Mitten in Chur klafft ein riesiges Loch im Boden – ein Sinnbild für Aufbruch und Wandel, aber auch für die schöpferische Kraft des Bauens, die weit über das rein Technische hinausgeht. Christian Auer, Studienleiter Architektur am Institut für Bauen im alpinen Raum, spricht über das zukünftige Fachhochschulzentrum Graubünden, das Raum für Bildung, Forschung und Innovation schaffen wird.
Wo Zukunft Form annimmt
Es ist nicht zu übersehen. Das riesige Loch im Boden an der Pulvermühlestrasse in Chur, in dem aktuell fleissig gegraben, geschalt und betoniert wird. Es ist die Stelle, wo in ein paar Jahren das Fachhochschulzentrum Graubünden stehen und mit Leben gefüllt wird. Zu Beginn dieses Jahres sind die Bagger aufgefahren und das grösste Bauvorhaben des kantonalen Hochbauamts nimmt seither Tag für Tag mehr Gestalt an. Dabei wird ein straffes Bauprogramm verfolgt, das keine Unterbrechung zulässt. Denn Ende des Jahres 2027 soll der Bau vollendet sein und bereit für den Hochschulbetrieb mit über 2000 Studierenden und rund 300 Mitarbeitenden.
Die Baugrube steht für das Potenzial und die Möglichkeit, etwas zu entwickeln, zu transformieren oder zu erneuern.
Christian Auer
Mehr als ein Loch im Boden
Trotz dieses klar getakteten Ablaufs bleibt Raum für gedankliche Abschweifungen. Man denkt zurück an das einst ebene Terrain, beobachtet die rasante Veränderung der Umgebung und unvermittelt öffnen sich gedankliche Horizonte; man schweift ins Philosophische ab. Die Baugrube wird zu mehr als «nur» einem Teil des Bauprozesses, zu mehr als nur ein Loch im Boden. Sie wird zu einer Metapher für einen Raum, in dem etwas Neues entsteht. Sie ist eine leere Vertiefung, die vorbereitet wird, um Platz zu schaffen – sei es für Wissen, kreative Impulse oder Veränderungen.
In diesem Licht betrachtet, zeigt die Baugrube den Zustand des «Nichts» oder der «Leere», bevor Neues gebaut oder geschaffen wird. Die Baugrube steht für das Potenzial und die Möglichkeit, etwas zu entwickeln, zu transformieren oder zu erneuern – so, wie es die Fachhochschule Graubünden (FHGR) bereits heute in ihrer Kerntätigkeit tut und künftig in den neuen Räumlichkeiten fortsetzen wird.
Symbolik des Wandels und Wachstums
Des Weiteren könnte man die Baugrube als ein Symbol für den kreativen Prozess des Zerlegens, des Neuanfangs und des Wachstums sehen. Denn manchmal muss man erst tief graben, um die Grundlagen für etwas Neues zu legen. Anders gesagt: Um zu neuen Einsichten zu gelangen, müssen oft alte Annahmen «abgebaut» oder «ausgegraben » werden. So gesehen ist das Loch im Boden ein Bild für den kreativen und manchmal schmerzhaften Prozess des Wandels und der Entwicklung.
Lernen am lebendigen Beispiel
Gedanken wie diese zeigen, dass die Baugrube an der Pulvermühlestrasse mehr ist als nur ein Loch im Boden. Sie veranschaulicht die Faszination «Bauen» – etwas, das die Fachhochschule Graubünden in ihren beiden Studiengängen Architektur und Bauingenieurwesen lehrt. In passenden Momenten nutzen Dozierende die Baustelle des entstehenden Fachhochschulzentrums und binden sie in den Unterricht ein. So wird etwa eine Führung über das Gelände zu einer einzigartigen Form des Anschauungsunterrichts. Praxisnäher geht es kaum.
Das Schöne am Bauen: Es findet in der Öffentlichkeit statt. So können Passantinnen und Passanten das emsige Treiben auf der Baustelle mit eigenen Augen mitverfolgen. Noch bequemer geht das von zu Hause aus – und zwar über die Webcam. Diese ist für alle frei, ob als reine Unterhaltung oder mit einem gedanklichen Ausflug ins Philosophische – viel Vergnügen!
Einmal im Monat beleuchtet die Fachhochschule Graubünden im Bündner Tagblatt
Aspekte rund um das Thema Baukultur. Dieser Artikel erschien am Mittwoch, 20. August 2025.
Mehr zum Thema: Baugrubenbesichtigung Fachhochschulzentrum - Blog - Institut Bauen im alpinen Raum
Autor
Christian Auer ist Studienleiter Architektur am Institut für Bauen im alpinen Raum (IBAR).