Anfang Dezember durfte ich die traditionsreiche Universität Graz im Rahmen eines zweitägigen Erasmus Staff Exchange zum Thema Mentoring besuchen. Graz – UNESCO City of Design – verbindet historische Architektur, mediterranes Flair und gelebte Offenheit.
Neben all den spannenden Einblicken ins Mentoring hat Graz auch mich mit seinem ganz eigenen Charme begeistert: Mit rund 300’000 Einwohner:innen ist die Stadt überschaubar, fussläufig und kreativ. Ein echtes Kontrastprogramm zu Wiens prunkvollen Boulevards und Kaffeehaus-Kultur. Der Blick hinauf zum Schlossberg ist hier fast so selbstverständlich wie der Kaffee in Wien, und wer Graz besucht, merkt schnell: Zwischen historischer Architektur, Designflair und Adventsstimmung lässt sich das Lernen und Inspirieren gleich doppelt geniessen.
Ein besonderes Highlight in meiner Freizeit war der Besuch des Kunsthauses Graz von den Architekten Peter Cook und Colin Fournier. Bei einer Abendführung erlebte ich die innovative, organisch wirkende Architektur hautnah. Das Gebäude, bekannt als «Friendly Alien», steht im spannenden Kontrast zur historischen Altstadt und wirkt dabei fast ein wenig «ausserirdisch».
Universität Graz: Grösse und Mentoringkompetenz
Die Universität Graz zählt zu den grösseren Hochschulen Österreichs: 6 Fakultäten, 120 Studiengänge, 30’000 Studierende und rund 3’000 Absolvent:innen jährlich. Das Mentoringprogramm der Universität hat seit 2011 kontinuierlich an Bedeutung gewonnen. Heute umfasst es 50 Tandems mit über 150 Mentor:innen in verschiedenen Bereichen: Career Start, Masterstudium, Internationalität und Entrepreneurship. Daneben gibt es Peer‑Mentoring, Mentoring für Schüler:innen, Rechtsstudierende, Gründer:innen und Forschungsprojekte. Der Ausbau der Mentoringprogramme ist zukünftig mit mehr Personalressourcen in Planung.
Das FHGR Mentoringprogramm gibt es bereits seit 2009, ein paar Jahre früher als das Mentoringprogramm der Universität Graz. Seit Beginn dürfen bei der FH Graubünden max. 50 Bachelor- und Masterstudierende teilnehmen. Es ist über all die Jahre stets ausgebucht und kontinuierlich höher als >8.5 (max. 10) seitens der Mentor:innen sowie Mentees bewertet. Dies zeigt uns, dass wir ein nachhaltiges und qualitativ hochwertiges Mentoringprogramm für eine grosse Anzahl von Studierenden und Fachbereichen anbieten.
Struktur und Prozesse
Die Universität Graz kombiniert digitale Tools mit persönlicher Betreuung: Studierende wählen selbständig Mentor:innen über eine zentrale Plattform, das Career Center begleitet den Prozess durch persönliche Gespräche, Kick-off Seminar und Workshops. Dies gewährleistet Verbindlichkeit, Zielklarheit und einen aktuellen Datenstamm. Auch bei der FH Graubünden bleibt das persönliche Bewerbungsinterview zentral für ein passendes Matching. Da die Programmleitung alle rund 150 Führungskräfte bzw. Mentor:innen vom FHGR-Pool persönlich kennt, ist das Matching «von Hand» stets sehr passend und von hoher Qualität, was den langjährigen Erfolg und die Zufriedenheit der Tandems ausmacht.
Sichtbarkeit und Outreach
Die Universität nutzt eine Mischung aus digitalen und persönlichen Touchpoints: Online-Infoveranstaltungen, Workshops vor Ort, Social-Media-Beiträge, Reels, Kurzinputs in Klassen und Präsenz auf Karrieremessen. So wird das Mentoringprogramm sichtbarer und Teil der Studienbegleitung. Die zur Verfügung gestellten Personalressourcen sind höher als bei der FH Graubünden. Das FHGR Mentoringprogramm wird über interne Kanäle, wie Informationstag Neustudierende, Info-Panel, Klassenmails sowie mit Statements über Social Media beworben. Eine allgemeine Verbesserung der Sichtbarkeit der Abteilung Student Services, wo das Mentoringprogramm angegliedert ist, wird zukünftig angestrebt.
Fazit: Inspiration für FH Graubünden
Der Austausch mit der Universität Graz zeigte eindrucksvoll, wie Mentoring in der heutigen Zeit digital professionell, strukturiert und gleichzeitig persönlich gestaltet werden kann. Die Kombination aus digitalen Tools, persönlicher Nähe und kontinuierlicher Weiterentwicklung liefert wertvolle Impulse, um das Mentoringprogramm der FH Graubünden weiter zu stärken. Der USP des FHGR-Mentoringprogramms liegt klar im persönlichen Kontakt zu allen Mentor:innen im Pool sowie den beteiligten Studierenden. Dieser langjährige Aufbau und die Verbundenheit mit dem Pool schaffen nachhaltige, wertvolle Partnerschaften, die zu weiteren wertvollen Kooperationen führen könnten. Sei es in der Betreuung von Bachelor- und Masterarbeiten, Jobmöglichkeiten, Einsatz als Gastdozierende oder bei Praxisprojekten.
Ein herzlicher Dank an die FH Graubünden, die mir diese wertvolle Erfahrung und Inspiration mit der Universität Graz ermöglicht hat. Der Austausch an der Universität Graz hat mir spannende Einblicke in weitere erfolgreiche Mentoringprogramme gegeben und liefert viele Impulse, um unser eigenes Programm weiterzuentwickeln.
Riccarda Ryffel
Student Services: Leitung Mentoringprogramm
riccarda.ryffel@fhgr.ch
Mehr Informationen über das FHGR Mentoringprogramm:
- Beschreibung des Programms & Statements von den Tandems
- Blogs, Erfahrungsberichte