Leben und Studieren an der Ritsumeikan Asia Pacific University in Beppu, Japan
Leo Merino
Beppu, mein Zuhause auf Zeit
Zuerst etwas über Beppu, das Städtchen, das ich ein Semester lang mein Zuhause nennen darf. Beppu hat etwa 113’000 Einwohner, liegt auf Kyushu in der Präfektur Oita und befindet sich direkt am Meer. Besonders bekannt ist die Stadt für ihre heissen Quellen. Es gibt rund 150 öffentliche Bäder in Beppu, und ich selbst bin seit meiner Ankunft ein grosser Fan von ihnen geworden. Zu den grössten Touristenattraktionen gehören die sieben Höllen von Beppu. Das sind sieben heisse Quellen, die wegen ihrer extremen Hitze, Farben und dampfenden Landschaft nur zum Anschauen und nicht zum Baden gedacht sind.
Auch sonst hat Beppu alles, was man braucht. Es gibt ein Viertel mit vielen Bars und Restaurants, in dem am Abend einiges los ist. Auch Einkaufsmöglichkeiten gibt es genug, sodass man alles findet, was man im Alltag braucht. Wenn man in die Natur will, muss man nur in den Bus steigen, und nach ein paar Minuten landet man in einem sehr schönen Naturpark.
Noch etwas mehr zu den Onsen. Der Eintritt in ein einfaches Bad kostet teilweise nur ungefähr 1 CHF, während ein schöneres Bad etwa 5 CHF kosten kann. In den einfacheren Bädern bringt man seine Seife und sein Shampoo selbst mit oder kauft vor Ort kleine Portionen. Nach einem langen Tag sind diese heissen Bäder perfekt zum Entspannen. Das Wasser ist ungefähr 40 Grad warm. Am Anfang ist die Onsen-Kultur etwas ungewohnt, da man ohne Badebekleidung badet. Man gewöhnt sich jedoch schnell daran, und heute gehört der Onsen-Besuch für mich zu einer der schönsten Gewohnheiten in Beppu.
Studieren an der APU
Die Universität liegt auf einem Hügel, und die Lage mit der Aussicht ist wirklich beeindruckend. Von meiner Unterkunft dauert die Fahrt mit dem Bus je nach Verkehr etwa 35 bis 45 Minuten. Die Busse sind oft sehr voll, weil viele andere Studierende den gleichen Weg haben. Da ich diesen Weg allerdings nur für ein Semester habe, ist es für mich nicht so schlimm. Über längere Zeit kann es aber schon etwas mühsam sein. Besonders am Abend kann die Rückfahrt anstrengend sein, wenn nach der letzten Unterrichtsperiode viele Studierende gleichzeitig zurück in die Stadt fahren.
An der FHGR studiere ich Digital Supply Chain Management. Hier an der APU gibt es drei verschiedene Studenbereiche: Asia Pacific Studies (APS), International Management (APM) und Sustainability and Tourism (ST). Ich bin in APM, da die angebotenen Kurse am besten zu meinem Stundenplan an der FHGR passen. Dadurch kann ich hier in diesem Semester alle Module bis auf eines belegen, die ich auch in der Schweiz gehabt hätte.
Im Vergleich zur FHGR fühlt sich die APU für mich viel mehr wie ein klassischer Universitätscampus an. Es fühlt sich auch viel mehr nach einem Studentenleben an wie ich es mir vorgestellt habe. Für mich ist das eine coole Erfahrung, da ich an der FHGR nur Teilzeit neben dem Arbeiten studiere und dann auch noch von Zürich aus teilnehme, während ich hier viel stärker in den Campusalltag eingebunden bin. Auf dem Campus finden regelmässig Events von verschiedenen Studentenclubs statt. Es gibt Tanzaufführungen, Sportwettkämpfe, Debattierclubs und viele weitere Aktivitäten. Ich bin dem Baseballclub beigetreten, was für mich eine gute Möglichkeit ist, neben dem Studium neue Leute kennenzulernen und mehr vom japanischen Studentenleben mitzubekommen. Die Klassen sind sehr gross und haben meistens zwischen 150 und 200 Personen. Nur im Programmiermodul sind wir mit etwa 50 Studierenden deutlich weniger.
Ein internationaler Campus
An der APU studieren etwa 5’000 Personen. Ungefähr die Hälfte davon sind japanische Studierende, die andere Hälfte kommt aus vielen verschiedenen Ländern der Welt. Ein grosser Teil der internationalen Studierenden stammt aus asiatischen Ländern. Dadurch lernt man hier Menschen mit sehr unterschiedlichen Hintergründen, Sprachen und Kulturen kennen.
Die Kurse werden ungefähr zur Hälfte auf Japanisch und zur Hälfte auf Englisch angeboten. Dadurch ist die Universität sehr international ausgerichtet. Gleichzeitig ist es nicht immer einfach, japanische Studierende kennenzulernen, weil viele von ihnen vor allem japanischsprachige Kurse besuchen. Genau deshalb war der Baseballclub für mich eine gute Entscheidung. Baseball ist in Japan sehr beliebt, und im Team gibt es viele japanische Studierende.
Wohnen im AP House 4
Meine Unterkunft ist das AP House 4. Es liegt direkt am Meer im Zentrum von Beppu. Dort wohnen vor allem andere Studierende, die ebenfalls ein Auslandssemester oder ein ganzes Austauschjahr machen. Dadurch konnte ich schnell Freundschaften schliessen und Beppu gemeinsam mit anderen erkunden.
Das Essen ist hier im Vergleich zur Schweiz sehr günstig. Deshalb gehen wir am Abend oft gemeinsam essen. Das macht den Alltag einfacher und ist gleichzeitig eine gute Möglichkeit, neue Restaurants, japanische Gerichte und die Stadt besser kennenzulernen.
Die nächstgrössere Stadt ist Oita. Mit dem Zug ist man in ungefähr 20 Minuten dort. Wenn man eine grössere Stadt besuchen möchte, kann man nach Fukuoka fahren. Mit dem Zug dauert die Fahrt etwa 1 Stunde und 40 Minuten. Dadurch ist Beppu zwar eher ruhig, aber trotzdem gut gelegen, um auch andere Orte in Kyushu zu entdecken.
Alles in allem geniesse ich meine Zeit hier in Beppu und an der APU sehr. Ich lerne nicht nur fachlich Neues in meinen Kursen und über die japanische Kultur, sondern auch erstaunlich viel über andere Kulturen. Besonders der Austausch mit Studierenden aus verschiedenen Ländern in den englischsprachigen Kursen ist sehr spannend und lehrreich. Ein Auslandssemester ist eine Erfahrung, die ich jedem empfehlen kann, der bereit ist, sich auf neue Menschen, neue Umgebungen und neue Perspektiven einzulassen.
Leo Merino
Studiert Digital Supply Chain Management an der FH Graubünden und absolvierte ein Auslandsemester als Freemover an der Ritsumeikan Asia Pacific University in Beppu, Japan.