Du hast dich für ein Studium entschieden — vielleicht das erste Mal seit Jahren, dass du wieder die Schulbank drückst. Du hast den Papierkram erledigt, die Studieninhalte durchgeschaut, und fragst dich: Was erwartet mich eigentlich?
Die ehrliche Antwort: Fachwissen ist nicht das Problem. Das kommt im Studium. Was viele unterschätzen, sind die Fähigkeiten drumherum — wie du dich organisierst, wie du lernst, wie du mit anderen zusammenarbeitest. Diese Skills entscheiden darüber, ob du dein Studium als anstrengend oder als bereichernd erlebst.
Hier sind 10 Dinge, die du dir vor dem ersten Studientag aneignen solltest.
1. Übernimm die Regie
Niemand wird dir sagen, wann du was lernen sollst. Kein Lehrmeister steht hinter dir, keine Chefin kontrolliert deinen Fortschritt. Ein Studium ist kein Kurs, den man absitzt — es ist ein Projekt, das du selbst steuerst. Das bedeutet: Du holst dir Informationen aktiv, du wartest nicht darauf, dass jemand sie dir bringt. Wenn du etwas nicht verstehst, ist das kein Problem — solange du etwas dagegen unternimmst. An der FH Graubünden bekommst du dafür den Support mit den besten Betreuungsverhältnissen aller Schweizer Fachhochschulen gem. Bundesamt für Statistik BFS (Indikatoren der Fachhochschulen nach Fachbereich und Hochschule, veröffentlicht am 26.08.2025; Daten bis 2024)
Mach das: Stell dir am Anfang jedes Semesters drei Fragen: Was will ich lernen? Was brauche ich dafür? Was ist mein grösstes Risiko? Schreib die Antworten auf.
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2. Entscheide, was du aus dem Studium machst
Ein Studium ist das, was du daraus machst. Du kannst als Minimalist:in durchgehen — Prüfungen bestehen, Aufgaben abgeben, Abschluss kassieren. Das ist legitim. Aber du kannst auch das Maximum herausholen: Kontakte knüpfen, die zu Jobchancen werden. Fragen stellen, die zu Projekten führen. Dich auf Themen einlassen, die nicht prüfungsrelevant sind, aber dein Denken verändern. Beide Wege führen zum gleichen Diplom — aber nicht zur gleichen Entwicklung. Überleg dir früh, welchen Weg du gehen willst.
Mach das: Schreib dir pro Semester auf, was du am Ende können willst, das über «bestehen» hinausgeht. Nicht nur fachlich — auch menschlich und beruflich. Schau es dir Mitte Semester nochmal an.
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3. Plane deine Woche — jede Woche
Du studierst berufsbegleitend, bzw. in Teilzeit, arbeitest daneben, hast ein Privatleben. Das funktioniert nur mit einem Plan. Nicht weil du ein Kontrollfreak sein musst, sondern weil dein Gehirn limitierte Kapazität hat. Was nicht geplant ist, fällt weg — und das ist meistens das Lernen.
Mach das: Blockiere dir feste Lernzeiten in deinem Kalender, genau wie Meetings. Sonntagabend 20 Minuten für die Wochenplanung reichen.
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4. Lerne aktiv, nicht passiv
Folien durchlesen und Texte markieren fühlt sich produktiv an, reicht aber nicht, um Wissen wirklich zu verankern. Lernen heisst, dein Gehirn zum Arbeiten zu bringen: Zusammenhänge herstellen, Fragen beantworten, Gelerntes in eigenen Worten erklären und üben. Wer drei Stunden Folien liest, hat oft weniger gelernt als jemand, der 45 Minuten aktiv mit dem Stoff arbeitet.
Mach das: Teste dich selbst. Klappe das Skript zu und erkläre das Thema laut — dir selbst, deinem Hund oder einer leeren Wand. Wenn du stockst, weisst du, wo die Lücke ist.
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5. Bau dir ein Notizsystem, das funktioniert
Notizen sind nicht dazu da, die Vorlesung abzuschreiben. Sie sind dein Werkzeug, um Gedanken zu sortieren und Wissen wiederzufinden. Ein gutes Notizsystem spart dir vor der Prüfung Stunden — ein schlechtes kostet dich welche.
Mach das: Probiere verschiedene Methoden aus (Cornell, Zettelkasten, Mind Maps) und bleib bei der, die zu dir passt. Wichtig ist nicht die Methode, sondern dass du eine hast.
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6. Hinterfrage, was du hörst und liest
Im Studium wirst du mit Modellen, Theorien und Meinungen konfrontiert. Dein Job ist nicht, alles zu glauben, sondern zu prüfen: Stimmt das? Unter welchen Bedingungen? Was sagt die Gegenposition? Kritisches Denken ist keine Eigenschaft, die man hat oder nicht — es ist eine Gewohnheit, die man trainiert.
Mach das: Stell bei jedem Modell oder Framework die Frage: «Wann funktioniert das nicht?» Du wirst überrascht sein, wie oft diese Frage zu besseren Diskussionen führt.
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7. Kommuniziere proaktiv — besonders wenn es unangenehm scheint
Die meisten Probleme im Studium entstehen nicht durch fehlende Intelligenz, sondern durch fehlende Kommunikation. Du verstehst eine Aufgabe nicht? Frag nach — vor der Abgabe, nicht danach. Du schaffst eine Deadline nicht? Melde dich frühzeitig. Dozierende sind keine Gegner. Sie können dir aber nur helfen, wenn du den Mund aufmachst.
Kommunikation ist mehr als reden — sie beginnt beim Zuhören und zeigt sich spätestens, wenn du vor einer Gruppe stehst.
Mach das: Schreib innerhalb der ersten zwei Wochen mindestens eine Frage an eine Lehrperson. Nicht weil du musst, sondern weil du die Hemmschwelle senken willst.
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8. Nutze dein Team — wirklich
Gruppenarbeiten haben einen schlechten Ruf, oft zu Recht. Aber die Fähigkeit, mit unterschiedlichen Menschen an einem gemeinsamen Ergebnis zu arbeiten, ist eine der meistgefragten Kompetenzen im Beruf. Das Studium ist dein Trainingsfeld. Nutze es: Sprich Konflikte an, verteile Aufgaben klar, gib und fordere Feedback.
Mach das: Klärt in jeder Gruppenarbeit zu Beginn drei Dinge: Was ist unser Anspruch — reicht uns eine genügende Note, oder wollen wir das bestmögliche Ergebnis? Wer macht was bis wann? Und wie geben wir uns gegenseitig Rückmeldung? Klingt banal — wird aber fast nie gemacht, und genau da beginnen die meisten Konflikte.
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9. Kenne deine digitalen Werkzeuge
Moodle, Webex, OneDrive, Zotero, KI-Tools — du wirst im Studium mit einer Reihe von Plattformen und Werkzeugen arbeiten. Investiere am Anfang ein paar Stunden, um sie richtig kennenzulernen, statt dich vier Jahre lang durchzuwursteln. Wer seine Tools beherrscht, spart pro Woche Zeit — und vor allem Nerven.
Mach das: Richte dir in der ersten Woche deine Lernumgebung ein: Dateisystem auf OneDrive, eine Notiz-App wie Notion, Kalender, Lernplattform. Einmal ordentlich aufsetzen statt semesterlang improvisieren.
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10. Denke über das Semester hinaus
Jede Gruppenarbeit ist ein Referenzprojekt. Jede Präsentation ist ein Pitch-Training. Jedes Netzwerk, das du im Studium aufbaust, begleitet dich in die Karriere. Die Studierenden, die das Studium am meisten nutzen, sind nicht die mit den besten Noten — sondern die, die jede Gelegenheit als Chance sehen, etwas zu lernen, das sie weiterbringt.
Mach das: Führe ab dem ersten Semester ein kurzes Lerntagebuch: Was habe ich diese Woche gelernt, das über den Stoff hinausgeht? Du wirst überrascht sein, was sich in vier Jahren ansammelt.
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Fazit
Keiner dieser 10 Punkte erfordert besonderes Talent. Alles davon lässt sich lernen und üben. Der Unterschied zwischen Studierenden, die durchkommen, und Studierenden, die wirklich profitieren, liegt selten im Kopf — sondern in den Gewohnheiten.
Starte nicht perfekt. Starte bewusst.
Alle Artikel der Serie:
- 1 — Selbstverantwortung im Studium
- 2 — Ziele setzen, die funktionieren
- 3 — Zeitmanagement für Berufsbegleitende
- 4 — Aktiv lernen: Methoden, die funktionieren
- 5 — Notizen, die du in 6 Monaten noch verstehst
- 6 — Kritisch denken lernen
- 7 — Proaktiv kommunizieren
- 8 — Gruppenarbeit: Vom Frust zum Team
- 9 — Deine digitale Lernumgebung einrichten
- 10 — Vom Studium in den Beruf
- Bonus — Präsentieren im Studium
- Bonus — Aktives Zuhören
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Oder schreib mir direkt: dsc@fhgr.ch | +41 81 286 24 38 Prof. Dominic Käslin, Studienleiter
Prof. Dominic Käslin ist Studienleiter der Bachelorstudienrichtung Digital Supply Chain Management an der FH Graubünden. Er schreibt hier über Supply Chain Management, Karrierewege und die Zukunft der Wirtschaft.