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Digital Supply Chain Management Blog

Vom Studium in den Beruf

Vom Studium in den Beruf: Was du ab Tag 1 auf­bau­en kannst

Am Anfang des Studiums denkst du ans Bestehen. An Prüfungen, Abgaben, den nächsten Meilenstein. Das ist normal — und nötig. Aber wenn du nur bis zum nächsten Semesterende denkst, verpasst du etwas.

Ein Studium dauert vier Jahre. In dieser Zeit erwirbst du nicht nur Fachwissen, sondern baust Fähigkeiten auf, die weit über den Stoff hinausgehen. Du lernst, unter Druck zu arbeiten, in Teams Ergebnisse zu liefern, komplexe Probleme zu analysieren, vor Leuten zu sprechen. Das sind keine Nebenprodukte — das ist der eigentliche Wert.

Das Problem: Die meisten Studierenden erkennen das erst am Ende. Wenn sie den Lebenslauf schreiben und merken, dass sie vier Jahre lang Dinge getan haben, die sie nie dokumentiert, nie reflektiert und nie sichtbar gemacht haben.

Dieser Artikel zeigt, wie du es anders machst. Nicht mit Extraaufwand, sondern indem du das, was du sowieso tust, bewusster tust.

Dieser Artikel ist Teil der Serie «Studienstart vorbereiten: 10 Skills, die dir niemand beibringt». Er vertieft Tipp 10: Nutze dein Team - wirklich.

Portfolio-Denken: Dein Studium als Werkstatt

Jede grössere Arbeit, die du im Studium schreibst, ist ein potenzielles Referenzprojekt. Jede Gruppenarbeit ist ein Beleg für Teamfähigkeit. Jede Präsentation ist ein Nachweis, dass du vor Leuten sprechen kannst. Aber nur, wenn du es so behandelst.

Was das konkret bedeutet: Betrachte jede Studienleistung nicht nur als Aufgabe, die benotet wird, sondern als Arbeitsprobe, die du später zeigen könntest. Nicht jede — aber die guten. Die Seminararbeit, in der du eine echte Fragestellung aus deinem Berufsumfeld bearbeitet hast. Die Projektarbeit, in der dein Team ein konkretes Problem für ein Unternehmen gelöst hat. Die Präsentation, die wirklich gut lief.

Sammeln, nicht sortieren. Du musst jetzt kein perfektes Portfolio aufbauen. Aber leg dir einen Ordner an — physisch oder digital — in den du alles legst, das potenziell zeigenswert ist. Fertige Arbeiten, gute Folien, positive Feedbacks, Projektbeschreibungen. In vier Jahren wirst du froh sein, dass du nicht alles aus dem Gedächtnis rekonstruieren musst.

Qualität vor Quantität. Ein Portfolio mit drei starken Arbeiten ist besser als eines mit zwanzig mittelmässigen. Investiere in ausgewählte Projekte etwas mehr als das Minimum — nicht für die Note, sondern für die Arbeitsprobe. Das ist genau die Entscheidung, die du in Artikel 2 getroffen hast: Was willst du aus dem Studium mitnehmen?


Netzwerk aufbauen: Nebenbei, nicht nebenher

«Networking» klingt nach Visitenkarten-Tauschen und Small Talk mit Canapés. Im Studium ist es viel einfacher — und ehrlicher.

Deine Mitstudierenden

Die Menschen, mit denen du vier Jahre studierst, sind dein erstes berufliches Netzwerk. Nicht irgendwann — jetzt schon. In einer berufsbegleitenden Studienrichtung sitzen Leute mit unterschiedlichen Berufen, Branchen und Erfahrungen im gleichen Raum. Das ist ein Netzwerk, das du im Berufsleben nie so einfach aufbauen könntest.

Was du tun kannst: Lerne deine Mitstudierenden kennen — nicht nur die, mit denen du in der Gruppenarbeit landest. Frag, was sie beruflich machen. Erzähl, was du machst. Tausch dich über Themen aus, die euch beide interessieren. Nicht als Networking-Strategie, sondern aus echtem Interesse. Die besten beruflichen Kontakte entstehen nicht aus Kalkül, sondern aus gemeinsamen Erfahrungen.

Am Ende des Studiums wirst du Menschen kennen, die in der Logistik arbeiten, in der Distribution, im Einkauf, in der Beratung, in der Produktion, in Startups und Konzernen. Wenn du diese Beziehungen gepflegt hast, hast du etwas, das kein Diplom ersetzen kann.

Dozierende

Dozierende sind nicht nur Lehrpersonen. Viele sind gleichzeitig in der Praxis tätig, beraten Unternehmen, forschen oder haben ein breites berufliches Netzwerk. Eine gute Beziehung zu einer Dozentin oder einem Dozenten kann zu einem Praktikum führen, zu einer Empfehlung, zu einem Projekt oder einfach zu einem wertvollen Gespräch.

Wie das entsteht? Nicht durch Schmeichelei, sondern durch Engagement: gute Fragen stellen, Interesse zeigen, die Arbeit ernst nehmen. Dozierende merken sich die Studierenden, die mitdenken — nicht die, die am lautesten sind.

Veranstaltungen und Gäste

Im Laufe des Studiums wirst du Gastvorträge, Exkursionen und Branchenanlässe erleben. Geh hin — auch wenn es keine Pflicht ist. Stell dich vor, stell eine Frage, tausch eine LinkedIn-Verbindung aus. Das kostet zwei Minuten Überwindung und kann Monate später zu einer Gelegenheit führen, die du nicht hättest vorhersehen können.


Transferable Skills: Was du kannst, ohne es zu merken

Im Studium erwirbst du Fähigkeiten, die in keinem Modulbeschrieb stehen — und die für Arbeitgeber oft wichtiger sind als das Fachwissen.

Analytisches Denken. Jedes Mal, wenn du eine Fallstudie bearbeitest, Daten auswertest oder ein Modell anwendest, trainierst du die Fähigkeit, komplexe Sachverhalte zu zerlegen und zu verstehen. Das ist die Kernkompetenz, die Unternehmen suchen, wenn sie «strategisches Denken» in die Stellenanzeige schreiben.

Projektmanagement. Jede Seminar- oder Gruppenarbeit ist ein Mini-Projekt: Aufgabe definieren, Arbeit verteilen, Deadline einhalten, Ergebnis liefern. Nach vier Jahren hast du Dutzende solcher Projekte abgeschlossen. Das ist Erfahrung — auch wenn du es nie so genannt hast.

Kommunikation. Texte schreiben, Präsentationen halten, in Teams verhandeln, Feedback geben — alles Dinge, die du im Studium übst und die im Beruf täglich gebraucht werden.

Selbstmanagement. Berufsbegleitend zu studieren bedeutet, Job, Studium und Privatleben zu koordinieren. Wer das vier Jahre lang schafft, hat bewiesen, dass er unter Belastung organisiert arbeiten kann. Das ist für Arbeitgeber ein stärkeres Signal als jede einzelne Note.

Lernfähigkeit. Die Fähigkeit, sich in ein neues Thema einzuarbeiten, ist in einer sich schnell verändernden Arbeitswelt die vielleicht wertvollste Kompetenz überhaupt. Dein Studium ist der beste Beweis dafür, dass du diese Fähigkeit hast.

Das Problem: Die meisten Studierenden können diese Fähigkeiten nicht benennen. Sie sagen im Bewerbungsgespräch «Ich habe Digital Supply Chain Management studiert» — statt «Ich habe gelernt, komplexe Lieferketten zu analysieren, unter Zeitdruck Entscheidungen zu treffen und in interdisziplinären Teams Ergebnisse zu liefern.» Der Unterschied ist gewaltig.


LinkedIn: Dein berufliches Profil ab Semester 1

Wenn du noch kein LinkedIn-Profil hast, richte eines ein. Wenn du eines hast, aktualisiere es. LinkedIn ist das berufliche Netzwerk, das in der Schweiz am meisten zählt — und der Ort, an dem Recruiter, Arbeitgeber und Branchenkontakte dich finden.

Profil einrichten — die Basics:

Foto. Ein professionelles Foto. Kein Selfie, kein Ferienbild, kein Gruppenfoto. Freundlich, klar, aktuell. Das ist der erste Eindruck.

Headline. Nicht nur «Student:in an der FH Graubünden». Sondern etwas wie: «Digital Supply Chain Management | Berufsbegleitendes Studium FH Graubünden | Einkauf bei [Firma]». Die Headline ist das Erste, was Leute sehen — nutze sie, um zu zeigen, wer du bist und was du machst.

Zusammenfassung. Drei bis vier Sätze: Wer bist du, was studierst du, was interessiert dich beruflich, wo willst du hin? Kein Roman, keine Floskeln. Authentisch und konkret.

Erfahrung und Ausbildung. Trag dein Studium und deinen aktuellen Job ein. Beschreibe beides in zwei bis drei Sätzen — was du tust, nicht nur den Titel.

Während des Studiums pflegen:

Vernetze dich mit Mitstudierenden, Dozierenden und Gastreferenten. Nicht wahllos, sondern mit den Menschen, die du tatsächlich kennst. Ein kurzer Satz bei der Kontaktanfrage hilft: «Wir haben zusammen im Modul XYZ studiert — freue mich auf den Kontakt.»

Poste gelegentlich: eine Erkenntnis aus der Vorlesung, einen Gedanken zu einem Branchenthema, einen Artikel, den du gelesen hast. Du musst kein Influencer werden. Ein Post pro Monat reicht, um sichtbar zu bleiben. Die meisten tun es nicht — das allein hebt dich ab.


Bewerbungsgespräche vorbereiten — jetzt schon

Klingt verfrüht? Ist es nicht. Die besten Vorbereitungen für Bewerbungsgespräche passieren nicht in der Woche vor dem Termin, sondern über vier Jahre hinweg.

Sammle Geschichten. Jedes Bewerbungsgespräch lebt von konkreten Beispielen. «Erzählen Sie von einer Situation, in der Sie einen Konflikt im Team gelöst haben.» «Wie gehen Sie vor, wenn Sie ein Problem analysieren?» «Beschreiben Sie ein Projekt, auf das Sie stolz sind.» Wenn du erst im Gespräch anfängst, nach Beispielen zu suchen, ist es zu spät.

Führe eine einfache Liste — ein Dokument, eine Notiz — mit Situationen aus dem Studium und dem Beruf, die du in einem Gespräch verwenden könntest. Pro Eintrag drei Sätze: Was war die Situation? Was hast du getan? Was war das Ergebnis? Das ist das STAR-Format (Situation, Task, Action, Result), das in strukturierten Interviews verwendet wird — und es funktioniert, weil es konkret ist.

Kenne deinen roten Faden. Arbeitgeber wollen verstehen, warum du tust, was du tust. Warum dieses Studium? Warum diese Richtung? Was ist dein Ziel? Du musst keine perfekte Antwort haben — aber eine ehrliche. Und die entwickelt sich über vier Jahre, nicht in einer Nacht.

Nutze das Studium als Bühne. Jede Präsentation trainiert dein Auftreten. Jede Diskussion trainiert deine Argumentation. Jede Gruppenarbeit trainiert deine Teamfähigkeit. Wenn du diese Situationen bewusst als Übungsfeld siehst, kommst du nach dem Studium nicht als Anfänger ins Bewerbungsgespräch — sondern als jemand, der vier Jahre lang geübt hat.


Das Lerntagebuch: Dein wertvollstes Dokument

In Artikel 1 habe ich ein Lerntagebuch vorgeschlagen — drei Sätze pro Woche, nicht mehr. Hier zeigt sich, warum es so wertvoll ist.

In vier Jahren Studium passiert mehr, als du dir merken kannst. Erkenntnisse, Wendepunkte, Erfolge, Misserfolge, Überraschungen. Ohne Dokumentation verschwimmt alles zu einem vagen «war anstrengend, hat sich gelohnt». Mit einem Lerntagebuch hast du eine chronologische Aufzeichnung deiner Entwicklung — und eine Goldgrube für Bewerbungen, Jahresgespräche und dein eigenes Selbstbild.

Was du aufschreibst: Drei Fragen, jede Woche.

Was habe ich diese Woche gelernt, das über den Stoff hinausgeht? Was hat mich überrascht? Was will ich nächste Woche anders machen?

Drei Sätze. Zwei Minuten. Über vier Jahre entsteht daraus ein Dokument, das dir zeigt, wie weit du gekommen bist — und das du in keiner Vorlesung bekommst.


Dein Aktionsplan

Diese Woche — LinkedIn. Erstelle oder aktualisiere dein Profil. Foto, Headline, Zusammenfassung, Studium eintragen. Vernetze dich mit fünf Mitstudierenden. Dauert 30 Minuten.

Woche 2 — Portfolio-Ordner. Erstelle einen Ordner «Portfolio» in deinem Dateisystem. Leer ist in Ordnung — er ist da, wenn du ihn brauchst. Ab jetzt legst du gute Arbeiten, Feedbacks und Projektbeschreibungen dort ab.

Woche 3 — Erste Geschichte sammeln. Schreib eine Situation aus dem Studium oder Beruf in STAR-Format auf: Situation, Aufgabe, Handlung, Ergebnis. Drei bis fünf Sätze. Leg sie in deinen Portfolio-Ordner.

Ab Woche 4 — Lerntagebuch starten. Jeden Sonntagabend, direkt nach deiner Wochenplanung (Artikel 3): drei Sätze. Was gelernt? Was überrascht? Was anders? Das ist deine kleinste und wirkungsvollste Gewohnheit.


Fazit

Dein Studium ist nicht nur ein Weg zum Abschluss. Es ist eine Werkstatt, in der du vier Jahre lang an dir arbeitest — fachlich, persönlich, beruflich. Was du daraus mitnimmst, hängt davon ab, wie bewusst du es angehst und was du bereits bist zu investieren.

Du musst nichts Zusätzliches tun. Du musst das, was du sowieso tust, anders betrachten: als Arbeitsprobe, als Übungsfeld, als Netzwerk. Dieser Perspektivwechsel kostet nichts — und verändert alles.

Starte nicht am Ende des Studiums mit der Karriereplanung. Starte jetzt.


Dies ist der letzte Artikel der Serie «Studienstart vorbereiten: 10 Skills, die dir niemand beibringt». Die gesamte Serie findest du hier: Übersichtsartikel.


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Oder schreib mir direkt: dsc@fhgr.ch | +41 81 286 24 38 Prof. Dominic Käslin, Studienleiter


Prof. Dominic Käslin ist Studienleiter der Bachelorstudienrichtung Digital Supply Chain Management an der FH Graubünden. Er schreibt hier über Supply Chain Management, Karrierewege und die Zukunft der Wirtschaft.

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