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Elina Preisig: Von Ba­che­lor­ar­beit zum Gross­pro­jekt


Eine Bachelorarbeit ist für viele Studierende vor allem eines: ein Pflichtprojekt. Für Elina Preisig wurde sie jedoch zu etwas ganz anderem: Zu einer intensiven Reise zwischen Theorie und Praxis, persönlicher Motivation und professionellem Anspruch. Am Ende stand nicht nur eine abgeschlossene Thesis, sondern auch eine ambitionierte Webdokumentation über schmelzende Gletscher, inklusive SRG-Förderung.

Eine Idee, die zu gross für ein Semester war

Die Wurzeln von Elinas Bachelorarbeit reichen weit zurück. Bereits während ihrer Zeit in der Digezz-Redaktion kam sie erstmals mit dem Format Webdokumentation in Kontakt. Eine Vorlesung über digitales Storytelling wurde zum Schlüsselmoment. „Ab da war ich völlig hooked“, sagt sie. Schnell war aber auch klar: Für einen normalen Studienbeitrag war diese Idee zu gross. Zu komplex. Zu aufwendig.

Hinzu kam eine starke persönliche Verbindung zum Thema: Elina ist in einem Dorf nahe am Porchabella-Gletscher aufgewachsen. Sie hat dessen Rückzug über Jahre mit eigenen Augen gesehen. Aus dieser Mischung aus persönlicher Betroffenheit und journalistischem Interesse entstand der Wunsch, genau daraus ein grosses Projekt zu machen.

Die Inspiration für das Projekt: Der Porchabella-Gletscher

Die Inspiration für das Projekt: Der Porchabella-Gletscher

Die Inspiration für das Projekt: Der Porchabella-Gletscher

Lehrprojekt zuerst, Thesis danach? Nicht ganz.

Für Elina war also früh klar: Ich will eine Webdokumentation machen.
Was deutlich schwieriger war: daraus eine wissenschaftliche Fragestellung zu entwickeln. In den ersten Schritten hinzu einer wissenschaftlichen Arbeit beschreibt Elina den Kurs Schreiben und Sprechen V als zentral. Nicht, weil er Antworten lieferte, sondern weil er half, das Thema einzugrenzen

Wir hatten noch nie zuvor eine wissenschaftliche Arbeit geschrieben. Hilfestellung war enorm wichtig.

Elina Preisig / MMP JG22

Rückblickend sagt Elina offen, dass sie einiges anders machen würde; etwa früher ein klares Recherchesystem aufzubauen oder sich schon früher mit der Thematik von wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigen. «Als MMP-Studierende denke ich praktisch. Ins Wissenschaftliche musste ich zuerst einmal hineinfinden» reflektiert sie. Ihr wichtigster Tipp an andere Studierende: Nicht stressen. Die Fragestellung darf sich ändern, Ansätze zur Erarbeitung ebenso. Wichtig ist, dass das Thema wirklich interessiert und dass es genügend Material dazu gibt.

Webdokumentation: Freiheit mit Verantwortung

Warum gerade eine Webdokumentation? Für Elina einfach zu beantworten. Sie wollte multimedial erzählen; mit Text, Video, Audio und Interaktion. Alles selbst umsetzen, von A bis Z. Genau das entspricht auch dem Selbstverständnis ihres Studiums.

Gleichzeitig lernte sie schnell: Webdokumentation ist kein klar definiertes Format. Selbst prominente Beispiele wie Snow Fall der New York Times sind streng genommen keine klassischen Webdokus. Diese Unschärfe machte die theoretische Auseinandersetzung anspruchsvoll, aber auch spannend.

Elina entschied sich, Thesis und Lehrprojekt parallel zu erarbeiten. Nicht geplant, aber im Nachhinein sinnvoll: Theorie und Praxis beeinflussten sich gegenseitig. Erkenntnisse aus der Inhaltsanalyse flossen direkt in die Umsetzung ein.

Dann kam die SRG-Förderung

Fast beiläufig reichte Elina ihr Projekt für die SRG-Förderung ein. Ohne grosse Erwartungen. Umso grösser die Überraschung, als sie tatsächlich den Zuschlag erhielt.

Mit der Zusage kamen neue Aufgaben: Ein detailliertes Konzept, ein Budget, administrative Abklärungen und plötzlich ein Förderbetrag von 10’000 Franken. Die Möglichkeiten waren enorm: Professionelle Kameraausrüstung, Entschädigung für Helfer*innen, Übernachtung direkt beim Gletscher und Zugriff auf kostenpflichtiges Archivmaterial.

Das Budget zu managen stellte ein weitere Herausforderung dar. Aber es hat das Projekt auf ein ganz anderes Level gehoben.

Elina Preisig / MMP JG22

Gleichzeitig stieg der Druck. Neben der Hochschule gab es nun eine weitere Instanz mit Erwartungen. Elina beschreibt diese Phase als ambivalent: grosse Chance, aber auch klare Mehrbelastung.

SRG-Förderung im MMP

Die SRG-Förderung im Studiengang Multimedia Production (MMP) erfolgt im Rahmen einer Koproduktion mit der SRG SSR und ist Teil des Pacte de l’audiovisuel. Jährlich werden ausgewählte Bachelorprojekte unterstützt, die eine klare Geschichte erzählen, innovativ sind und einen Bezug zur Schweiz haben.

Gefördert werden unter anderem Webdokumentationen, Audioformate, interaktive Projekte oder crossmediale Umsetzungen, die für eine Veröffentlichung auf SRG-Plattformen konzipiert sind.
Beispiele aus den vergangenen Jahren sind Starrk und La Via la Vita (2023) sowie Frauen im Dienst und Green Production in der Schweiz (2024).

Die Förderung bietet Studierenden die Möglichkeit, ihr Projekt unter professionellen Bedingungen weiterzuentwickeln und erste Erfahrungen in einer Koproduktion mit einer nationalen Medieninstitution zu sammeln.

Die beiden MMP Studentinnen Elina Preisig (links) und Léonie Schaub (mitte) gemeinsam mit Ka-Ren Wang (rechts), Verantwortlicher des SRG Förderprogramms.



Betreuung mit Augenmass: Heiner Butz

Begleitet wurde Elina während des gesamten Prozesses von Heiner Butz, der die Hauptbetreuung übernahm (Co-Referent: Benjamin Hannimann). Er beschreibt seine Rolle weniger als klassischer Betreuer, sondern vielmehr als Coach.

Butz betont, dass es keinen einheitlich richtigen Weg zur Bachelorarbeit gibt, sondern vielmehr die Arbeitsweise und Bedürfnisse der individuellen Studierenden im Fokus stehen: Manche Studierende denken von der Theorie her, andere - wie Elina - von der Praxis. Entscheidend sei, dass beides sauber miteinander verbunden wird.

Gerade bei der SRG-Förderung war seine Rolle: Erwartungen relativieren, Prioritäten klären, Druck rausnehmen. Nicht, um das Projekt kleiner zu machen, sondern um es machbar zu halten.

Es ist Elinas Arbeit. Ich bin das Gegenüber.

Heiner Butz / Modulleiter Major Journalismus Multimedial

Learnings, die bleiben

Rückblickend beschreibt Elina das letzte Semester als intensiv, aber lohnend. Besonders geholfen haben ihr sogenannte «Pressure-Cooker-Sessions»: Feste Zeitfenster, in denen mit anderen Studierenden konsequent gearbeitet wurde.

Ihr vielleicht wichtigstes Learning: Es ist „nur“ ein Bachelor. Man muss sich manchmal bewusst stoppen. «Vielleicht gerade dann, wenn ein eine Tendenz besteht, zu gross zu denken», lacht Elina. «Die Bachelorarbeit kommt mit einer Abgabe, die Abgabe mit einer Deadline. Das darf nicht vergessen werden.»

Und trotzdem: Die Bachelorarbeit ist mehr als ein Pflichtprojekt. Laut Heiner Butz ist sie oft ein entscheidender Faktor auf dem Arbeitsmarkt nicht nur wegen der praktischen Arbeit, sondern auch wegen der theoretischen.

Tonaufnahme auf dem Porchabella-Gletscher

Elina in ihrem Element

Pause mit Aussicht

Unterstützt wurde Elina auf dem Gletscher von ihren beiden Mitstudentinnen Léonie Schaub und Leah Mastropietro

Ein Projekt, das weiterlebt

Elinas Webdokumentation ist abgeschlossen, aber nicht fertig. Neue Erzählperspektiven, biologische Entwicklungen, weitere Geschichten: Das Projekt soll wachsen.

Genau darin liegt vielleicht die wichtigste Botschaft für angehende Bachelorstudierende: Eine Bachelorarbeit darf ein Anfang sein. Wenn Thema, Motivation und Struktur stimmen, kann daraus weit mehr entstehen als „nur“ ein Abschluss.

Trust the process.

Hinweis: Aktuell ist die Webseite noch passwortgeschützt. Ab dem 21. März 2026, pünktlich zum Tag des Gletschers, wird die neue Version aufgeschaltet

Elina Preisig hat ihr MMP Studium im Sommer 2025 abgeschlossen und arbeitet mittlerweile beim RTR. An ihrer Webdokumentation tüftelt sie immer noch rum und beschreibt es mit einem Augenzwinkern als ein «Projekt, dass wohl nie wirklich fertig sein wird.»

Heiner Butz leitet den Major Journalismus Multimedial im Studiengang Multimedia Production. Als langjähriger Journalist beschäftigt er sich in- und ausserhalb des Majors mit Themen wie innovativen Entwicklungen rund um den Journalismus, Sprache und neuen Formen von Publikationen im medialen Raum.

Dieser Beitrag wurde von Anouk Rudin, Projektmitarbeiterin MMP, verfasst.

Ausgabedatum: 02.03.2026

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