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AI House Davos

Schwei­zer KI-Pio­nie­re am WEF Davos: Wenn künst­li­che In­tel­li­genz mehr kann als nur chatten

Dr. Florian Herzog, Studienleiter AI in Software Engineering an der FH Graubünden, moderiert am World Economic Forum eine hochkarätige Podiumsdiskussion mit drei Schweizer KI-Innovatoren. Wenn im Januar 2026 die Welt nach Davos blickt, steht einmal mehr die Zukunft im Fokus. Doch während die Schlagzeilen oft von ChatGPT und grossen Sprachmodellen dominiert werden, findet die eigentliche KI-Revolution an einem anderen Ort statt: in Schweizer Fabriken, Chip-Design-Labors und an CAD-Arbeitsplätzen. Genau diese «andere» künstliche Intelligenz steht im Zentrum der Podiumsdiskussion im AI House Davos, die von Dr. Florian Herzog moderiert wird.

GenAI ist mehr als LLMs: Eine Schweizer Perspektive

Unter dem Titel «GenAI is More Than LLMs: Swiss Innovators Shaping AI Frontiers» versammeln sich am 23. Januar 2026 drei Schweizer Unternehmer, die mit ihren spezialisierten KI-Systemen beeindruckende Resultate erzielen. Die Botschaft ist klar: Die Zukunft der künstlichen Intelligenz liegt nicht nur in Chatbots, die Texte generieren – sie liegt in Systemen, die inspizieren, analysieren, entwerfen und steuern.

Während sich ein Grossteil der KI-Diskussion auf ChatGPT und grosse Sprachmodelle konzentriert, repräsentieren unsere Panelisten eine andere Frontier. Es sind Schweizer Unternehmen, die spezialisierte KI-Systeme entwickeln, welche die Fertigung, das Chip-Design und CAD-Workflows transformieren.

Dr. Florian Herzog

Drei Unternehmen, drei Branchen, ein gemeinsamer Nenner

Die Podiumsteilnehmer repräsentieren drei völlig unterschiedliche Industrien und zeigen dennoch, wie universell der Ansatz der spezialisierten KI ist.

EthonAI: Das Nervensystem der Fabrik

Dr. Bernhard Kratzwald, CTO und Mitgründer von EthonAI, hat an der ETH Zürich promoviert und war dort Pioneer Fellow. Sein Unternehmen hat eine Industrial AI Platform entwickelt, die als «zentrales Nervensystem der Fabrik» fungiert. Die Plattform nutzt sogenannte Causal AI – kausale künstliche Intelligenz – um nicht nur Korrelationen zu erkennen, sondern tatsächliche Ursache-Wirkungs-Beziehungen zu verstehen.

Die Ergebnisse sprechen für sich: In einer Halbleiterfabrik konnte EthonAI den Ausschuss um 51,3 Prozent reduzieren. Pro Produktionslinie werden nun jährlich über 100’000 Dollar eingespart. Bei einer Implementierung für Siemens konnten pro Inspektionsstation zwischen 30’000 und 100’000 Euro eingespart werden. Zu den Kunden gehören neben Siemens auch Bosch und Lindt & Sprüngli.

Chipmind: KI-Agenten für die Chip-Entwicklung

Dr. Harald Kröll, CEO und Mitgründer von Chipmind, kennt die Herausforderungen der Halbleiterindustrie aus erster Hand. Nach Jahren bei führenden Chip-Herstellern erkannte er: Ingenieure verbrennen bis zu 40 Prozent ihrer Zeit mit repetitiven Aufgaben. Chipmind entwickelt daher kollaborative KI-Agenten, die diese Aufgaben autonom übernehmen können.

Das Besondere daran: Die Agenten von Chipmind verfügen über «Native Visual Intelligence» – sie können komplexe Chip-Architekturen grafisch erfassen und verstehen. Die Vision des Unternehmens ist ehrgeizig

Eine Welt, in der es möglich ist, Chips für jeden Zweck mit minimalem Aufwand zu entwickeln.

Chipmind

Als wissenschaftlicher Berater steht dem Unternehmen Prof. Luca Benini von der ETH Zürich und der Universität Bologna zur Seite.

Raven: KI für parametrisches Design

Philipp Hölzenbein, Mitgründer von Raven, bringt die KI-Revolution in die Welt des Computer Aided Design. Raven ist ein KI-Tool, das direkt in Grasshopper – einer visuellen Programmiersprache für das CAD-Programm Rhino – integriert ist. Designer können ihre Entwurfsabsichten in natürlicher Sprache oder durch Bilder vermitteln, und die KI generiert automatisch die entsprechenden Skripte.

Für Architekten und Designer bedeutet das, dass parametrische Modelle, die früher Tage brauchten, nun in Minuten erstellt werden können. Raven arbeitet nahtlos mit einer Vielzahl von Grasshopper-Plugins zusammen und ermöglicht so völlig neue Arbeitsabläufe.

Warum die Schweiz? Der Standortvorteil

Es ist kein Zufall, dass alle drei Unternehmen ihren Sitz in der Schweiz haben. Das Land bietet ein einzigartiges Ökosystem für industrielle KI-Innovation: Weltklasse-Forschungsinstitutionen wie die ETH Zürich und EPFL, eine starke Tradition in der Präzisionsfertigung, und eine Industrie, die Qualität und Zuverlässigkeit über alles stellt. Hinzu kommen die Fachhochschulen mit ihrer praktischen Ausbildung für die notendigen Informatiker für die Systementwicklung.

Die Nähe zum World Economic Forum in Davos ist dabei mehr als nur geografisch. Das WEF bringt seit Jahrzehnten die einflussreichsten Köpfe aus Wirtschaft, Politik und Technologie zusammen. Dass Schweizer KI-Unternehmen hier ihre Innovationen präsentieren können, ist ein Zeichen der wachsenden Bedeutung des Landes als KI-Standort.

Die Schweizer Stärken – Präzision, Qualität und Vertrauenswürdigkeit – prägen auch die KI-Entwicklung. Unsere Unternehmen entwickeln nicht einfach KI-Tools, sie entwickeln KI-Systeme, denen Industriekunden ihre kritischsten Prozesse anvertrauen. Das ist Swiss Made im besten Sinne.

Dr. Florian Herzog

Die drei Unternehmen zeigen auch die Vielfalt der Schweizer KI-Landschaft: Von der ETH Ausgründung EthonAI über das Halbleiter-Startup Chipmind bis zum Design-Tool Raven – die Bandbreite der Anwendungen ist beeindruckend. Und alle drei beweisen, dass Schweizer Innovation nicht nur in der Forschung stattfindet, sondern direkt in der Industrie ankommt.

Die Bedeutung für die Bildung

Für die Fachhochschule Graubünden unterstreicht diese Podiumsdiskussion die Relevanz des Studiengangs «Aritificial Intelligence in Software Engineering». Die Zukunft der KI liegt nicht nur in der Entwicklung von Sprachmodellen, sondern in der intelligenten Anwendung verschiedener KI-Technologien auf reale Probleme. Die drei vorgestellten Unternehmen zeigen exemplarisch, welche Karrieremöglichkeiten sich für Absolventinnen und Absolventen eröffnen.

Unsere Studierenden lernen, dass KI weit mehr ist als ChatGPT. Sie lernen Computer Vision, kausale Inferenz, autonome Agenten und die Integration von KI in bestehende Systeme.

Dr. Florian Herzog

Mensch und Maschine: Eine neue Partnerschaft

Ein zentrales Thema der Podiumsdiskussion wird die Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI sein. Bei EthonAI gilt das Motto: «Engineers want pilots, not co-pilots» – Ingenieure wollen, dass KI autonom Aufgaben übernimmt, nicht nur assistiert. Gleichzeitig bleibt der Mensch für kritische Entscheidungen verantwortlich.

Diese Balance zwischen Automatisierung und Kontrolle ist entscheidend für das Vertrauen in KI-Systeme. Alle drei Unternehmen betonen die Bedeutung von Erklärbarkeit und Transparenz ihrer Systeme.

Datenschutz und Vertraulichkeit

In der industriellen Anwendung spielt Datenschutz eine zentrale Rolle. Chipmind setzt auf einen «Confidentiality-First»-Ansatz: KI-Modelle werden lokal mit den Daten des Kunden trainiert, ohne dass sensible Chip-Designs das Unternehmen verlassen. EthonAI ist ISO 27001 zertifiziert und erfüllt damit höchste Sicherheitsstandards.

Ein Blick in die Zukunft

Die Podiumsteilnehmer werden auch einen Ausblick wagen: Wohin entwickelt sich die spezialisierte KI? Werden autonome Fabriken, autonomes Chip-Design und autonome Architektur Realität? Und wie verändert sich die Rolle von Ingenieuren und Designern in einer Welt, in der KI immer mehr Aufgaben übernimmt?

Eine spannende Frage wird sein, ob spezialisierte KI-Systeme und grosse Sprachmodelle in Zukunft verschmelzen werden. Bereits heute zeigt Raven, wie LLM-Technologie in spezialisierte Anwendungen integriert werden kann. Die Zukunft könnte KI-Systeme bringen, die sowohl die Breite der Sprachmodelle als auch die Tiefe der spezialisierten Systeme vereinen.

Die Antworten auf diese Fragen werden nicht nur die Industrie, sondern auch die Bildung prägen. Die Fachhochschule Graubünden bereitet ihre Studierenden bereits heute auf diese Zukunft vor – mit einem Curriculum, das sowohl theoretische Grundlagen als auch praktische Anwendungen der KI umfasst.

Die Podiumsdiskussion «GenAI is More Than LLMs: Swiss Innovators Shaping AI Frontiers» findet am 23. Januar 2026 von 9:20 bis 10:05 Uhr im AI House Davos statt. Eine Live-Übertragung des Panels findet zeitgleich an der FH Graubünden in Raum B2.26 statt.

Weitere Informationen: https://www.aihousedavos.com/2026-agenda?session=19900

[Beitragsphoto: AI House Davos]

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