Mit Koffer und Fahrrad im Schlepptau machte ich mich Ende Februar auf den Weg in eine Stadt, die so einiges zu bieten hat. Wer sich in Chur wohlfühlt, wird auch Florenz mögen: Die Stadt ist klein und übersichtlich, und trotzdem gibt es für jedermensch etwas. Museumsbesuche, lange Nächte in den Clubs Babylon und XO, Kochkurse oder Ausflüge in die umliegende Natur auf Wanderschaft oder dem Fahrrad geben der Langeweile keine Chance.
Kurz nach meiner Ankunft traf ich meine Mitbewohnenden für die nächsten Monate. Gefunden haben wir uns dank der Plattform HousingAnywhere, die ich für die Wohnungssuche wärmstens empfehlen kann. Auch sie sind Erasmus-Studierende und alle etwa im selben Alter – da hatte ich wirklich Glück.
Aber auch ohne dieses Glück hätte ich mich garantiert nicht allein gefühlt: Das Erasmus Student Network in Florenz ist riesig, und gleich am Einführungstag an der Uni wird man zu mindestens zehn Chats hinzugefügt. Fast ein wenig überwältigend, aber unglaublich praktisch. In diesen Gruppen kann man Fragen stellen, neue Leute kennenlernen und schnell Gleichgesinnte finden – ob Fahrradbegeisterte, Musikmachende oder Foodies. Zudem werden fast täglich neue Events angekündigt (Die Pasta Cooking Class kann ich dabei besonders empfehlen!).
Aber auch ausserhalb dieses ESN-Netzwerks findet man in Florenz garantiert genügend Freizeitbeschäftigungen. Meine Wochen waren mit Radtouren, Laufclub-Treffen, Italienischkursen und einem zweimonatigen Töpferkurs bis zum Rand gefüllt, dazu kamen Ausflüge in die umliegenden Städte an den Wochenenden. Mittlerweile weiss ich auch, welche Restaurants Touristenfallen sind und wo es die beste Pizza sowie den günstigsten Aperol Spritz gibt – falls du also Tipps brauchst, einfach melden ;).
Zur Stadt und ihren Menschen: Florentiner*innen haben den Ruf, eher verschlossen und schnell genervt zu sein. Verglichen mit dem durchschnittlichen Bünzli habe ich sie dennoch als sehr offen und freundlich wahrgenommen. Hilfreich ist es sicher, wenn man die Sprache zumindest ein wenig beherrscht, um nicht direkt als Tourist*in abgestempelt zu werden. Aber selbst dann: In Florenz ist man den Tourismus gewohnt. Auch als Austauschstudent*in wird man sich wohl oder übel daran gewöhnen müssen. Ein kleiner Bonus-Tipp für den Alltag: In Florenz fängt der frühe Vogel den Wurm. Vor zehn Uhr lassen sich der Dom und die Kirchen noch ganz ohne Menschenmassen geniessen.
Doch Florenz hat nicht nur als Stadt einiges zu bieten, auch die Uni hat mir unglaublich gut gefallen. Die Klassengrössen sind vergleichbar mit denen der FH, und auch der Unterrichts- und Prüfungsstil ist ähnlich. Dank der kleinen Klassen können jederzeit Fragen gestellt werden und die Leistungsnachweise variieren je nach Fach zwischen Projektarbeiten, Präsentationen, mündlichen Prüfungen und klassischen Abschlussprüfungen. Die Inhalte der Vorlesungen sind etwas wissenschaftlicher und damit weniger praxisorientiert, als ich es von der FH gewohnt bin – was für einen spannenden Perspektivenwechsel gesorgt hat. Je nach Fächerwahl kann man sich das Semester zudem anspruchsvoller oder lockerer gestalten. Die Università degli Studi di Firenze ist wirklich eine tolle Möglichkeit für alle, die einmal Uniluft schnuppern möchten.
Mein Fazit: Ein Austauschsemester in Florenz würde ich jederzeit wieder machen. Die Mischung aus lebendiger Studierendengemeinschaft, einer Uni mit viel Gestaltungsfreiheit und einer Stadt, die nie langweilig wird, macht diese Zeit zu einer Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Allora: vai!
Nadine Nef
Studiert Tourismus an der FH Graubünden und absolvierte ein Austauschsemester an unserer Partnerhochschule, der Università degli Studi di Firenze.