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Reden über Ar­chi­tek­tur? Das muss sein!

Die Frage, ob Architektur überhaupt von allgemeinem Interesse sei, wird immer mal wieder diskutiert. Meist stehen Wohnungsknappheit oder deren Preise im Fokus. In den klassischen Medien werden diese gesellschaftlichen Herausforderungen ausführlich beschrieben und werden meist anhand banaler Wohnungsbauten – aus Sicht des Fachpublikums – abgehandelt. Doch Architektur kann und muss mehr können als Antworten auf die Wohnungsknappheit oder die Preisfrage zu geben. Architektur ist nicht nur eine Angelegenheit des Immobilienmarktes oder Spezialistinnen und Spezialisten. Architektur und Bauen geht uns alle an, auch und vor allem als hohes kulturelles Kulturgut.

Reden über Architektur? Das muss sein!
Kindergarten Untervaz von Rainer Weitschies und Georg Krähenbühl als architektonisches Experiment mit Charakter. (Foto Daniel A. Walser)
Muss ein Haus komfortabel sein?

Der englische Architekt Mackay Hugh Baillie Scott, der vor allem durch seine Wohnhäuser bekannt ist, ärgerte sich bereits 1906 in seinem Buch «Houses and Gardens», dass es entweder gut gestaltete Architektur gäbe, die unbequem und wenig praktisch sei, oder komfortable Bauten, die eher wenig gestalterischen Anspruch haben. Er suchte in seinen Bauten diesen etwas klischeehaften Gegensatz zu überwinden und komfortable Bauten mit architektonischem Anspruch zu entwerfen und zu bauen.

Genau dieser vermeintliche Gegensatz zwischen Komfort, Funktionalität und Design ist bis heute ein wichtiges Thema. Der Vorwurf, dass Architektur wenig praktisch sei, taucht gerne auf. In publikumsstarken Medien werden immer wieder architektonisch mediokre Bauten gezeigt, die zwar aus dem Leben gegriffen sind, doch nur Klischees oder gegenwärtige Standards bestätigen. Dabei passiert derzeit in der Architekturszene sehr viel Interessantes, worüber es sich lohnen würde, zu berichten. Gesellschaftliche Veränderungen führen dazu, dass vermehrt neue ökologische Baumaterialen verwendet werden. Das führt auch zu neuen konstruktiven, aber auch räumlichen Ansätzen.

Wie könnte Architektur öffentlich diskutiert werden?

Architektur entwickelt sich laufend weiter. Insbesondere Energieeffizienz und ökologisches Bauen sind wichtige Themen. Beispielhaft für diese Entwicklung ist der neue Kindergarten in Untervaz der Architektengemeinschaft Rainer Weitschies und Georg Krähenbühl. Entstanden ist dabei ein eingeschossiger Kindergarten, der sich um einen gemeinsamen Innenhof gruppiert. Die fünf Kindergarteneinheiten und ein Mittagstisch mit Küche bilden eine kompakte Einheit, die den Kindern eine eigene Welt mit vielen unterschiedlichen Raumsituationen bieten, wo sie spielerisch und altersgerecht die Welt entdecken können. Das Tragsystem des Baus ist aus Vollholz konstruiert, welches aus gemeindeeigenem Wald stammt. Die Mauern wurden in Hanfkalk ausgeführt. Dies ist ein ökologischer Dämmstoff, der im Wesentlichen aus dem Leichtholz der Hanfpflanze und einem kalkhaltigen Bindemittel besteht.

Hier wird neues Wissen aus bestehendem Handwerk für zukünftige Lösungen entwickelt.

Daniel A. Walser

Der Kindergarten ist nicht nur konstruktiv experimentell, sondern schafft für die Kinder ein vielfältiges, spielerisches Umfeld, das weit über das Konzept eines üblichen zeitgenössischen Kindergartens geht. Dieser Bau ist sowohl architektonisch interessant, da er Gestaltung, Funktionalität und Komfort vereint und sich beweisen muss, dass er funktioniert.

Orte mit Charakter schaffen

Mit dem Kindergarten wurde ein beispielhafter Ort für die Kinder des Dorfes geschaffen. Ein Bau mit Charakter, der mehr als nur funktionale Flächen bietet. Erst recht, wenn sie im vorgegebenen Budget geblieben sind, wäre es wichtig, über gelungene öffentliche Bauten in breiten Publikumsmedien zu berichten.

Aus gesellschaftlicher Sicht reicht es nicht nur, die vorgesehenen Funktionen zu erfüllen. Es müssen Orte geschaffen werden, wo sich die Menschen auch wohlfühlen. Das muss nicht einmal teuer sein, aber intelligent. Und gerade hier gibt es in Graubünden ein riesiges Potenzial. Im Kanton wird neues Wissen aus bestehendem Handwerk für zukünftige Lösungen entwickelt. Das ist nicht nur für ein breites Publikum interessant, sondern auch zukunftsfähig.


Einmal im Monat beleuchtet die Fachhochschule Graubünden im Bündner Tagblatt Aspekte rund um das Thema Baukultur.

www.fhgr.ch/architektur

www.fhgr.ch/ibar

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