Der TV-Konsum gehört für viele von uns zur (täglichen) Routine. Insbesondere die mediale Sportberichterstattung erfreut sich weiterhin grosser Beliebtheit, vor allem bei Live-Formaten wie dem Lauberhorn Rennen oder den Spengler Cup Spielen.
Fussballbegeisterte erfreuen sich oft den Spielen der UEFA Champions League. Dabei werben Sponsoren auf LED-Banden, auf Shirts sowie auf einer Vielzahl von anderen Plattformen. Informationen zum Spielgeschehen werden medial gefertigt und in Form von Einblendungen den TV-Zuschauerinnen und Zuschauern gezeigt. Der Spielstand, die Spieluhr oder auch aktuelle Informationen zu Spielerauswechslungen oder Verwarnungen werden medial präsentiert, um den TV-Konsumierenden umfassende Informationen zum Spielgeschehen bereit zu stellen.
Die Nutzung von Zweitgeräten beim TV-Konsum
Das mediale Rezeptionsverhalten hat sich in den vergangenen Jahren fundamental verändert. Die überwiegende Mehrheit nutzt während dem TV-Konsum beiläufig Mobiltelefone, Laptops oder andere digitale Endgeräte. Dies führt zunehmend zu einem veränderten visuellen Medienkonsum. Es bleibt die Frage, wie oft schauen die Menschen überhaupt noch auf das TV-Gerät? Und was treibt TV-Konsumierende dazu, ihr Zweitgerät zu nutzen?
Die aufmerksamkeitsökonomische Forschung versucht, Antworten auf diese und weitere Fragestellung zu finden. Im Rahmen eines Forschungsprojekts wurde auf Basis einer UEFA Champions League Übertragung überprüft, welche Einflussfaktoren die visuelle Aufmerksamkeitszuwendung beeinflussen. Dabei wurde zwischen reizbezogenen Aspekten wie die Grösse, die zeitliche Dauer der Präsenz oder auch die Animationsintensität der Darstellung, sowie menschlichen Faktoren wie beispielsweise das Interesse an den gezeigten Inhalten oder die Sympathie für einen bestimmten Club unterschieden. Weiter wurde die individuellen Mediennutzungsgewohnheiten berücksichtigt.
Die Daten wurden im Rahmen einer realitätsnahen experimentellen Untersuchungsanlage erhoben und ausgewertet. Die Erkenntnisse sind für die medialen Rechteinhaber und die TV-Anbieter von grossem Interesse. Während die Beschaffenheit der gezeigten TV-Einblendungen kaum Einfluss auf die visuelle Aufmerksamkeitszuwendung aufwies, stellte der Zeitpunkt der medialen Einblendung ein entscheidender Faktor dar. Mediale Einblendungen während reizarmen Spielszenen und Spielunterbrüchen generierten statistisch signifikant mehr visuelle Aufmerksamkeitszuwendung. Bei dynamischen und spannenden Spielsequenzen verblieb die visuelle Aufmerksamkeit der Studienteilnehmenden auf dem Spielgeschehen.
Fazit
Die Zweitgeräte erwiesen sich für Fussballfans als wichtiges Medium, um weiterführende Informationen zum aktuellen Spielgeschehen aufzurufen. Uninteressierte Studienteilnehmende hingegen nutzten die Zweitgeräte für andere Tätigkeiten wie Social Media oder Konsumaktivitäten. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Zweitgeräte eine entscheidende Rolle beim medialen TV-Konsum spielen, unabhängig des Interessens. Es gilt somit, zusätzliche oder weiterführende Inhalte auf Plattformen zur Verfügung zu stellen, damit das gesamtheitliche Rezeptionserlebnis optimiert wird. Weiter sind effektive Hinweise am Erstgerät unverzichtbar. Zweitgeräte stellen für TV-Anbieter komplementäre und unverzichtbare Plattformen dar, die durchaus auch monetär genutzt werden können. Auf welche Arten, dies gilt es nun für die Anbieter weiter zu schärfen respektive zu entwickeln.
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Zentrum für Betriebswirtschaftslehre (ZBW)
Prof. Dr. Jon Andrea Schocher ist Dozent am Zentrum für Betriebswirtschaftslehre der Fachhochschule in Graubünden. Alle vier Wochen diskutiert die einzige Fachhochschule im Kanton an dieser Stelle aktuelle Themen aus Studium und Forschung.