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IPA im Ar­chi­tek­tur­mo­dell­bau – ein de­tail­rei­ches 1:200 Modell

Unsere Lehrtochter Sabrina schliesst diesen Sommer ihre Ausbildung zur Architekturmodellbauerin ab. Einen zentralen Bestandteil des Abschlusses bildet dabei die IPA, die Individuelle Praktische Arbeit, in der ein eigenständiges Projekt von der Planung bis zur Umsetzung realisiert wird. Wir haben mit Sabrina über ihre Abschlussarbeit gesprochen – über die Herausforderungen des Projekts, den Ablauf der IPA und darüber, welche Erfahrungen sie in den vergangenen Monaten im Modellbau sammeln konnte.

Was beinhaltet den Abschluss deiner Ausbildung?

In der Schule schreibe ich zwei Prüfungen: Berufskunde, also alles, was mit Modellbau zu tun hat, und Allgemeinbildung. Zusätzlich gibt es noch die IPA, die Individuelle Praktische Arbeit. Sie zählt 50 Prozent zu der Abschlussnote. Die IPA beinhaltet ein Modell, bei dem man einen Kundenauftrag selbstständig erarbeiten und ausführen muss. Neben dem Modell selbst zählen auch die Dokumentation der Arbeit sowie die Präsentation des Projekts und des Arbeitsprozesses. Das Projekt präsentiere ich schliesslich zwei Modellbauern, die mir zugeteilt wurden. Bewertet wird die IPA von meinem Lehrmeister. Die beiden Experten überprüfen dann sozusagen den Bewertungsvorschlag des Lehrmeisters.

Kannst du mir generell etwas mehr über die IPA im Modellbau erzählen?

Die Anforderungen werden vom Verband vorgegeben – ebenso der Zeitrahmen, in dem die Arbeit erledigt werden soll. Dieser liegt zwischen 60 und 120 Stunden. Zudem gibt es ein Formular mit verschiedenen Kriterien, die das Projekt erfüllen muss. Gemeinsam mit seinem Lehrmeister muss man dann ein passendes Projekt suchen. Entweder gibt es gerade ein Auftrag zu erledigen, der ohnehin ansteht und sich eignet, oder man fragt bei verschiedenen Büros nach.

Was hast du dir für ein Modell ausgesucht?

Da wir gerade kein passendes Projekt hatten, mussten wir ausweichen. Nach einigem Hin und Her mit verschiedenen Büros haben wir uns schliesslich für ein Projekt des Architekturbüros Albertin Architekten in Haldenstein entschieden. Beim Projekt handelt es sich um den Umbau eines Einfamilienhauses in Fürstenaubruck GR. Gemeinsam mit dem Büro haben wir besprochen, wie das Modell gebaut werden muss, damit es alle Kriterien als meine IPA erfüllt.

Wie läuft so eine IPA ab?

Zu Beginn erstellt man einen Zeitplan: Was mache ich wann und wie lange brauche ich dafür. Auch dies ist vorgegeben. Einen solchen Zeitplan erstellt man jedoch auch im normalen Berufsalltag, damit man den Überblick behält und die einzelnen Arbeitsschritte sinnvoll plant. Den Zeitplan schickt man dann zusammen mit dem Projektvorschlag im Voraus den Experten. Sie prüfen die Unterlagen und geben eine Rückmeldung, ob alles passt oder ob beispielsweise die eingeplanten Stunden angepasst werden müssen. Und dann kanns losgehen.

Sabrina an der Arbeit an ihrem Abschluss-Modell

Nach der Freigabe habe ich den groben Zeitplan weiter verfeinert. Anschliessend habe ich ihn ausgedruckt und an die Wand gehängt, damit ich jederzeit den Überblick behielt. Zudem konnte ich so täglich dokumentieren, was ich gemacht habe und wie viel Zeit ich dafür benötigt habe. Das half mir später auch bei der Dokumentation der Arbeit. Die Einhaltung des Zeitplans wird ebenfalls bewertet.

Zusätzlich musste ich ein Arbeitsjournal führen. Dieses geht über die reine Dokumentation hinaus. Ich beschrieb darin, was gut gelaufen ist, was weniger gut funktioniert hat, was ich gelernt habe oder weshalb ich für einzelne Arbeitsschritte mehr oder weniger Zeit benötigt habe als ursprünglich geplant.

Danach begann die eigentliche Planungsarbeit. Vom Auftraggeber, also dem Architekturbüro, erhielt ich die Planunterlagen. Das ist meistens so. Gelegentlich fehlen jedoch die Geländedaten beziehungsweise Höhenkurven. Diese lassen sich aber problemlos über das Geoportal herunterladen. Nach der Auswertung aller Pläne – also nachdem ich festgelegt habe, welche Informationen ich für die Umsetzung des Modells benötige – beginne ich mit der Zeichnung des Geländes und der Fassaden. Diese Daten bereite ich anschliessend für die Fräsarbeiten auf. Für die Fassaden sind wir, mein Lehrmeister Aldo und ich, zudem extra nach Fürstenaubruck gefahren, um sie zu fotografieren.

Den Anfang des Modells bildeten einzelne Polystyrolplatten. Das ist ein relativ weicher, aber sehr dichter Kunststoff. Er lässt sich mithilfe von Lösungsmitteln einfach mit sich selbst verschweissen. Anschliessend kamen die einzelnen, insgesamt rund zehn Häuser mit ihren Details hinzu. Erst ganz zum Schluss habe ich den Einsatz gebaut.

Meine Arbeit war in zwei Teile gegliedert. Dies, weil das eigentliche Projekt von Seiten Architekturbüro aus noch nicht weit genug entwickelt war, um den Einsatz herstellen zu können. Deshalb hatte ich zwischen der Fertigstellung der Umgebung und dem Bau des Einsatzes eine rund dreiwöchige Pause. Das war insbesondere im Hinblick auf den Zeitplan nicht ganz einfach. Ausserdem wusste ich so auch lange nicht, wie komplex die Umsetzung des Einsatzes letztlich sein würde. Tatsächlich stellte sie sich dann auch als etwas anspruchsvoller heraus als ursprünglich angenommen.

Gab es etwas das besonders war an diesem Auftrag? Welche Herausforderungen gab es?

Im normalen Arbeitsalltag würde man ein solches Modell im Massstab 1:200 niemals so detailliert ausführen. Üblicherweise wären die umliegenden Gebäude lediglich als weisse Kuben dargestellt und nur das Projektgebäude detailliert ausgearbeitet. Bei meinem Modell wurde deutlich mehr umgesetzt: Neben dem Projektgebäude sind auch alle Fassaden detailliert dargestellt, die auf das Hauptgebäude ausgerichtet sind. Für mich war somit der gesamte Auftrag speziell. Zu definieren, was dargestellt werden soll und was nicht, war nicht immer einfach.

Auch diese detaillierte Arbeit mit Holz war für mich neu. Die Herausforderung bestand darin, eine schöne und gleichzeitig effiziente Methode zu entwickeln, um die einzelnen Holzteile herzustellen. Das Projektgebäude besteht vollständig aus Holz, besitzt jedoch einen Betonsockel. Auch hier musste ich einen Weg finden, beide Bauteile so zu konstruieren, dass sie sich später einfach zusammensetzen lassen und kein improvisiertes Basteln nötig ist. All das war sehr lehrreich für mich. Ich konnte mir einige neue Techniken aneignen, was mich sehr freut.

Deine IPA ist abgegeben. Wie fühlst du dich?

Natürlich gibt es einige Dinge, die ich heute bereits anders machen würde. Das Modell ist beispielsweise sehr schwer geworden. Würde ich den Auftrag nochmals ausführen, würde ich das Gelände mit einem Hohlraum aufbauen. Den Entscheid dies nicht zu tun, hing jedoch auch mit dem Zeitdruck zusammen. Da ich lange nicht wusste, was beim Einsatz noch auf mich zukommen würde, wollte ich möglichst schnell vorankommen.

Im Grossen und Ganzen bin ich aber sehr zufrieden. Das meiste hat sehr gut funktioniert und oft sogar besser, als ich es mir vorgestellt hatte. Gleichzeitig bin ich froh, dass die Arbeit nun abgeschlossen ist. Das Resultat erfahre ich jedoch erst im Juli, kurz vor dem Abschlussapéro.

Die vier Jahre deiner Lehre sind vorbei. Wie geht es weiter? 

Vorerst bleibe ich für ein Jahr hier an der FHGR. Es ist neu, dass Absolventinnen und Absolventen eine befristete Jahresstelle angeboten erhalten. Danach könnte ich mir vorstellen, weiterhin hier zu arbeiten, falls sich die Möglichkeit ergibt. Für die weitere Zukunft kann ich mir zudem vorstellen, irgendwann die Weiterbildung zur Ausbildnerin zu absolvieren. Ich gebe mein Wissen gerne weiter, und auch die soziale Komponente dieser Aufgabe reizt mich.

Danke dir Sabrina für das Interview. Wir wünschen dir für die Zukunft alles Gute und freuen uns, dass du noch mindestens ein weiteres Jahr bei uns bleibst.

Foto: Sabrina Staub

Foto: Sabrina Staub

Foto: Sabrina Staub

Foto: Sabrina Staub

www.fhgr.ch/architektur

www.fhgr.ch/ibar

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