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Tanja Hess Portrait

Zeichnen in der Forschung ist Dekonstruktion/Rekonstruktion

Das EU finanzierte Forschungsprojekt impetus der FH Graubünden fokussiert auf Zeichnen.

Dabei geht es darum, die zukünftigen Herausforderungen der Städte in derer ganzen Komplexität zu erfassen. Das Konzept basiert auf Beobachtung, Erinnerung, Messung, Vorstellungskraft und Darstellung. Der aktive Prozess des Beobachtens mittels zeichnen ist Dekonstruieren und Rekonstruieren. Das Produkt sind Ideenskizzen, entstanden aus Beobachtungen in europäischen Städten. Darauf aufbauend werden Lösungsansätze für die Zukunft entwickelt.

Wenn die EU Forschungsgelder vergibt, dann ist die Schweiz oft nur assoziierte Partnerin. Nur wenn wir Schweizer Forschende etwas Einzigartiges einbringen, dann sind wir als vollwertige Partnerinnen zugelassen. Was also bringt die Schweiz und damit die FH Graubünden in dieses EU-finanzierte Projekt ein?

Die FH Graubünden entwickelt seit sechs Jahren das Zeichnen in der Digitalen Verarbeitungskette der Innovation. Die Zeichnenden gehen mit digitalem Stift hin und setzen sich mit dem Vorliegenden auseinander, dekonstruieren indem sie beobachtend das Vorliegende zerlegen. Aus diesen Versatzstücken wird das Neue konstruiert, sprich gezeichnet. Die Möglichkeit der Rekonstruktion mittels der gewonnenen Versatzstücke weist über sich selbst hinaus in die Zukunft. Die grösste Kraft der Zeichnung ist, dass sie einfach Zukünftiges darstellen kann. Die Zeichnung ist das mächtige Mittel der Innovation.

Vergleichen wir die komplexe Tätigkeit der Stadtplanerin mit der Tätigkeit des Zeichners. StadtplanerInnen beobachten als Architekturschaffende und Raumplanende. Die Stadt ist weit mehr als Häuser und Strassen. Die Klimaveränderung macht Zürich im Jahre 2050 klimatisch vergleichbar mit Zagreb. Diese Frage ist also drängend: «Wie passt sich die Stadt und somit die Gesellschaft an?»

Für die klimatisch bedingte Migration müssen Lösungen her. Die neuen Herausforderungen fordern komplexere Lösungen. Auswirkungen auf die Wirtschaft sind absehbar: wir wissen, dass diese Prozesse bereits laufen. Wenn wir mit guten Lösungen vorbereitet sind, dann können wir schneller auf drastische Veränderungen reagieren und sind damit schneller wieder in der Normalität zurück: Resilience ist die Kernkompetenz der Zukunft.

Wie kann nun Zeichnen, eine so alt-überbrachte Kulturtechnik, als Innovation gelten? Zeichnen ist als Forschungswerkzeug nicht neu. Neu ist, dass Zeichnen nun ein fester Bestandteil in der digitalen Verarbeitungskette von Innovationen ist. Das Zeichnen war bei Leonardo da Vinci gleich wichtig wie heute: es schuf neue Bilder, Bilder der Zukunft. Wir brauchen diese Bilder der Zukunft, damit wir uns vorstellen können, wie drastisch die Herausforderungen sein werden. Und wir brauchen diese Bilder von möglichst vielen Perspektiven, also der Gesellschaft als Ganzes.

Was sind die Herausforderungen der zukünftigen lebenswerten Stadt? Diese Frage beantworten die Studierenden der FH Graubünden zeichnend zusammen mit Studierenden aus Danzig, Klagenfurt, Rotterdam, Groningen und Coimbra. Wir sind gespannt, wie die Gretas unter den Studierenden die Städte von morgen skizzieren. Die Stadtplanung braucht das Wissen der Bewohnerinnen und Bewohner, um resiliente Szenarien entwickeln zu können.

Anzahl Kommentare1
Kommentar

Peter Moser 19.11.2019

Liebe Tanja
Das tönt interessant, aber ist für mich als Laie schwer konkret zu fassen. Kannst du diese Projekt bitte einmal am DigiLunch präsentieren? Nimm doch bitte mit Michael Forster Kontakt auf.