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Mein Zwi­schen­fa­zit Aus­tra­li­en

Als ich komplett erschöpft in Australien ankam, wurde ich vom Empfang direkt in mein Apartment gebracht. Dort begrüssten mich zwei der drei Mitbewohner:innen. Man sah ihnen an, dass die letzte Nacht kurz gewesen war. Der Boden klebte, leere Flaschen standen herum und Ordnung war definitiv kein Thema. Trotzdem war der Empfang extrem herzlich. Ich fühlte mich sofort willkommen. Sehr schnell wurde mir klar, dass ich im sozialen Apartment gelandet war: dem Ort, an dem sich Menschen treffen und regelmässig gefeiert wird.

Schon am ersten Tag lernte ich viele neue Leute kennen. Es kamen ständig weitere dazu, ich wurde herumgeführt, zum Einkaufen mitgenommen und mit der Umgebung vertraut gemacht. Die Offenheit war beeindruckend und machte es sehr einfach, anzukommen. Parallel dazu startete die Orientation Week. In dieser ersten Woche ging es nicht ums Studium, sondern ausschliesslich darum, Menschen kennenzulernen. Das funktionierte erstaunlich gut. Jeden Abend war etwas los, es wurde gefeiert, gelacht, wenig geschlafen und am nächsten Tag gemeinsam aufgeräumt.

Nach dieser Woche änderte sich der Rhythmus der Studierenden komplett. Der Fokus verschob sich zurück auf einen gesünderen Alltag und auf die Uni. Relativ schnell merkte ich jedoch, dass mich das Studium inhaltlich wenig fordern würde. Das ist einerseits schade. Andererseits wurde mir klar, dass dadurch Raum entstand: für Reisen, Natur, neue Begegnungen und persönliche Entwicklung.

Das Semester wurde zur Routine aus Uni, Alltag, Strand und kleinen Ausflügen. In den Sommerferien habe ich dann mit Auto und Zelt die Ostküste Australiens bereist. Die Natur ist überwältigend. Die Landschaft verändert sich stark von Norden nach Süden, das Klima wechselt, und die Tierwelt ist ständig präsent. Man wird morgens von Vögeln geweckt, sieht Tiere auf dem Campus, auf der Strasse oder im Garten. Australien fühlt sich sehr lebendig an.

Nach dem Semester reiste ich weiter. Ich besuchte einen Freund in Südkorea, ging anschliessend für zwei Wochen Skifahren nach Hokkaido in Japan und reiste danach nach Taiwan. Taiwan war für mich ein echtes Highlight: ein kleines Land mit tiefer Kultur, hervorragendem Essen, schöner Natur und unglaublich respektvollen Menschen.

Nun bin ich zurück in Australien und starte ins nächste Semester. Mein Zwischenfazit ist klar: Ich bin sehr dankbar für diese Zeit. Ich habe echte, wertvolle Freundschaften geschlossen, viel erlebt und gemerkt, wie gut mir dieses Jahr menschlich und persönlich tut. Gleichzeitig weiss ich auch: Ich werde nicht länger bleiben als geplant.

Mein Eindruck war oft, dass die Menschen hier offen und direkt sind, was den Einstieg extrem leicht macht. Man kommt schnell in Gespräche, wird eingeladen, findet Anschluss. Aber je länger ich hier bin, desto stärker merke ich auch die andere Seite: Vieles bleibt an der Oberfläche. Freundlichkeit ist oft schnell da, aber nicht immer tief. Manchmal wirkt es eher wie ein soziales Ritual als wie echtes Interesse und genau das fühlt sich gelegentlich etwas unecht an.

Nachdenklich gemacht hat mich auch der Umgang mit der Geschichte Australiens. Ich habe oft erlebt, dass sich viele kaum damit auseinandersetzen und gleichzeitig rassistische Kommentare gehört, besonders gegenüber Aboriginal Communities. In Cairns wurde sichtbar, wie stark viele bis heute von der Gesellschaft ausgeschlossen sind. Das war unangenehm, teilweise schockierend und hat mir sehr klar gezeigt, wie präsent Ungleichheit hier noch immer ist.

Genau deshalb war dieses Austauschsemester so wertvoll: Natur, Begegnungen und das Lernen über mich, über Menschen und über Privilegien.

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