneiter: Der Mann hinter der Kamera
Phil Schneiter, Absolvent des MMP-Jahrgangs 2019, hat sich in der Welt der audiovisuellen Medien einen Namen gemacht. Seine Arbeit zeichnet sich durch ein tiefes Verständnis für Bildsprache, Bewegung und Emotion aus. Doch sein Einstieg in die Filmwelt begann nicht so früh, wie man vielleicht erwarten würde – auch wenn er gerne behaupten würde, er sei schon immer mit einer Kamera in der Hand unterwegs gewesen. Tatsächlich drehte er seinen ersten richtigen Film erst im Rahmen seiner Maturaarbeit.
Die Idee dazu kam ihm, weil er dem vielen Schreiben entfliehen und etwas Praktisches machen wollte. Obwohl er damals nichts über Filme wusste, wagte er sich an das Projekt – ein Schritt, der den Beginn einer großen Leidenschaft markierte. "Das war das erste Mal, dass ich an etwas gearbeitet habe (sonst war Schule einfach Schule) wo mir die Menge an Zeit, die es dafür braucht, völlig gleichgültig war", erzählt Phil in seinem Podcast Clap that Slate. Es war dieser Moment, in dem er erkannte, dass Film seine berufliche Zukunft sein könnte.
Dieser erste Versuch legte den Grundstein für eine Vielzahl von Projekten, an denen Phil seither gearbeitet hat. Mehr über ihn und seine weiteren Arbeiten findest du auf seiner Website:: philschneiter.com.
Autorenschaft: Anouk Rudin / Projektmitarbeiterin FHGR
Modulleitende Person: Prof. Thomas Weibel, M. A., Dozent, Institut für Multimedia Production (IMP)
Modul: Das Grundastmodul Konvergent Produzieren, das im zweiten bis fünften Semester stattfindet, ermöglicht den Studierenden, eigenständig experimentelle multimediale Inhalte zu konzipieren und zu produzieren, dabei verschiedene Medienformen zu kombinieren und neue mediale Möglichkeiten zu erforschen.
Ausgabe: Februar 2025
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