Das neue Studienjahr startet bei uns immer mit einer Blockwoche. Für die Studierenden, die neu ins Studium einsteigen, bedeutet das, die Atelierräume kennenzulernen und vor allem einander. Die Studierenden der höheren Semester haben diese Phase bereits hinter sich. Während sich das 3. Semester in der Blockwoche ihrer Semesteraufgabe im Bereich Wohnungsbau genähert hat, verbrachten die Studierenden des fünften Semesters ihre Blockwoche im Dorf Trun in der Surselva. Einen Einblick in diese Zeit geben die beiden Studierenden Anina Kleiner und Simona Krsmanovic.
Auf den Spuren von Trun Cultura
Nach dem kollektiven Start im Hauptgebäude in Chur, machte sich das fünfte Semester auf in die Surselva. Die Freude war gross – sowohl über den nun zurückgekehrten Studienalltag als auch auf das Wiedersehen der Mitstudierenden.
In Trun angekommen, wurden die Studierenden von Remo Derungs – unter anderem Innenarchitekt, Künstlerischer Leiter von Das Gelbe Haus Flims und Teil des Architekturbüros Gasser, Derungs – auf den Spuren von Trun Cultura durch das Dorf geführt. Er ließ sie an seiner denkmalpflegerischen Arbeit teilhaben und berichtete von der Begeisterung für die Kunstvermittlung in Trun.
Die Übersichtskarte zeigt die einzelnen Kulturstätten des Dorfes. Die braun markierten Gebäude bilden das Ensemble Trun Cultura. Dazu gehören das Casa Carigiet, das Casa Desax – die Homebase der Studierenden währen der Blockwoche – der Ausstellungsraum Spazi d’art Matias Spescha – die ehemalige Tuchfabrik Truns – sowie die begehbare Skulptur Ogna des Künstlers Matias Spescha. Ogna ist übrigens die größte begehbare Skulptur der Schweiz. Schnell wurde klar: In dem unscheinbaren Dorf zwischen Ilanz und Disentis gibt es einiges zu sehen und zu lernen.
Zurück in’s 18. Jahrhundert, Dorfführungen und Stadtspaziergänge
Der zweite Tag der Blockwoche begann für die Studierenden im Staatsarchiv in Chur mit einem intensiven Input zum Thema Recherchen bis ins 18. Jahrhundert. Das Staatsarchiv am Karlihofplatz dokumentiert rund 800 Jahre Geschichte in Form von Urkunden, Akten, Protokollen, Plänen, Fotos und Druckschriften. Das älteste Dokument, ein Testament, stammt aus dem Jahr 1209. Beeindruckt und zurück in Trun widmeten sich die Studierenden ihren eigenen Projekten. Die Aufgabenstellung der Blockwoche war es, Trun auf eigene Faust zu entdecken. Dazu gehörten neben Interviews mit Anwohnern auch Stadt- beziehungsweise Dorfspaziergänge.
In Dreiergruppen zogen wir los und sammelten Informationen zum Dorf. Die Idee war, eine alternative Dorfführung zu kreieren – eine Führung, die also nicht wie gewohnt vor allem Fakten enthält, sondern vielmehr auf zwischenmenschlicher Ebene passiert: Persönliche Perspektiven, Wahrnehmungen und Bedeutungen.
Anina Kleiner
Über die Künstlerische Kraft in Trun
Die Geschichte der Tuchfabrik in Trun ist groß, faszinierend und bis heute im Dorf spürbar. Alle Bewohnerinnen und Bewohner kamen früher oder später irgendwie mit der Fabrica in Kontakt. So auch der einheimische Künstler Alois Carigiet, der das weiter unten zu sehende Plakat für die Tuchfabrik entworfen hat. Mehr über die Fabrica da ponn gibt es hier und hier zu lesen.
Andererseits bietet die Tuchfabrik auch heute noch Inspiration und Raum für Neuinterpretationen – wie zum Beispiel für Carla Gabri. Die Künstlerin setzte sich über das Jahr 2019 hinweg mit Trun auseinander. Sie kennt das Dorf aus ihrer Kind- und Jungendzeit und verbrachte viele Sommermonate dort. Mittlerweile besitzt sie selbst ein Haus dort. Die entstandene Ausstellung «Welt(t)räume in Trun» wurde damals im Cuort Ligia Grischa im Dorf gezeigt. Einen Einblick in die Ausstellung und der Arbeiten der Künstlerin erhalten Sie hier. Was das Dorf so besonders macht, beantwortete die Künstlerin wie folgt:
Die unbändige künstlerische Kraft, die allem Niedergang trotzt...
Carla Gabri
Die Menschen in Trun setzten mit ihrem Engegament im Kunst- und Kulturbereich nicht zuletzt ein Zeichen; Sie haben nicht vor aufzugeben, auch wenn die Blütezeit des Dorfes vielleicht vorbei ist. Trun liegt an und für sich an einem touristisch interessanten Ort. Das Dorf umgibt die Strasse, die von Chur aus über Ilanz nach Disentis und dann weiter Richtung Lukmanier- oder Oberalppass führt. Somit fahren viele Reisende durch Trun – perfekt für einen Zwischenstop.
Zu Besuch bei Tarcisi Maissen und im Atelier Schmid
Halbzeit: Am Mittwoch wurden die Studierenden im Showroom von Tarcisi Maissen empfangen. Die Firma Tarcisi Maissen blickt bereits auf eine 79-jährige Geschichte zurück. Heute liegt die Führung in den Händen der beiden Söhne von Tarcisi Maissen. Der Geist und die Philosophie des Firmengründers sind jedoch auch heute noch das Leitbild des Unternehmens. Dazu gehören insbesondere energieeffizientes und nachhaltiges Wirtschaften. Die Studierenden erhielten eine Tour durch sämtliche Werkstätten auf dem Areal.
Ein sehr umfangreicher aber unglaublich interessanter Tag, an dem wir viel über
Anina Kleiner
Kreisläufe, Wertschöpfungsketten und zukunftsorientiertes Bauen und Leben
gelernt und diskutiert haben.
Nach ersten Zwischenbesprechungen versammelten sich die Studierenden im Atelier Schmid. Das Architekturbüro in Trun ist auf nachhaltige und ökologische Bauweisen für Neu-, Ersatz- und Umbauten im Wohn- und Industriebau spezialisiert. Thema des Besuchs war: Stroh in Zeiten von High-Tech. Klingt spannend? Am 22. November 2025 findet eine öffentliche Veranstaltung statt, an der Sie mehr über das Konzept der lasttragenden Stohballenbauweise lernen können. Die Veranstaltung ist Teil der Reihe «Nachhaltige Baukultur in der Surselva» – eine Veranstaltungsreihe vom Surselva Lab, eine Zusammenarbeit des Departements Entwicklung im alpinen Raum der FHGR und der Region Surselva. Ziel ist es, Forschung und Praxis im Tal zu stärken.
Ein gemeinsames Situationsmodell von Trun
Der Donnerstag begann mit einer selbstständigen Arbeitsphase und individuellen Coachings, gefolgt von einer Führung mit Christian Stoffel zum Thema Denkmalpflege. Am Nachmittag stellten die Studierenden einander ihre Ideen für das Situationsmodell von Trun und Umgebung vor, welches sie für ihre Semesterprojekte benötigen. Gewonnen hat die Idee einer Terrainkonstruktion, die auf Holzstäben, Gips und Kaffeesatz basiert. Zurück im Atelier in Chur begannen sie mit der Umsetzung des Plans.
Zum Abschluss wurden wir von unseren Dozierenden bekocht und verbrachten gemeinsam einen gemütlichen Abend in der Casa Desax. Herzlichen Dank!
Anina Kleiner
Eine intensive Blockwoche ging für die Studierenden zu Ende. Am Freitag führte Christian Ratti noch ein letztes Mal durchs Dorf – dieses Mal mit einem Blick für die Kunst im Detail. Die Ergebnisse der Arbeiten der Studierenden während der Blockwoche werden am 2. Oktober 2025 in der Casa Desax in Trun zu sehen sein.
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Autorin
Barbara Truog ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Bauen im alpinen Raum (IBAR). Anina Kleiner und Simona Krsmanovic studieren Architektur im fünften Semester an der Fachhochschule Graubünden (FHGR).