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Stu­di­en­rei­se nach Venedig – Von Bauen am Bestand, Was­ser­stras­sen und Apéros in der Sonne

Hallo zusammen. Wir sind Céline und Arnaud, Austauschstudierende des vierten Semesters, und geben euch hier einen Einblick in die Studienreise des Frühlingssemesters 2026. Während gut vier Tagen im April lernten wir die schwimmende Stadt, die Stadt der Brücken und Kanäle, die Königin der Adria, La Serenissima, aber auch die Region kennen und bewundern.

Studienreise FHGR Architektur nach Venedig FS 2026
Zum Start einige Facts...

… über die Lagunenstadt. Die Stadt besteht aus einem Mosaik von 118 winzigen Inseln, die durch 150 Kanäle voneinander getrennt sind. Es gibt rund 400 Brücken, von denen 72 faktisch privat sind. Die wohl bekannteste Verbindung ist die Rialtobrücke, die den Canal Grande überspannt. Die Stadt beeindruckt durch ihre einzigartige Bauweise: Sie steht auf Millionen von Holzpfählen, die tief in den schlammigen Untergrund gerammt wurden. Diese Pfähle verrotten nicht, da sie unter Wasser luftdicht abgeschlossen, also ohne Sauerstoff, sind und so konserviert bleiben. Darüber liegen Steinplatten, die das Fundament der Gebäude bilden – faszinierend!

Venedig sinkt. Dies infolge des Klimawandels und der Verschiebung der adriatischen Platte, auf der die Stadt liegt. Um die Stadt zu schützen, wurde das gigantische Sperrwerk MOSE (Modulo Sperimentale Elettromeccanico) errichtet. Es besteht aus 78 beweglichen Toren, die bei Hochwasser angehoben werden könnenund die Lagune vom Meer abtrennen. Im Herbst und Winter kommt es regelmässig zu Überschwemmungen, dem Acqua Alta. Die Piazza San Marco ist meist als erstes betroffen. Für die Fussgänger:innen werden dann Stege gebaut.

Jährlich reisen etwa 20 bis 30 Millionen Menschen nach Venedig. Dem gegenüber stehen nur noch rund 50’000 Einwohner:innen in der historischen Altstadt (und etwa 250’000 in der gesamten Gemeinde). Damit gibt es zeitweise deutlich mehr Tourist:innen als Einheimische.

Ein weiterer spannender Fakt: In Venedig gibt es keine Autos. Der Verkehr findet ausschliesslich zu Fuss oder auf dem Wasser statt – etwa mit den berühmten Gondeln oder den Wasserbussen, den sogenannten Vaporetti.  Auch Fahrräder und Roller sind nicht erlaubt. Wer dagegen verstösst, erhält eine Busse.

Sonntag – Ankommen zwischen Kanälen, Umwegen und erstem Apéro

Die Hinreise erfolgte individuell; ein Teil unserer Klasse reiste gemeinsam mit dem Zug. Wir starteten am Sonntagmorgen und kamen am Nachmittag an. Andere Studierende nutzten ebenfalls den Zug oder reisten mit dem Flugzeug an.

Sobald wir auf der Insel angekommen waren, bewegten wir uns hauptsächlich mit den Vaporetti, den Wasserbussen Venedigs, und zu Fuß fort. Gleich bei unserer ersten Fahrt stiegen wir jedoch in das falsche Boot ein und bemerkten erst zu spät, dass es nach Murano fuhr und sich somit von Venedig und unserem Hostel entfernte. Diese unerwartete und zugleich amüsante Situation führte zu unserem ersten gemeinsamen Apéro. Danach ging es mit dem richtigen Boot in Richtung Unterkunft. Während der Woche waren wir im Combo Hostel zuhause. Das Hostel gefiel uns sehr, da es abseits der Touristenströme lag und zu den seltenen ruhigen Orten in Venedig gehörte.

Am Abend richteten wir uns in dem alten Kloster ein und trafen uns mit Daniel Näf. Er hat die Studienreise organisiert und begleitete uns als Dozent. Daraufhin gingen wir zusammen Abendessen. Da wir eine grosse Gruppe waren, war es jeweils schwierig alle zusammen essen zu gehen. Wir waren aber zum Glück in einem Quartier, in dem es wenig Touristen gab. So haben wir gruppenweise jeden Abend ohne Probleme etwas gefunden, wo man typisch italienisch essen konnte.

Montag – Bauen am Bestand als Wochenthema

Mit einem allgemeinen Input zu Venedig starteten wir in den Tag und in die offizielle Studienreise. Die Gebäude sind überwiegend zum Wasser hin ausgerichtet, und die Haupteingänge befinden sich meist direkt an den Kanälen. Die Stadt ist primär auf den Wasserverkehr ausgelegt, lässt sich aber auch gut zu Fuß erkunden. Anfangs war es teilweise etwas mühsam voranzukommen, da man genau darauf achten muss, wo sich die Brücken befinden, um die Kanäle zu überqueren. Wir gewöhnten uns aber schnell daran.

Unsere Besichtigungen begannen mit dem Gebäude Procuratie Vecchie von David Chipperfield an der Piazza San Marco. Das übergeordnete Thema der Studienreise lautete «Bauen am Bestand». So schauten wir uns heute aber auch im Verlauf der Woche vor allem architektonische Eingriffe in bestehende Gebäude an. Dann haben wir den öffentlichen Bau Punta della Dogana und das Treatrino Grassi, beides von Tadao Ando besucht. Wir waren überrascht, als wir in das Gebäude gingen, da das Theater innen modern war aber aussen alt. Das hatten wir nicht erwartet. Es war sehr interessant, da Tadao Ando so ein Kontrast mit der Materialität schafft.

Am Nachmittag hatten wir die Möglichkeit, durch die Stadt zu schlendern, verschiedene Viertel zu erkunden und das Vaporetto-System besser kennenzulernen.

Piazza San Marco

Procuratie Vecchie von David Chipperfield

Procuratie Vecchie von David Chipperfield

Procuratie Vecchie von David Chipperfield

Procuratie Vecchie von David Chipperfield

Procuratie Vecchie von David Chipperfield

Procuratie Vecchie von David Chipperfield

Punta della Dogana von Tadao Ando

Punta della Dogana von Tadao Ando

Punta della Dogana von Tadao Ando

Punta della Dogana von Tadao Ando

Teatrino Grassi von Tadao Ando


Dienstag – Zwischen Scarpa und Palladio

Der Dienstag drehte sich gänzlich um Carlo Scarpa und Andrea Palladio. Diese beiden Architekten begleiteten uns während der ganzen Studienreise.

Am Morgen blieben wir in Venedig und besichtigten verschiedene Umgestaltungen von Carlo Scarpa wie Querini Stampalia Stiftung, Palazzina Masieri und der Eingang der IUAV (Università Iuav di Venezia). Seine Arbeitsweise zeichnet sich durch eine bewusste Distanz zum Bestehenden aus.

Am Nachmittag reisten wir aufs Festland nach Vicenza, eine bedeutende Stadt der Region, in der Andrea Palladio zahlreiche Bauwerke errichtet hat. Seine Architektur unterscheidet sich stark von derjenigen Scarpas und wirkt deutlich monumentaler und repräsentativer. Wir haben uns gefreut, auch außerhalb von Venedig selbst unterwegs zu sein. Auch wenn Venedig eine wunderschöne Stadt in einer einzigartigen Umgebung ist, gibt es in der Region viele andere interessante Orte, die unterschätzt werden. Wir schauten uns das Teatro Olimpico und das Palladio-Museum an.

Querini-Stampalia-Stiftung von Carlo Scarpa

Querini-Stampalia-Stiftung von Carlo Scarpa

Querini-Stampalia-Stiftung von Carlo Scarpa

Querini-Stampalia-Stiftung von Carlo Scarpa

Eingang zur Universität und Architekturschule von Venedig (IUAV) von Carlo Scarpa

Eingang zur Universität und Architekturschule von Venedig (IUAV) von Carlo Scarpa

Teatro Olimpico von Andrea Palladio

Teatro Olimpico von Andrea Palladio

Teatro Olimpico von Andrea Palladio

Casa Gallo von Carlo Scarpa

Palladio-Museum, das das Leben des Architekten nachzeichnet, in einem Anbau, den er selbst entworfen hat

Mittwoch – Unterwegs in Veneto

Der dritte Tag begann früh, da wir mit dem Bus verschiedene Orte auf dem Festland besuchten. Die Fahrten nutzten wir, um uns etwas auszuruhen, was nach den vergangenen beiden Tagen (und Abenden), die sehr intensiv waren, willkommen war.

Heute machten wir uns erneut auf die Spuren von Andrea Palladio und Carlo Scarpa. Wir besichtigten bedeutende Bauwerke in Veneto, darunter die Villa Rotonda und die Villa Forni Cerato, beides Werke von Andrea Palladio. Dank unserer Reiseführerin, eine Archäologin, hatten wir zudem die besondere Gelegenheit, eine Stätte zu besuchen, die gerade restauriert wird. Wir waren beeindruckt über die Restaurierungstechniken, vor allem wenn es um die Struktur ging.  Es gab auch gerade eine Ausstellung mit dem Holz des Gebäudes, das ersetz werden musste. Es wurde sogar Holz gezeigt, welches von 500-jährigen Bäumen kam.  

Villa Rotonda von Andrea Palladio

Villa Rotonda von Andrea Palladio

Villa Rotonda von Andrea Palladio

Villa Forni Cerato von Andrea Palladio

Villa Forni Cerato von Andrea Palladio

Villa Forni Cerato von Andrea Palladio

Villa Forni Cerato von Andrea Palladio

Gypsoteca Canova von Carlo Scarpa

Gypsoteca Canova von Carlo Scarpa

Gypsoteca Canova von Carlo Scarpa

Tomba Brion von Carlo Scarpa

Tomba Brion von Carlo Scarpa

Donnerstag – Letzte Momente in der Lagunenstadt

Am letzten Tag kehrten wir zur Piazza San Marco zurück, wo wir die Woche begonnen haben. Wir besichtigten die Umgestaltung des Olivettis Ladens von Carlo Scarpa. Anschließend fuhren wir auf die Insel San Giorgio. Auf dieser überwiegend begrünten Insel wurden im Rahmen der Biennale 2018 etwa zehn Kapellen von verschiedenen Architekten errichtet. Dort gibt es zum Beispiel Werke von Norman Foster, Teronobu Fujimori oder Carla Juacaba.

Negozio Olivetti von Carlo Scarpa

Negozio Olivetti von Carlo Scarpa

Negozio Olivetti von Carlo Scarpa

Insel San Giorgio

Insel San Giorgio

Insel San Giorgio

Insel San Giorgio

Insel San Giorgio

Ein Teil von uns Studierenden ist am Donnerstag nach Hause gegangen. Wir sind aber noch zwei Tage länger geblieben, um die Stadt noch etwas besser und auf eigene Faust zu erkunden und zu geniessen.

Insgesamt hat uns Venedig und ihre Umgebung sehr gut gefallen und beeindruckt. Besonders bereichernd war es, die Stadt aus einer architektonischen Perspektive zu erleben, anstatt nur als Tourist:in. Dadurch konnten wir auch die Menschenmengen teilweise umgehen und vor allem ein tieferes Verständnis für diese besondere Stadt am Wasser gewinnen. Daneben haben selbstverständlich auch die Momente als Gruppe – spontane Gespräche während der Fahrten oder gemeinsame Zeit nach den Besichtigungen – die Studienreise besonders gemacht. Gerne wieder!

www.fhgr.ch/architektur

www.fhgr.ch/ibar

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