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Was hat Atmosphäre mit Tourismus zu tun?

Ortschaften mit einem prägenden historischen Baubestand besitzen eine unverkennbare Identität und Ausstrahlung.

Ihre Atmosphäre unterscheidet sich wohltuend vom gebauten Agglomerationsbrei, der uns im Alltag umgibt. Gerade deswegen besitzen Orte mit authentischer Architektur eine hohe Anziehungskraft auf Gäste und sind touristisch von hohem Wert.

Die Fachhochschule Graubünden beschäftigt sich seit Jahren mit der Frage, wie solche charakteristischen Ortsbilder weiterentwickelt werden können. Im Rahmen von Projektarbeiten werden laufend spezifische Forschungsfragen zu diesem Thema untersucht und in gemeinsamen Diskussionen mit Studierenden der Fachrichtungen Architektur und Tourismus erörtert.

Ein kleines charmantes Walserdorf soll durch die Erweiterung benachbarter Bergbahninfrastrukturen neu an ein grosses Skigebiet angebunden werden, so hiess das Szenario. Diese schlagartige Veränderung der touristischen Bedeutung würde eine stark ansteigende Nachfrage nach Übernachtungsmöglichkeiten auslösen, die nur durch eine Siedlungserweiterung mit einem ortsspezifischen Beherbergungs- und Infrastrukturkonzept gedeckt werden könnte. Das Dorfbild mit seiner typischen Holzarchitektur und den sonnengebrannten Fassaden zeichnet sich als eindeutige Marke, als Brand bzw. als Wiedererkennungswert aus. Wie kann nun dieses historisch entstandene und über die Zeit gewachsene einheitliche Ortsbild in ein neues – touristisches – Zeitalter starten?

Auf der Basis der ortsbaulichen Charakteristik des Walserdorfes sollte ein passendes Kundensegment definiert und Beherbergungskonzept entwickelt werden. Die Atmosphäre, welche durch das intakte Ortsbild entsteht, ist das touristische Kapital des Ortes, ist die Kernerkenntnis der Studierenden beider Fachrichtungen. Der Entscheid für unterschiedliche Beherbergungskonzepte und die damit verbundenen Organisationsstrukturen sind, neben der gestalterischen Einpassung ins Ortsbild, ein massgebliches Kriterium für das Erscheinungsbild einer solchen Siedlungserweiterung. Die Studierenden fanden mit meist kleinvolumetrisch strukturierten und dennoch miteinander verbundenen Bauten einen Ansatz, um auf die betrieblichen sowie auf die ortsbaulichen Rahmenbedingungen zu reagieren. Nicht historisierende Bauvorschläge sind entstanden, sondern moderne architektonische Interpretationen des Walserdorfes. Werden identitätsstiftende Merkmale wie Materialisierung und ortsbauliche Massstäblichkeit bei einer neuen Bebauung berücksichtigt, kann ein Ort auch mit zeitgemässer Architektur weiter gebaut werden, ohne an seiner charakteristischen Ausstrahlung einzubüssen.

Gemeinden sind daher gefordert, sich neben dem Definieren ihrer Entwicklungsziele auch mit der Stimmung ihrer Siedlungen zu befassen. Wie die Atmosphäre eines Ortes positiv beeinflusst werden kann, zeigen ortsspezifische Gestaltungsleitlinien wie beispielsweise das Baumemorandum. Durch die visuelle Darstellung und Beschreibung der vorhandenen Werte und die darauf basierende Formulierung von ortsbaulichen Zielvorstellungen können zukünftige Veränderungen des Ortsbildes gelenkt werden. Im Laufe der Zeit wird eine Atmosphäre gestaltet, die für Feriengäste sowie Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner gleichermassen ein attraktives Aufenthalts- und Wohnumfeld darstellt.

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