Die beiden Erstjahresstudentinnen Kayla (22) und Sarah (21) haben im Modul «Halle für xx» eine Halle für Kreativköpfe entworfen. Mehr über ihr Projekt, sich selbst sowie ihre Art zu arbeiten erzählen sie im Interview.
Hallo zusammen. Stellt euch doch unseren Leser:innen zuerst vor.
Kayla Schibli (KS): Ich heisse Kayla und komme ursprünglich aus einem kleinen Dorf im Kanton Aargau. Vor dem Studium habe ich eine Ausbildung als Hochbauzeichnerin gemacht. Anschliessend habe ich die gestalterische Berufsmatura nachgeholt und gleich darauf das Studium begonnen. Seit dem Sommer wohne ich auch hier in Chur.
Sarah Konrad (SK): Ich bin Sarah und komme aus Vaduz. Dort bin ich aufgewachsen und wohne ich noch immer. Vor dem Studium habe ich eine Lehre als Konstrukteurin gemacht. Ich komme also ursprünglich aus dem Maschinenbau und habe Pläne für Polydesigner:innen gezeichnet. Nach dem Lehrabschluss habe ich zwei Praktika gemacht: eines in einem Innenarchitekturbüro in Rotterdam und ein anderes als Malerin auf dem Bau. Da ich die Berufsmatura bereits während meiner Lehre absolviert habe, konnte ich im vergangenen Sommer direkt hier starten.
Was war die Aufgabenstellung des Moduls?
KS: Die Aufgabenstellung war, eine Halle für xx zu gestalten. Das «xx» konnten wir Studierenden selbst bestimmen. Viel mehr kann ich fast nicht dazu sagen, denn die Aufgabe war dieses Mal – im Gegensatz zum vorherigen Bushaltestellen-Modul – enorm frei formuliert. Wir hatten keine Angaben zu Grösse, Material, Kosten oder Standort. Alles konnten wir selbst bestimmen, sogar, ob die Halle eine klassische Halle bleiben oder andere Formate annehmen soll.
Stellt mir bitte euer Projekt vor.
SK: Unser Entwurf ist eine Halle für Kreativköpfe. Unser Ziel war es, einen Ort für gestalterische Ausbrüche aus dem Alltag zu schaffen. Wir haben uns mit verschiedenen Fragen rund um das kreative Arbeiten befasst: Was fördert Kreativität? Woraus ziehen Menschen Kreativität? Was brauchen kreativschaffende Personen?
Die Fragen rund um die Raumabfolge waren zentral: Was begünstigt was? Welchen Einfluss hat es, wenn ich aus der Sozialzone in die Arbeitszone blicken kann? Regt es an, selbst kreativ zu werden?
Sarah Konrad
Entstanden ist eine rund 4,5 Meter hohe, rechteckige Halle mit vielen Fenstern. Die Halle ist in drei aufeinanderfolgende Zonen gegliedert. Direkt beim Eingang befindet sich die Sozialzone. In dieser soll Austausch stattfinden: Dort können Arbeiten aufgehängt werden oder eine Bühne Platz finden. Ebenso ist dies der Ort, an dem sich die Kreativköpfe eine Pause gönnen – auch eine kleine Kaffeeecke wäre denkbar.
In der Mitte befindet sich die Arbeitszone mit Arbeitsplätzen und einer Werkstatt. Hier soll produziert werden, es darf also laut und dreckig sein. Den Abschluss bildet die Ruhezone. Dort gibt es diverse Einzelräume für stilles Arbeiten sowie zwei räumlich abgetrennte Boxen: ein Fotostudio und ein Filmstudio.
Je näher man bei der Sozialzone ist, desto heller ist es. Umgekehrt gilt: Je näher man bei der Ruhezone ist, desto dunkler wird es. Die verschiedenen Zonen sind jedoch nicht vollständig voneinander abgetrennt. In den Zwischenwänden befinden sich Fenster mit Sitznischen, die eine visuelle und räumliche Verbindung zwischen den Zonen schaffen sollen. Diese Fragen rund um die Raumabfolge waren zentral: Was begünstigt was? Welchen Einfluss hat es, wenn ich aus der Sozialzone in die Arbeitszone blicken kann? Regt es an, selbst kreativ zu werden?
Was ist die Besonderheit eurer Halle?
SK: Im Rahmen der Veranstaltungsreihe «Nachhaltige Baukultur in der Surselva», organisiert vom Surselva LAB der FH Graubünden und der Regionalentwicklung Surselva, haben wir das Atelier Schmidt in Trun besucht und dabei die lasttragende Strohballenbauweise kennengelernt. Die Idee, mit Strohballen ein Haus zu bauen, faszinierte uns. Schnell wurde in der darauffolgenden Tischkritik klar, dass wir den Aspekt der Nachhaltigkeit in unserem Projekt stärker gewichten möchten.
KS: Daher sind die Strohwände sicherlich eine Besonderheit unseres Entwurfs. Die Tiefe der Wände ist durch den einzelnen Strohballen definiert, welcher bereits 80 Zentimeter breit ist. Mit dem Wandaufbau kommt man auf rund 90 Zentimeter. Unsere Halle hat also sehr markante Wände, was bereits auf den Plänen spürbar wird.
Daneben sind auch die Fensterwände speziell. Auch hier wollten wir den Nachhaltigkeitsaspekt nicht vernachlässigen und überlegten uns, alte Fenster wiederzuverwenden. Da diese jedoch nicht immer über eine Doppelverglasung verfügen, entschieden wir uns für eine zweischalige Fensterwand, um den Wärmeschutz gewährleisten zu können. Dadurch ist die Anordnung der Fenster sehr verspielt. So soll auch das Äussere der Halle für Kreativköpfe ihrem Inneren gerecht werden.
Gab es Schwierigkeiten im Prozess?
SK: Das Schwierigste waren die allerersten Schritte. Ohne Vorgaben ist es nicht einfach, die richtige Richtung zu finden. Als das Thema jedoch klar war, mit dem wir uns befassen wollten, ging es sehr dynamisch weiter. Trotzdem war es – wie immer – ein Auf und Ab. Um noch mehr Meinungen ausser unseren eigenen miteinzubeziehen, haben wir beispielsweise auch unsere Kommiliton:innen nach ihren Ansichten gefragt. Der Versuch, all die verschiedenen Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen, führte auch räumlich zum Zusammenkommen unterschiedlicher Eigenheiten. So entfernten wir uns von einer anfänglichen Mehrstöckigkeit und Würfelform und kehrten zur klassischen Halle zurück, die als Bau einfach und linear funktioniert.
Stellt euch vor, ihr könntet euer Projekt realisieren. Was wären die nächsten Schritte oder Punkte, die ihr nochmals genauer anschauen müsstet?
KS: Die Idee der Wiederverwendung von Fenstern ist noch nicht vollständig ausgearbeitet und könnte bei einer Umsetzung sehr herausfordernd werden. All die Fenster in genau den von uns angedachten Grössen zu finden, ist quasi unmöglich. Hier müsste man sicher einen Kompromiss eingehen. Auch die Akustik in den verschiedenen Räumen müsste nochmals genauer betrachtet werden.
SK: Mit dem Dach haben wir uns bisher kaum befasst und es aus Zeitgründen sehr simpel gehalten. Eine Dachterrasse und/oder eine Dachbegrünung wären aber sicher toll und ein grosser Mehrwert. Auch die Umgebung der Halle war bis jetzt kein Thema.
Wie hat euch die Aufgabe gefallen?
KS: Wir konnten bei dieser freien Aufgabenstellung völlig aufgehen – das hat uns sehr entsprochen. Ein Highlight dieses Moduls war für mich sicherlich das 1:2 Mockup. Es war zwar eine Herausforderung, dieses zu bauen, aber jetzt bin ich auch ein wenig stolz auf uns und beeindruckt, dass wir das selbst umgesetzt haben. Das ist halt genau der Praxisbezug, der hier so wertvoll ist. Denn wenn man alles immer nur am Bildschirm zeichnet, ist das einfach nicht das gleich, als wenn man es nur einmal selbst gebaut hat.
Wie viel wir in dieses Studium investieren wollen, ist bei uns sehr ähnlich, was sehr wertvoll ist. So können viele Differenzen gar nicht erst entstehen.
Kayla Schibli
Wie war eure Zusammenarbeit?
SK: In der Blockwoche ganz am Anfang des Studiums haben wir uns nebeneinandergesetzt und uns so kennengelernt. Wir haben bereits das erste Projekt im Semester gemeinsam gemacht und schnell gemerkt, dass unsere Arbeitsweisen gut zueinander passen. Ich baue eher die Modelle, Kayla zeichnet mehr die Pläne – das kommt daher, dass Kayla Zeichnerin ist. Von der Ideenfindung bis zur Ausarbeitung arbeiten wir jedoch immer gemeinsam. Es läuft eigentlich fast schon zu gut zwischen uns. Manchmal sind wir uns fast zu früh einig, sodass wir eine weitere, allenfalls bessere Lösung, verpassen.
KS: Ich studiere Vollzeit, Sarah Teilzeit. Deshalb können wir nicht immer gleich viel Zeit investieren. Wir haben jedoch immer geschaut, wer wann welche Kapazitäten hat, und konnten uns so gut aufteilen. Schlussendlich hat es sich ausgeglichen, denke ich. Wie viel wir in dieses Studium investieren wollen, ist bei uns sehr ähnlich, was sehr wertvoll ist. So können viele Differenzen gar nicht erst entstehen. Auch unser Zeitmanagement war sehr gut. Ausserdem waren wir meist gleicher Meinung. Klar gab es Themen, die intensiver diskutiert wurden als andere, aber am Ende waren wir uns immer einig, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.
Euer erstes Semester habt ihr bereits geschafft. Gratulation! Auf was freut ihr euch?
SK: Ich bin gespannt auf die weiteren Dozierenden und die neuen Kurse und freue mich auf den Austausch zwischen uns Studierenden, auch mit den Studierenden der höheren Semester.
KS: Neu kommen die Module Landschaftsarchitektur und Städtebau dazu. Ich habe während meiner Ausbildung oft wahrgenommen, dass am Ende keine Zeit oder Ressourcen mehr für die Gestaltung der Umgebung bleiben, obwohl diese meiner Meinung nach genauso wichtig ist wie das Gebäude selbst. Deshalb freue ich mich sehr auf dieses Modul.
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Autorin
Barbara Truog ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Bauen im alpinen Raum (IBAR) und selbstständige Fotografin.