Zum Inhalt springen
Logo International Office Blog

International Office Blog

Zu Gast an der Uni­ver­si­ty of Oxford

Vom 7. bis 11. September 2026 durfte ich im Rahmen der Summer School fünf intensive Tage am Department of Economics der University of Oxford verbringen. Ermöglicht wurde mir dieser Aufenthalt durch die Unterstützung meiner Arbeitgeberin, der Fachhochschule Graubünden, sowie der nationalen Agentur für Austausch und Mobilität «Movetia».

Oxford ist ein Ort, der wie kaum ein anderer mit Wissenschaft und akademischer Tradition verbunden wird. Für mich bedeutete diese Woche jedoch vor allem eines: die Möglichkeit, mich intensiv mit einer Disziplin auseinanderzusetzen, die zunehmend auch für meine eigene Forschung relevant wird – der Ökonomie.

Als ausgebildete Sozial- und Kulturanthropologin und wissenschaftliche Projektleiterin am Institut für Tourismus und Freizeit (ITF) beschäftige ich mich mit gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Fragestellungen häufig aus einer interdisziplinären Perspektive. Gleichzeitig promoviere ich berufsbegleitend im Bereich Socioeconomics an der York St John University. Die Summer School bot mir deshalb die Gelegenheit, ökonomische Denkweisen, Modelle und Methoden aus nächster Nähe kennenzulernen und diese mit meinen eigenen sozial- und geisteswissenschaftlichen Perspektiven in Beziehung zu setzen.

Fünf Tage zwischen Entwicklungsökonomie, Digitalisierung und künstlicher Intelligenz

Die Vormittage waren der Development Economics gewidmet. Unter der Leitung von Prof. Dr. Stefano Caria beschäftigten wir uns mit zentralen Fragen der Entwicklungsökonomie und damit, wie ökonomische Forschung versucht, Entwicklungsprozesse zu verstehen, empirisch zu untersuchen und politische Interventionen zu beurteilen.

Am Nachmittag wechselte der thematische Fokus zur Economics of the Digital and AI Economy. Prof. Dr. Alexei Parakhonyak und Prof. Dr. Greg Taylor führten uns durch ökonomische Fragestellungen rund um digitale Märkte, Plattformökonomien und künstliche Intelligenz. Gerade diese Themen zeigen eindrücklich, wie stark technologische Entwicklungen bestehende Märkte, Geschäftsmodelle und Vorstellungen von Wert verändern – und wie notwendig dabei der Austausch zwischen unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen ist.

Die Kombination der beiden Kurse machte die fünf Tage entsprechend intensiv. Gleichzeitig bot sie mir die Möglichkeit, meine eigene wissenschaftliche Perspektive zu reflektieren und zu schärfen. Gerade dort, wo sich ökonomische und anthropologische Betrachtungsweisen unterscheiden, entstanden für mich besonders interessante Denkanstösse. Ein grosses Highlight der Summer School war definitiv das Formal Dinner, welches in einem der insgesamt 43 Colleges stattfand. Die Atmosphäre war unvergleichlich und ich kann mir daher gut vorstellen, warum Oxford gerade für junge Studierende einen fast schon magischen Reiz auslöst.

Formal Dinner

Pitt Rivers Museum Oxford

Divinity School

Lincoln College Oxford

PhD-Präsentation an der University of Oxford

Einen ganz besonderen Abschluss fand die Woche am Freitag, dem 11. September – gleichzeitig meinem 35. Geburtstag. An diesem Tag durfte ich mein eigenes PhD-Forschungsthema vorstellen: Stoffeli® - A Cultural and Socioeconomic Case Study of Physical Non-Fungible Tokens (PNFTs).

In meiner Dissertation beschäftige ich mich mit einer neuartigen Form physischer, nicht-austauschbarer Wertträger und untersuche diese insbesondere hinsichtlich Fragen von Wert, Vertrauen und Materialität. Damit bewegt sich mein Forschungsprojekt an einer Schnittstelle zwischen Kulturanthropologie, Sozioökonomie, Technologie und Materialität.

Das eigene Forschungsthema ausgerechnet am Department of Economics der University of Oxford präsentieren zu dürfen, war für mich deshalb besonders wertvoll. Das Feedback, dass ich zu einem sehr innovativen Thema promoviere, war nicht nur eine schöne Bestätigung meiner bisherigen Arbeit, sondern gab mir auch wichtige Motivation für die nächsten Schritte meines Doktorats.

Und einen besseren Ort hätte ich mir für diese Rückmeldung kaum wünschen können: Das Department of Economics der University of Oxford zählt international zu den weltweit führenden Einrichtungen seines Fachgebiets.

Was bleibt?

Nach fünf intensiven Tagen nehme ich aus Oxford nicht nur neues Wissen über Entwicklungsökonomie, digitale Märkte und die Ökonomie künstlicher Intelligenz mit. Besonders wertvoll war für mich der Perspektivenwechsel. Als Kulturanthropologin ökonomische Fragestellungen aus einer anderen disziplinären Logik heraus zu betrachten, hat mir gleichzeitig nochmals vor Augen geführt, wo die Stärken meiner eigenen wissenschaftlichen Verortung liegen.

Interdisziplinarität bedeutet schliesslich nicht, Unterschiede zwischen Disziplinen aufzulösen. Im Gegenteil: Gerade indem unterschiedliche theoretische und methodische Perspektiven aufeinandertreffen, entstehen neue Fragen und im besten Fall auch neue Erkenntnisse.

Dass ich meine Woche in Oxford mit einer Präsentation meines eigenen PhD-Projekts abschliessen durfte, machte den Aufenthalt auch persönlich zu etwas Besonderem. Ich kehrte deshalb nicht nur mit vielen neuen Gedanken nach Graubünden zurück, sondern auch mit der Bestätigung, mit meinem Forschungsthema einen Weg eingeschlagen zu haben, der noch viel Raum für wissenschaftliche Entdeckungen bietet.

Onna Rageth ist wissenschaftliche Projektleiterin am Institut für Tourismus und Freizeit (ITF) der Fachhochschule Graubünden und Autorin dieses Beitrags.

Number of comments 0
Comments