Eigentlich hatte ich nie geplant, ein Auslandssemester zu machen. Doch dann erzählte mir meine Professorin, dass im Studiengang Digital Business Management an der FHGR in Chur noch ein Platz frei sei. Ich musste nicht lange überlegen und sagte spontan zu. Wenig später saß ich schon in der Schweiz, ohne große Erwartungen, aber mit viel Neugier.
Schon bei meiner Ankunft wurde mir klar, wie groß der Kontrast zu meinem bisherigen Leben ist. Ich komme aus Berlin und studiere an der Hochschule Bremerhaven: zwei Orte, die entweder vom Großstadtleben oder vom weiten Horizont der Nordsee geprägt sind. In Chur dagegen sind die Berge ständig präsent. Egal wohin man schaut, sie sind da. Anfangs war das ungewohnt, inzwischen kann ich mir kaum etwas Schöneres vorstellen. Dieser Ausblick verliert einfach nicht seinen Zauber.
Auch die Stadt selbst hat mich überrascht. Mit rund 40.000 Einwohnern wirkt Chur auf den ersten Blick klein, aber sie hat unglaublich viel Charakter. Man ist in wenigen Minuten mitten in der Natur, kann durch die Altstadt schlendern, gemütlich Kaffee trinken oder abends spontan mit Freunden unterwegs sein. Gleichzeitig fühlt sich hier vieles ruhiger und entschleunigter an als in Berlin, und genau das habe ich schnell schätzen gelernt. Obwohl Zürich oder München gut erreichbar wären, hatte ich bisher kaum das Bedürfnis, der Stadt zu entkommen.
Natürlich war auch das Studium eine Umstellung. In Bremerhaven studiere ich Gründung, Innovation und Führung, ein eher freier Studiengang mit kleinen Gruppen und wenigen, aber intensiven Veranstaltungen. An der FHGR war vieles strukturierter: feste Vorlesungszeiten, Präsenzpflicht und größere Klassen. Erst dachte ich, dass mir diese Freiheit fehlen würde. Doch mit der Zeit habe ich gemerkt, wie spannend das Studium hier aufgebaut ist. Besonders beeindruckt hat mich die Vielfalt der digitalen Themen. Jedes Modul brachte neue Perspektiven, neue Projekte und neue Denkweisen mit sich. Ich merke jetzt schon, wie viele Ideen und Impulse ich aus diesem Semester mit nach Hause nehmen werde.
Neben der Landschaft und dem Studium hat mich auch die Schweiz selbst begeistert. Ich finde es faszinierend, wie vielseitig ein so kleines Land sein kann - kulturell, sprachlich und landschaftlich. Und natürlich habe ich inzwischen gelernt, was ein „Chuchichäschtli“ ist und dass ein Aromat hier fast schon zur Grundausstattung jeder Küche gehört.
Das Wertvollste an diesem Semester sind für mich aber die Menschen. Ich habe hier unglaublich offene, herzliche und hilfsbereite Leute kennengelernt. Gerade an der FHGR und mit meinen Mitbewohnern im Konvikt sind schnell echte Freundschaften entstanden. Meine Kommilitoninnen und Kommilitonen nehmen sich geduldig Zeit, mir Schweizerdeutsch beizubringen, lachen mit mir über meine Aussprache und haben dafür gesorgt, dass ich mich von Anfang an willkommen gefühlt habe. Genau diese Begegnungen machen das Semester für mich so besonders.
Wenn ich jemandem einen Tipp für ein Semester an der FHGR geben müsste, dann diesen: Nutzt die Zeit wirklich. Geht raus, entdeckt die Schweiz, sagt öfter Ja zu spontanen Plänen und traut euch, neue Menschen kennenzulernen. Genau daraus entstehen am Ende die Erinnerungen, die bleiben.
Carl-Georg Gutzeit
Studiert an der Hochschule Bremerhaven und absolvierte ein Semester im Studiengang Digital Business Management an der FH Graubünden.