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Zeitmanagement im Studium

Zeit­ma­nage­ment im be­rufs­be­glei­ten­den Studium: Wie du Job, Studium und Leben unter einen Hut bringst

Jede Woche hat 168 Stunden. Das klingt nach viel — bis du anfängst zu rechnen.

Du arbeitest 40 bis 60 Prozent, also rund 20 bis 30 Stunden. Zwei Tage pro Woche bist du an der FH Graubünden, das sind etwa 16 Stunden plus An- und Abreise. Dazu kommen 12 Stunden oder mehr Selbststudium. Schlaf: idealerweise 7 bis 8 Stunden pro Nacht, also 50 bis 56 pro Woche. Essen, Haushalt, Pendeln: nochmal 15 bis 20 Stunden.

Was bleibt? Je nach Rechnung zwischen 30 und 50 Stunden. Für Familie, Freunde, Sport, Hobbys, Erholung und alles, was das Leben lebenswert macht.

Das ist machbar. Aber nur, wenn du weisst, wohin deine Zeit geht — und aufhörst, dir einzureden, du hättest «schon irgendwie genug».

Dieser Artikel ist Teil der Serie «Studienstart vorbereiten: 10 Skills, die dir niemand beibringt». Er vertieft Tipp 3: Plane deine Woche - jede Woche.

Die unbequeme Wahrheit über Zeit

«Ich habe keine Zeit» ist der meistgesagte Satz unter Studierenden. Er ist fast immer falsch. Was er eigentlich meint: «Ich habe keine Zeit für das, wofür ich mich nicht entschieden habe.»

Das ist kein Vorwurf. Es ist eine Beobachtung. Wir alle haben genau gleich viel Zeit. Der Unterschied liegt darin, wie bewusst wir sie verteilen. Wer sagt «ich habe keine Zeit zum Lernen», hat sich — bewusst oder unbewusst — dafür entschieden, die Zeit anders zu nutzen. Für den Job, für Netflix, für Social Media, für das dritte Feierabendbier.

Das ist dein gutes Recht. Aber wenn das Semester dann eng wird und die Prüfungen kommen, hilft es, ehrlich zu sich selbst zu sein: Du hattest die Zeit. Du hast sie nur anders verwendet.

Zeitmanagement beginnt deshalb nicht mit einem schöneren Kalender oder einer besseren App. Es beginnt mit der Frage: Wofür bin ich bereit, Zeit freizuräumen — und wofür nicht?


Schritt 1: Mach eine ehrliche Bestandsaufnahme

Bevor du planst, musst du wissen, wo deine Zeit heute hingeht. Nicht wo du denkst, dass sie hingeht — sondern wo sie tatsächlich landet.

Die Übung: Führe eine Woche lang ein grobes Zeitprotokoll. Keine minutiöse Strichliste — eine einfache Tabelle reicht. Trag jeden Abend ein, wie du deine Zeit grob verteilt hast: Arbeit, Studium, Haushalt, Freizeit, Bildschirmzeit, Schlaf. Am Ende der Woche addierst du.

Die meisten Leute erleben dabei zwei Überraschungen: Erstens, wie viel Zeit in Übergängen verloren geht — die halbe Stunde nach dem Aufstehen, die Stunde zwischen Feierabend und Abendessen, das Scrollen vor dem Einschlafen. Zweitens, dass sie deutlich mehr Freizeit haben, als sie dachten — sie nutzen sie nur nicht gezielt.

Du musst diese Übung nicht jede Woche machen. Einmal am Semesteranfang reicht, um ein realistisches Bild zu bekommen.


Schritt 2: Setze Fixblöcke

Die effektivste Methode für berufsbegleitend Studierende ist nicht kompliziert: Fixe Zeitblöcke für fixe Tätigkeiten.

Deine Arbeitstage sind fix. Deine Studientage sind fix. Was fehlt, ist ein fixer Block fürs Selbststudium. Und genau da scheitern die meisten — weil Selbststudium das Erste ist, was verschoben wird, wenn etwas anderes dazwischenkommt.

Die Lösung: Behandle deine Lernzeit wie einen Arzttermin. Du würdest einen Arzttermin nicht absagen, weil ein Kollege fragt, ob du «kurz noch» etwas erledigen kannst. Deine Lernzeit verdient denselben Schutz.

Konkret: Blockiere in deinem Kalender zwei bis drei feste Lernfenster pro Woche. Idealerweise immer am gleichen Tag, zur gleichen Zeit. Zum Beispiel: Mittwochabend 19–21 Uhr, Samstagmorgen 9–12 Uhr. Trag sie als Termin ein, sichtbar für alle. Und halte dich daran — nicht perfekt, aber meistens.


Schritt 3: Priorisiere radikal

Du wirst nicht alles schaffen. Das ist kein Versagen — das ist Mathematik. Wer berufsbegleitend studiert, hat weniger Zeit als Vollzeitstudierende. Das heisst: Du musst besser entscheiden, was wichtig ist.

Zwei Prinzipien, die dabei helfen:

Das 80/20-Prinzip. 80 Prozent des Ergebnisses kommen von 20 Prozent des Aufwands. Das bedeutet nicht, dass du nur 20 Prozent lernen sollst. Es bedeutet, dass du herausfinden musst, welche 20 Prozent den grössten Unterschied machen. Meistens sind das: die Kernkonzepte eines Moduls verstehen, die Übungsaufgaben machen, die Prüfungsform kennen und gezielt üben. Nicht: jeden Text dreimal lesen und jede Folie auswendig lernen.

Dringend vs. wichtig. Nicht alles, was dringend ist, ist wichtig. Und nicht alles, was wichtig ist, fühlt sich dringend an. Die Prüfung in drei Wochen fühlt sich weniger dringend an als die E-Mail vom Chef. Aber sie ist wichtiger für dein Studium. Mach dir am Anfang jeder Woche klar: Was ist diese Woche dringend und wichtig? Das erledigst du zuerst. Alles andere kommt danach — oder fällt weg. Überlege dir auch immer, für wen etwas dringend oder wichtig ist - ist es etwas für dich, für deine Kolleginnen und Kollegen oder deine Chefin?


Schritt 4: Plane Puffer ein

Kein Plan überlebt den Kontakt mit der Realität. Der Chef ruft an, in deiner Familie geht die Grippe um, du selbst bist platt nach einer harten Arbeitswoche. Wenn dein Zeitplan keinen Spielraum hat, bricht er beim ersten Windstoss zusammen — und mit ihm deine Motivation.

Die Faustregel: Plane pro Woche mindestens einen halben Tag, an dem nichts steht. Kein Lernen, kein Arbeiten, keine Verpflichtung. Dieser Block ist dein Puffer. In guten Wochen nutzt du ihn für dich. In schlechten Wochen fängt er auf, was liegengeblieben ist.

Deadlines vorziehen. Plane Abgaben in deinem Kalender nicht auf den letzten Tag, sondern zwei bis drei Tage vorher. Nicht weil du besonders pflichtbewusst sein musst, sondern weil du dir damit einen Sicherheitspuffer baust, der dich in der letzten Nacht vor der Deadline schlafen lässt statt schwitzen.


Schritt 5: Lerne in kleinen Einheiten

Berufsbegleitend Studierende haben selten drei Stunden am Stück frei. Aber sie haben erstaunlich viele Fenster von 20 bis 45 Minuten — zwischen Meetings, auf dem Arbeitsweg, in der Mittagspause.

Diese Zeitfenster sind Gold wert, wenn du sie richtig nutzt:

20 Minuten reichen, um: eine Zusammenfassung aus der letzten Vorlesung durchzuarbeiten, fünf Karteikarten zu repetieren, eine Übungsaufgabe zu rechnen, einen Fachartikel querzulesen.

45 Minuten reichen, um: ein Kapitel aktiv durchzuarbeiten, eine Gliederung für eine Arbeit zu skizzieren, eine Lerngruppen-Session vorzubereiten, Feedback auf eine Gruppenarbeit zu geben.

Der Schlüssel ist, dass du in diesen Momenten sofort starten kannst. Das funktioniert nur, wenn du vorher weisst, was du tust. Deshalb lohnt es sich, am Sonntagabend oder Montagmorgen eine kurze Liste zu machen: Was sind meine drei bis fünf Lernaufgaben diese Woche? In welche Zeitfenster passen sie?


Wenn alles gleichzeitig kommt

Es gibt Wochen, in denen sich Arbeit, Studium und Privatleben so stapeln, dass kein Plan mehr hilft. Projektdeadline im Job, zwei Abgaben an der Hochschule, und zu Hause steht auch noch etwas an. Das passiert nicht einmal pro Semester — es passiert mehrmals.

Drei Dinge, die in diesen Wochen helfen:

Triage. Nicht alles ist gleich wichtig. Was hat die härteste Deadline? Was hat die grössten Konsequenzen, wenn es nicht erledigt wird? Was kann warten? Mach diese Einschätzung einmal — ehrlich und schnell — und dann arbeite die Liste ab, ohne ständig neu zu priorisieren.

Kommuniziere. Wenn du eine Studien-Deadline nicht halten kannst, melde dich früh genug bei der Lehrperson und besprich ob ihr Flexibilität habt. Wenn du im Job eine Woche weniger leisten kannst, sprich mit deiner Vorgesetzten. Die meisten Menschen sind verständnisvoller, als du denkst — aber nur, wenn du rechtzeitig kommunizierst. Wer sich erst nach der Deadline oder kurz davor meldet, hat einen Erklärungsnotstand.

Senke den Anspruch bewusst. In einer Krisenswoche muss die Gruppenarbeit nicht perfekt sein — sie muss abgegeben werden. Das Lernen muss nicht drei Stunden dauern — eine halbe Stunde ist besser als null. Perfektionismus ist in normalen Wochen ein Qualitätsmerkmal. In Krisenwochen ist er ein Saboteur.


Werkzeuge, die funktionieren

Du brauchst keine komplexen Systeme. Diese Werkzeuge sind einfach, kostenlos und erprobt:

Dein Kalender. Egal ob Google Calendar, Outlook oder ein Papierkalender — das beste Tool ist das, das du tatsächlich nutzt. Trag alle Fixblöcke ein: Arbeit, Studientage, Lernzeiten, Puffer. Was nicht im Kalender steht, existiert nicht.

Eine einfache Aufgabenliste. Todoist, Microsoft To Do, eine Notiz-App oder ein Blatt Papier. Wichtig ist nur: eine einzige Liste, nicht fünf verschiedene. Pro Woche fünf bis sieben Aufgaben, jede so formuliert, dass klar ist, wann sie erledigt ist. Nicht «Statistik lernen», sondern «Kapitel 4 durcharbeiten und Übungen 1–3 lösen».

Die Sonntagabend-Routine. 15 bis 20 Minuten am Sonntagabend oder Montagmorgen: Kalender prüfen, Aufgaben für die Woche festlegen, Lernfenster identifizieren. Das ist die einzige Routine, die du wirklich brauchst. Wenn du nur eine Sache aus diesem Artikel mitnimmst, nimm diese.


Dein Aktionsplan

Vor dem Semesterstart: Mach die Bestandsaufnahme. Eine Woche lang aufschreiben, wohin deine Zeit geht. Dann entscheide: Welche Zeitfenster werden zu Lernzeit?

Woche 1: Trag deine fixen Lernblöcke in den Kalender ein. Mindestens zwei pro Woche. Kommuniziere sie in deinem Umfeld — Partner:in, Team, Freundeskreis. Je mehr Leute wissen, dass du Montag- und Mittwochabend lernst, desto weniger musst du jedes Mal neu verhandeln.

Woche 2: Starte die Sonntagabend-Routine. Drei Fragen: Was steht an? Was ist am wichtigsten? Wo sind meine Zeitfenster? Maximal 15 Minuten.

Woche 4: Erste Reflexion. Halte ich meine Lernblöcke ein? Wo bricht der Plan? Was muss ich anpassen? Ein Plan, den du nie anpasst, ist kein Plan — er ist eine Fantasie.


Fazit

Zeitmanagement für berufsbegleitend Studierende ist kein System, das du einmal aufstellst und das dann läuft. Es ist eine wöchentliche Gewohnheit: hinschauen, entscheiden, machen, anpassen. Der perfekte Plan existiert nicht. Aber ein guter Plan, an den du dich meistens hältst, schlägt jeden Tag ohne Plan.

Du hast die Zeit. Die Frage ist, ob du entscheidest, was du damit machst — oder ob andere es für dich tun.


Nächster Artikel in der Serie: Aktiv lernen: Methoden, die wirklich funktionieren — warum Folien lesen nicht reicht und welche Lernstrategien die Forschung empfiehlt.


Alle Artikel der Serie:


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Oder schreib mir direkt: dsc@fhgr.ch | +41 81 286 24 38 Prof. Dominic Käslin, Studienleiter


Prof. Dominic Käslin ist Studienleiter der Bachelorstudienrichtung Digital Supply Chain Management an der FH Graubünden. Er schreibt hier über Supply Chain Management, Karrierewege und die Zukunft der Wirtschaft.

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