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Wie Phönix aus der Asche – Ar­chi­tek­tur und Tou­ris­mus als wirt­schaft­li­cher Ent­wick­lungs­mo­tor

Architektur wird immer ein wichtigerer Bestandteil unserer Gesellschaft. Vor allem für die Ortsbildentwicklung und für den Tourismus ist sie von grosser Bedeutung.

Das gebaute historische Erbe von Städten und Dörfern ist ein Abbild deren Entwicklungsgeschichte und zeugt von regionalen und lokalen Lebens- und Arbeitsweisen. Erinnerungen, Geschichten und Erlebnisse sind lokal verankert, oft mit Orten, Baugruppen oder einzelnen Gebäuden verknüpft. Diese gebaute Geschichte – das Ortsbild – zeichnet sich durch einen hohen Wiedererkennungswert aus und ist stark mit der Identität der Bevölkerung verbunden. Um eine nachhaltige Entwicklung von Dörfern und Städten zu fördern ist allerdings das Bewahren allein nicht ausreichend. Lebens- und Arbeitsweisen verändern sich stetig. Die Ansprüche an das Umfeld wandeln sich. Der Erfolg von Städten und Gemeinden basiert auf sich konstant erneuernden, wirtschaftlichen Aktivitäten, die sich im Stadtbild abzeichnen. Das Ortsbild ist somit auch Abbild der Gegenwart. In diesem Spannungsfeld gilt es abzuwägen, wo die vorhandenen Qualitäten gesichert werden sollen und wo neue Bauten erforderlich sind, um das städtische Leben weiterzuentwickeln.

Moderne Architektur und ihre Symbolkraft sind stets auch Diskussionsthema in der Öffentlichkeit. Ein Blick auf zahllose Städte und Regionen zeigt das Ringen um den internationalen Standortwettbewerb und den direkten Nutzen der Architektur für das Tourismusmarketing. Bauten vermitteln Botschaften. Ihr Stil und die Qualität ihrer Gestaltung ziehen unterschiedliche Gästegruppen an. Zeitgenössische Architektur wirkt als «Blickfang» und erzeugt Medienpräsenz. Sie unterstützt die Kommunikation und Vermarktung und gibt dem Ort ein gebautes Profil – einen «Destination Brand». So entstehen vielerorts, auch hier in Graubünden, neue touristische Sehenswürdigkeiten mit Ausstrahlungskraft. Denken wir an Bauten wie die Therme im kleinen Bergdorf Vals. Gerade im heutigen harten globalen Wettbewerb ist die Attraktivität eines Tourismusortes von der Angebotsqualität abhängig. Die Bekanntheit ist direkt auf die Ausstrahlungskraft zurückzuführen. Denn was von Reisen substanziell bleibt, sind Bilder, die sich im Gedächtnis verankern, und Erinnerungen, die weitererzählt werden.

Ein interessantes Beispiel für die gezielte Kombination von Architektur und Tourismus als Entwicklungsmotor hat die Fachhochschule Graubünden in der Stadt Vukovar begleitet. Wer die Stadt kennt, denkt direkt an den Kroatienkrieg 1991. Noch heute – 30 Jahre später – hat sich die Stadt nicht davon erholt. Diskutiert wird nun die Realisierung eines neuen Tourismus- und Konferenzzentrums mit internationaler Ausstrahlungskraft, das die wirtschaftliche Entwicklung begünstigt. Das weithin sichtbare Gebäude soll sich, trotz der Grösse, über die Einbindung seines Grundrisses in die vorhandenen Strukturen des Stadtbilds integrieren und gleichzeitig als Symbol für eine neue Ära in Vukovar stehen. Die besonderen Merkmale der lokalen Bauweisen wurden untersucht und sollen in einer modernen Formensprache im neu gestalteten Zentrum angewendet werden. Wird man den Mut haben, dieses Projekt weiterzutreiben? Um neue Richtungen einzuschlagen und unbekannte Wege zu gehen, bedarf es an Kreativität, Entschlossenheit und engagierter Partner, die eine Umsetzung und Realisierung unterstützen. Die Voraussetzungen für die Entwicklung im Stadtzentrum von Vukovar stehen gut.  

Sandra Bühler ist Dozentin für Architektur und Ortsbildentwicklung am Institut für Bauen im alpinen Raum der FH Graubünden. Mehr zur Zentrumsentwicklung in Vukovar gibt es hier. Alle vier Wochen diskutiert die FH Graubünden an dieser Stelle aktuelle Themen aus Lehre und Forschung.

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