Von Embodied AI über souveräne Datenstrategien bis zur Revolution in der Medikamentenentwicklung: Das AI House Davos 2026 bot fünf Tage intensive Diskussionen über die Zukunft der künstlichen Intelligenz. Ein Rückblick auf die wichtigsten Erkenntnisse und deren Bedeutung für Forschung und Lehre.
Wenn die Weltelite in Davos zusammenkommt, geht es längst nicht mehr nur um Wirtschaft und Politik. Im AI House Davos, dem Treffpunkt für KI-Vordenker:innen während des World Economic Forums, wurden vom 19. bis 23. Januar 2026 die drängendsten Fragen unserer Zeit diskutiert: Wie wird künstliche Intelligenz unsere Gesellschaft transformieren? Wer kontrolliert die Technologie? Und wie stellen wir sicher, dass die Vorteile allen zugutekommen?
Mit über 25 hochkarätigen Panels und mehr als 100 Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik bot das AI House eine einzigartige Plattform für den interdisziplinären Austausch. Die Bandbreite der Themen reichte von technischen Grundlagenfragen bis zu ethischen und gesellschaftlichen Herausforderungen.
Die Highlights: Fünf Panels im Fokus
Aus der Fülle der Diskussionen stechen einige Panels besonders hervor – nicht nur wegen ihrer prominenten Teilnehmer, sondern vor allem wegen der Tiefe und Relevanz ihrer Erkenntnisse.
Embodied AI: Wenn Maschinen die Welt verstehen lernen
Mit Yann LeCun (Meta AI) und Marc Pollefeys (ETH Zürich)
Yann LeCun, einer der Väter des Deep Learning und Turing-Preisträger, argumentierte überzeugend, dass die aktuellen Large Language Models (LLMs) fundamental limitiert sind. «LLMs verstehen die Welt nicht – sie manipulieren nur Symbole», erklärte LeCun. Die Zukunft liegt seiner Meinung nach in «Embodied AI» – Systemen, die durch Interaktion mit der physischen Welt lernen.
KI-Souveränität: Zwischen Kontrolle und Kooperation
Mit Denise Wong (IMDA Singapore), Talal Al Kaissi (G42) und weiteren
Die Frage der digitalen Souveränität ist zum geopolitischen Schlüsselthema geworden. Das Panel zeigte eindrücklich, dass vollständige Autarkie in der KI-Entwicklung weder möglich noch wünschenswert ist. Stattdessen braucht es kluge Partnerschaften und gemeinsame Standards.
KI in der Medikamentenentwicklung: Von Molekülen zur Medizin
Mit Noubar Afeyan (Flagship Pioneering), Fiona Marshall (Novartis) und weiteren
Die Pharmabranche erlebt durch KI einen fundamentalen Wandel. Besonders beeindruckend: Die konkreten Beispiele, wie KI die Zeit von der Entdeckung eines Wirkstoffs bis zur klinischen Prüfung dramatisch verkürzen kann.
Startups im KI-Zeitalter: Unprecedented Scale
Mit Andrew Ng (DeepLearning.AI), Laura Modiano (OpenAI), Alex Ilic (ETH AI Center)
Andrew Ng, einer der einflussreichsten KI-Experten weltweit, diskutierte mit Gründern und Investoren über die neue Ära des Unternehmertums. Die zentrale Erkenntnis: KI ermöglicht es kleinen Teams, Produkte zu entwickeln, die früher Hunderte von Mitarbeitern erfordert hätten.
Schweizer KI-Pioniere: Mehr als nur Chatbots
Moderiert von Dr. Florian Herzog (FH Graubünden)
Mit Dr. Bernhard Kratzwald (EthonAI), Dr. Harald Kröll (Chipmind), Philipp Hölzenbein (Raven)
Während die Welt über ChatGPT diskutiert, zeigen Schweizer Startups, dass die eigentliche KI-Revolution in der Industrie stattfindet. EthonAI optimiert Fertigungsprozesse mit kausaler KI, Chipmind revolutioniert das Chip-Design mit autonomen Agenten, und Raven bringt KI in die Welt des parametrischen Designs.
Die übergreifenden Erkenntnisse
Über alle Panels hinweg kristallisierten sich einige zentrale Themen heraus:
- Beyond LLMs: Die Zukunft der KI liegt nicht allein in Sprachmodellen. Spezialisierte Systeme, die physische Interaktion, kausales Denken und domänenspezifisches Wissen vereinen, werden die nächste Welle der Innovation treiben.
- Mensch im Mittelpunkt: Trotz aller Fortschritte bleibt der Mensch zentral. Die erfolgreichsten KI-Anwendungen sind jene, die menschliche Expertise erweitern, nicht ersetzen.
- Zusammenarbeit statt Isolation: Ob bei der Souveränitätsfrage oder in der Forschung – die komplexen Herausforderungen der KI erfordern internationale Kooperation.
- Verantwortung: Die ethischen und gesellschaftlichen Implikationen von KI müssen von Anfang an mitgedacht werden – nicht als nachträgliche Korrektur.
Das AI House Davos 2026 hat gezeigt, dass die Schweiz nicht nur Konsument, sondern aktiver Gestalter der KI-Revolution ist. Von der ETH über die Fachhochschulen bis zu innovativen Startups – wir haben alle Zutaten für eine führende Rolle in dieser Technologie.
Dr. Florian Herzog
Was bedeuten diese Diskussionen für die Bildung?
Die Diskussionen am AI House unterstreichen die Relevanz einer praxisnahen KI-Ausbildung. An der Fachhochschule Graubünden bereitet der Studiengang «Artificial Intelligence in Software Engineering» die nächste Generation von KI-Fachleuten auf genau diese Herausforderungen vor. Das Curriculum umfasst nicht nur die technischen Grundlagen, sondern auch die praktische Anwendung in Industrie und Gesellschaft.
Unsere Studierenden lernen, dass KI weit mehr ist als ChatGPT. Sie lernen Computer Vision, kausale Inferenz, autonome Agenten und die Integration von KI in bestehende Systeme.
Dr. Florian Herzog
Alle Panel-Zusammenfassungen wurden mit Hilfe von KI aus den offiziellen Video-Aufzeichnungen erstellt und stehen auf einer eigenen Plattform zur Verfügung. Sie bieten einen wertvollen Einblick in die aktuellen Debatten und können als Grundlage für weitere Diskussionen in Lehre und Forschung dienen.
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Dr. Florian Herzog ist Studienleiter für AI in Software Engineering an der Fachhochschule Graubünden. Er moderierte das Panel «Swiss Innovators Shaping the AI Frontier» am AI House Davos 2026.