Mit einem HF-Diplom kannst du an einer Schweizer Fachhochschule ein verkürztes Bachelorstudium absolvieren — eine sogenannte Passerelle von der HF an die FH. Dank der Anrechnung von Vorleistungen aus deiner HF-Ausbildung verkürzt sich die Studiendauer erheblich: An der FH Graubünden sind je nach HF-Abschluss 2 bis 3 Jahre (4 bis 6 Semester) realistisch, berufsbegleitend und zu öffentlichen FH-Studiengebühren.
Ob du Prozesstechniker:in HF (Techniker:in HF Unternehmensprozesse), Betriebswirtschafter:in HF, Wirtschaftsinformatiker:in HF oder Zollexpert:in HF bist — du hast bereits tausende Stunden in deine Ausbildung investiert. Dieser Beitrag zeigt dir, wie du darauf aufbauen und mit einem verkürzten Bachelor den nächsten Karriereschritt machen kannst.
Warum nach der HF noch einen Bachelor?
Du hast mit deinem HF-Diplom eine anspruchsvolle Ausbildung abgeschlossen und wichtige Fach-, Methoden- und Sozialkompetenzen erworben. Warum also noch einen Bachelor?
Drei Gründe kommen in Beratungsgesprächen immer wieder:
Breitere Karrieremöglichkeiten: Ein Bachelorabschluss öffnet Türen zu Positionen, die formell einen Hochschulabschluss voraussetzen — besonders in grösseren Unternehmen und im internationalen Kontext. Zudem ist der Bachelor die Voraussetzung für ein Masterstudium (MSc, MBA, EMBA) an Hochschulen in der Schweiz und weltweit.
Höherer Lohn: Absolvierende des BSc Betriebsökonomie - Digital Supply Chain Management an der FH Graubünden erreichen bei Studienabschluss einen durchschnittlichen Jahreslohn von CHF 96'590 mit Top-Löhnen bis zu CHF 120'000. Gemäss eduwo.ch liegt der Durchschnittslohn von HF-Absolvent:innen drei bis vier Jahre nach Abschluss bei CHF 101'600. Mit einem FH-Bachelor sind Löhne zwischen CHF 103'800 und CHF 141'300 realistisch — ein Unterschied, der sich über ein Berufsleben auf bis zu CHF 1'500'000 summieren kann.
Tiefere und breitere Kompetenzen: Ein Bachelorstudium geht über den Fachfokus einer HF hinaus. Du lernst, Zusammenhänge zwischen Organisationen, Prozessen, IT-Systemen, Daten und Technologien zu verstehen und zu gestalten. Gerade im Supply Chain Management, wo die Komplexität stetig zunimmt, reicht Fachwissen alleine nicht mehr aus.
Was bedeutet «Passerelle» und wie funktioniert die Anrechnung?
Die Passerelle bezeichnet den Übertritt von einer Höheren Fachschule (HF) an eine Fachhochschule (FH). Konkret heisst das: Deine an der HF erworbenen Kompetenzen werden geprüft und als Vorleistungen ans Bachelorstudium angerechnet. Du startest nicht bei null, sondern steigst in ein höheres Semester ein.
Am Beispiel des BSc Betriebsökonomie - Digital Supply Chain Management an der FH Graubünden sieht die Anrechnung so aus:
| HF-Abschluss | Anrechnung |
|---|---|
| Prozesstechniker:in HF (SFB oder ABB Technikerschule) alte Bezeichnung: Techniker:in HF Unternehmensprozesse | 80 von 180 ECTS |
| Prozesstechniker:in HF (andere Schulen) alte Bezeichnung: Techniker:in HF Unternehmensprozesse | bis 75 von 180 ECTS |
| Wirtschaftsinformatiker:in HF | bis 75 von 180 ECTS |
| Zollexpert:in HF | bis 75 von 180 ECTS |
| Agro-Kaufmann/-frau HF | bis 75 von 180 ECTS |
| Betriebswirtschafter:in HF | bis 60 von 180 ECTS |
| Anderer HF-Abschluss | individuelle Prüfung |
Zusätzlich: 4 ECTS Anrechnung möglich mit einem Englisch-Zertifikat auf Stufe C1 (Cambridge C1 Advanced oder C1 Business Higher).
Das bedeutet: Wer z. B. als Prozesstechniker:in HF am SFB oder der ABB-TS abgeschlossen hat, muss nur noch rund 100 ECTS absolvieren statt 180 — das entspricht einer Studienzeitverkürzung von über 40%.
Drei Wege fürs verkürzte Studium
Je nach persönlicher Situation und verfügbarer Zeit gibt es verschiedene Studienvarianten:
Variante 1: In 4 Semestern (für Ambitionierte)
Einstieg direkt ins 5. Semester. Im ersten Jahr absolvierst du 30 und 26 ECTS, danach folgst du dem regulären Studienplan mit leichter Reduktion dank Anrechnungen. Diese Variante eignet sich für dich, wenn du bereit bist, in den ersten beiden Semestern mehr Zeit zu investieren, dafür aber schneller abzuschliessen.
Variante 2: In 5 Semestern (mit Passerelle-Semester)
Start mit einem Passerelle-Semester im Frühling (22 ECTS), dann Einstieg ins reguläre 5. Semester. Der Aufwand verteilt sich gleichmässiger über die Semester. Diese Variante passt, wenn du eine ausgeglichene Belastung neben dem Beruf bevorzugst und daneben ca. 60% arbeiten willst.
Variante 3: Individuelle Planung
Gemeinsam mit dem Team des Studienangebotes entwickelst du einen persönlichen Studienplan. Studiendauer zwischen 4 und 12 Semestern, je nachdem wie viel Zeit du pro Semester investieren kannst und wie viel du daneben arbeiten willst.
Hinweis: Ein Vollzeitstudium entspricht 30 ECTS pro Semester. Im berufsbegleitenden oder Teilzeit-Studium absolvieren Studierende normalerweise 20 bis 24 ECTS pro Semester.
Du möchtest wissen, welche Variante zu deinem HF-Abschluss passt? Vereinbare eine persönliche Studienberatung — wir prüfen deine Vorleistungen individuell und erstellen einen konkreten Studienplan.
Bachelor vs. Höhere Fachprüfung (HFP): Was passt besser?
Viele HF-Absolvent:innen überlegen, ob stattdessen eine Höhere Fachprüfung (z. B. eidg. dipl. Supply Chain Manager:in, eidg. dipl. Einkaufsleiter:in oder Logistiker:in mit eidg. Diplom) der bessere nächste Schritt wäre. Beide Wege haben ihre Berechtigung — die Unterschiede sind aber erheblich:
| Verkürzter Bachelor (FH) | Höhere Fachprüfung (HFP) | |
|---|---|---|
| Abschluss | Bachelor of Science in Betriebsökonomie (international anerkannt) | Eidgenössisches Diplom (in der Schweiz anerkannt, international unterschiedlich bekannt) |
| Dauer | 4–6 Semester berufsbegleitend | ca. 3 Semester |
| Kosten | CHF 3'840–5'760 (CHF 960/Semester) | ca. CHF 12'200 netto (nach Bundesrückerstattung) |
| Inhalt | Breite Ausbildung in Management, Einkauf, Logistik, SCM, Digitalisierung, Change Management, Leadership, BWL | Fokussierte Vertiefung im gewählten Spezialgebiet |
| Lohnaussichten | CHF 103'800–141'300 | Vergleichbar mit HF-Lohn (ca. CHF 101'600) |
| Anschluss | Master, MBA, EMBA möglich — weltweit | Kein direkter Hochschulzugang |
| Studienort | Chur oder Zürich (beim HB) | Diverse Anbieter schweizweit |
Kurz gesagt: Die HFP ist kürzer und vertieft dein Fachwissen in einem Bereich. Der Bachelor ist breiter, kostet weniger, ist international anerkannt und eröffnet den Weg zum Master. In einer Welt, in der Supply Chains immer komplexer und globaler werden, ist die breitere Perspektive des Bachelorstudiums ein starkes Argument.
Und was ist mit CAS, DAS oder MAS?
CAS, DAS und MAS an Fachhochschulen sind Weiterbildungen — keine grundständigen Abschlüsse. Sie eignen sich zur fachlichen Vertiefung, ersetzen aber keinen Bachelor. Wer zuerst den Bachelor abschliesst, hat danach die volle Auswahl an Weiterbildungen — umgekehrt funktioniert es weniger gut.
Professional Bachelor: Was bedeutet das für HF-Absolvent:innen?
Im Dezember 2025 hat das Schweizer Parlament die Einführung von Titelzusätzen für die höhere Berufsbildung beschlossen. HF-Absolvent:innen dürfen künftig den Zusatz «Professional Bachelor» tragen (z. B. «Dipl. Betriebswirtschafter HF, Professional Bachelor»). HFP-Absolvent:innen erhalten den Zusatz «Professional Master».
Was bedeutet das für deine Entscheidung?
Der «Professional Bachelor» ist kein akademischer Bachelor. Er signalisiert, dass dein HF-Abschluss auf einem vergleichbaren Qualifikationsniveau liegt (NQR Stufe 6) — eine wichtige Verbesserung für die internationale Sichtbarkeit und für HR-Systeme, die nach formalen Abschlüssen filtern.
Der Unterschied zum akademischen Bachelor einer Fachhochschule bleibt aber bestehen: Ein BSc einer FH ist ein international einheitlich anerkannter Hochschulabschluss, der den Zugang zu Master- und MBA-Programmen weltweit ermöglicht. Der Professional Bachelor verbessert die Positionierung deines HF-Abschlusses — er ersetzt aber nicht den Mehrwert eines vollwertigen Bachelorstudiums.
Gerade deshalb kann die Kombination besonders stark sein: Du nutzt deinen HF-Abschluss (bald mit Professional Bachelor-Zusatz) als Grundlage und baust darauf in verkürzter Zeit einen akademischen Bachelor auf der auch international verstanden und anerkannt wird.
Das Studium: Was du im Bachelor Digital Supply Chain Management lernst
Der BSc in Betriebsökonomie mit Studienrichtung Digital Supply Chain Management an der FH Graubünden ist ein BWL-Bachelor mit Spezialisierung. Du erwirbst breite wirtschaftswissenschaftliche Grundlagen und vertiefst dich gleichzeitig in Einkauf, Logistik, Supply Chain Management, Digitalisierung und Technologiemanagement.
Studienort: Chur oder in einem Lernraum der FHGR direkt beim HB Zürich — du wählst pro Semester, wo du studierst.
Studienformat: Berufsbegleitend, Unterricht am Montag und Dienstag. Empfohlenes Arbeitspensum: 40–60% - wenn du mit einem HF-Abschluss einsteigst, kann aber auch 80% realistisch sein.
Kosten: CHF 960 pro Semester.
CIPS-Akkreditierung: Der Studiengang ist als erstes deutschsprachiges Bachelorprogramm vom Chartered Institute of Procurement & Supply (CIPS) akkreditiert.
Alle Details zum Studium findest du auf fhgr.ch/dsc →
Eine vollständige Übersicht über Zulassungswege und Anrechnung von Vorleistungen findest du hier.
Häufige Fragen zum verkürzten Bachelor nach HF
Kann ich mit jedem HF-Abschluss einen verkürzten Bachelor machen?
Grundsätzlich ja. Die Höhe der Anrechnung hängt von deinem konkreten HF-Abschluss und der besuchten Schule ab. Prozesstechniker:innen HF erhalten die höchste Anrechnung (bis 80 ECTS), aber auch Betriebswirtschafter:innen HF, Wirtschaftsinformatiker:innen HF und andere HF-Absolvent:innen können Vorleistungen anrechnen lassen. Bei HF-Abschlüssen, die nicht in der Tabelle aufgeführt sind, prüfen wir die Anrechnung individuell.
Brauche ich eine Berufsmaturität?
Nein. Mit einem eidgenössisch anerkannten HF-Diplom in einem verwandten Fachgebiet und mindestens einem Jahr Berufserfahrung wirst du prüfungsfrei zum Studium zugelassen — ohne Berufsmatura.
Wie viel kostet das verkürzte Studium?
Die Studiengebühren an der FH Graubünden betragen CHF 960 pro Semester. Bei einer Studiendauer von 4 Semestern sind das CHF 3'840, bei 5 Semestern CHF 4'800 und bei 6 Semestern CHF 5'760. Zum Vergleich: Eine Höhere Fachprüfung kostet netto ca. CHF 12'200, eine Studium an der privaten Fachhochschule HWZ in Zürich CHF 4'750 pro Semester.
Kann ich während des Studiums weiter arbeiten?
Ja. Das Studium ist berufsbegleitend konzipiert (Montag und Dienstag). Ein Arbeitspensum von 40–60% wird empfohlen.
Ist der Abschluss international anerkannt?
Ja. Der Bachelor of Science einer Schweizer Fachhochschule ist ein international anerkannter akademischer Abschluss — vergleichbar und anrechenbar weltweit. Er öffnet den Zugang zu Master-, MBA- und EMBA-Programmen in der Schweiz und im Ausland.
Was ist der Unterschied zwischen Professional Bachelor und dem FH-Bachelor?
Der «Professional Bachelor» ist ein Titelzusatz für HF-Absolvent:innen, der die internationale Sichtbarkeit verbessert. Er ist kein akademischer Abschluss. Der Bachelor of Science einer Fachhochschule ist ein vollwertiger Hochschulabschluss mit Zugang zu Masterstudiengängen.
Nächster Schritt
Du willst wissen, ob und wie dein HF-Abschluss angerechnet werden kann? Wir beraten dich persönlich und unverbindlich:
Kontakt:
dsc@fhgr.ch | +41 81 286 24 38
Prof. Dominic Käslin, Studienleiter
Studium kennenlernen auf fhgr.ch/dsc →
Weiterlesen:
Studium Digital Supply Chain Management kennenlernen →
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