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Study Trip ins Silicon Valley

Metaverse – ein Begriff, der mir seit einem Monat einfach nicht mehr aus dem Kopf geht. Und das, seitdem ich zum ersten Mal nach drei Jahren an der Fachhochschule Graubünden, unsere Studierenden auf ihrer Reise quer durchs Silicon Valley begleiten durfte. Welche Buzzwords mich seither sonst noch verfolgen und was ich auf dieser Reise alles erlebt habe, möchte ich in den kommenden Zeilen gerne mit euch teilen.

2019 durfte ich in meiner Stelle als wissenschaftliche Projektmitarbeiterin zum ersten Mal unseren Study Trip ins Silicon Valley mitorganisieren. Dann 2020, kurz vor dem Abflug wurde eindeutig klar, dass den Studierenden und mir diese Erfahrung pandemiebedingt vorerst verwehrt blieb. Da dachten wir tatsächlich, dass sich die Lage mit Corona im November 2020 sicher wieder beruhigen wird. Nach zwei Verschiebungen sah auch 2021 die Lage schlecht aus, da Amerika die Grenzen für uns komplett geschlossen hatte. Umso grösser waren die Freude und Aufregung, als ich dann Mitte Juli 2022 endlich im Flieger nach San Francisco sass.

Den ersten Tag des Study Trips verbrachten wir in San Francisco, bei Orange Business. Wir lernten, aus welchen Blickwinkeln Orange auf die vorhandenen und zukünftigen Technologien schaut und welche Trends anstehen. Dort fiel dann auch zum ersten Mal der Begriff «Metaverse». Das Metaverse ist oder soll, ganz nüchtern betrachtet, zu einer Art digitalen Parallelwelt werden. Die Idee entsprang der Gaming-Industrie und breitet sich jetzt auch immer mehr im kommerziellen Bereich aus. Darunter auch Facebook, das sich aufgrund dieses Trends zu Meta unbenannt hat und jetzt mit seinen VR-Brillen ganz vorne mit dabei ist.

Doch auch Cyberdefense, Gaming as a Plattform, Artificial Intelligence oder Non-Fungible Tokens (NFT) und viele weitere Wörter wurden in den ersten Stunden der Studienreise erwähnt und kamen im Verlauf der Woche immer wieder zur Sprache. Mittels Demos lernten wir «Balcony» kennen, eine App für Rettungs- und Fluchtinformationen sowie «Pollen», eine Möglichkeit, mit den übrig gebliebenen Internetdaten Geld zu verdienen. In der dritten Demo durften wir uns dann endlich ins Metaverse, in die Welt hinter dem Universum, stürzen: ein Rundgang durch die Notre Dame, die ja momentan geschlossen ist. Ausserdem wurde uns demonstriert, wie mittels VR ein Roboterarm im Raum gesteuert werden kann. Die Vorführungen machten mir klar, welches Potential diese neue Welt hervorruft, doch auch welche Risiken sie mit sich bringt. Dazu später mehr.

Da wir diese Reise nach Amerika zwar antreten durften, viele Firmen ihre Büros für Besucher jedoch noch geschlossen hatten, haben uns viele Speakerinnen und Gründer  in den beiden Coworking Spaces «Hero City» und «Plug and Play» besucht. Dort durften wir zwei Persönlichkeiten kennenlernen, die ich als meine Highlights dieses Study Trips betrachte:

Marie-Astrid Langer, US-Korrespondentin für die NZZ, berichtete nicht nur über die politische Lage in den Staaten. Sie erzählte uns von ihren Erlebnissen im Metaverse und wie es sich anfühlt, in einem selbstfahrenden Auto zu sitzen. Besonders spannend fand ich jedoch die Ansätze, wie Firmen versuchen, ihre Mitarbeitenden wieder zurück ins Büro zu holen. Viele Angestellte haben erkannt, dass die Arbeit von zu Hause gar nicht so schlecht ist und Kosten sowie Zeit gespart werden können. Viele, topmoderne Büros stehen daher grösstenteils leer und die Firmen versuchen, mit beispielsweise Konzerten, die Leute wieder ins Office zu holen. Auch wird es immer mehr zum Trend, den Mitarbeitenden die Option zu geben, unbegrenzt Ferien zu beziehen. Eher surreale Themen für die Schweiz, oder?

Chris Lipp, Pitching-Experte, zeigte uns, auf was es bei einem Pitch wirklich ankommt. Wir haben gelernt, dass …

  • das Wort «du», das effizienteste ist, um sich oder sein Produkt zu verkaufen.
  • es immer darum geht, Probleme zu quantifizieren und auf Trends einzugehen, um den Wert eines Produkts hervorzuheben.
  • es eine kurze Geschichte braucht, um die Neugierde seines Gegenübers zu wecken.

Kurz gesagt sollte ein Elevator-Pitch gemäss Chris so aussehen: Ich weise dich auf ein Problem hin, dass du sicherlich kennst, zeige dir die Lösung dafür und welchen Nutzen du daraus ziehen kannst.

Doch natürlich waren nicht nur diese beiden Vorträge bereichernd. Beispielweise durften wir beim Startup Anchain.ai in San José in die Welt der NFTs eintauchen, bei Zainar einen Blick auf ihre Sensor-Tests werfen oder im Garten des Swisscom Outposts Pitches bewerten. Ausserdem wissen wir jetzt, in welchen Garagen HP und Co. gegründet wurden und wie riesig und beindruckend die Standford University ist. Wir haben gelernt, welche Rolle Swissnex für zuziehende Schweizer Firmen und Startups einnimmt und auf was Investoren achten, wenn sie in eine Firma investieren möchten. Neben diesen ganzen Eindrücken, Ideen und Informationen hatten wir aber auch die Gelegenheit, in der Mountain Winery auf das Leben anzustossen und auf einem echt windigen Cruise die Golden Gate Bridge aus nächster Nähe zu begutachten.

Im Metaverse bei Orange Business

Plug and Play

Tour an der Stanford University

Zu Besuch bei Anchain

Wir staunten nicht schlecht, als wir am letzten Tag der Woche der Pitch Session im Plug and Play lauschen durften. Während der ganzen Woche wurden uns interessante Geschäftsmodelle und spannende Technologien vorgestellt und wir hatten die Gelegenheit, den «let’s go, let’s just do it»-Vibe zu spüren. Als dann diese ungefähr 35 Startups via Zoom diversen Investoren ihre Geschäftsideen präsentierten, wurden wir wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Denn neben den technischen Problemen, die wir alle aus Online-Meetings kennen, waren viele Vorträge überhaupt nicht so, wie wir das von Chris Lipp gelernt hatten. Beispielsweise ging der Geschäftsführer von Placesense genau nach den von Chris erwähnten Steps vor und konnte uns so alle überzeugen. Hingegen hatten andere Firmen, mit wahrscheinlich ebenso guten Ideen, ihr Zeitmanagement nicht im Griff oder konnten nicht auf den Punkt bringen, um was es überhaupt geht. Das hat gezeigt, wieso wohl nicht alle Gründer Multimillionäre werden. Nichtsdestotrotz – und auch das habe ich auf dieser Reise gelernt – haben alle den Mut bewiesen, ihre Ideen zu präsentieren. Und diesen Mut aufzubringen, ist der erste Schritt zu einer möglichen Erfolgsstory.

Alles in allem waren diese Studienreisen ein sehr bereicherndes Ereignis. Ich denke, wir alle haben in dieser Woche unseren Rucksack mit neuen Ideen gepackt und neuen Schwung geholt, um die kommenden Projekte einfach anzupacken – getreu der amerikanischer Mentaliät «just do it!».

Video: Claudia Fricker, Studentin EMBA in New Business Development

Die Studienreise in den USA hat mich aber auch nachdenklich gestimmt. Ich habe gesehen, wie viel Potential beispielsweise das Metaverse mit sich bringt, in allen möglichen Branchen. Doch diese Welt hat auch ihre Schattenseiten. Leben wir doch bereits mit unseren Handys und auf Social Media in einer Parallelwelt, werden diese Bereiche mit VR noch viel echter und verführerischer sein. Werden wir irgendwann völlig darin eintauchen, ja vielleicht sogar, um aus der realen Welt zu flüchten? Auf jeden Fall wage ich zu behaupten, dass mir, wie auch den Studierenden, das Metaverse einen so bleibenden Eindruck hinterlassen hat, dass der Meta-Store um die Ecke des Hotels wohl Dank uns einen Rekordumsatz erzielt hat.

Ich bin sehr gespannt, wie sich dieses Universum noch entwickeln wird. Eines weiss ich aber bestimmt: Ich werde das Metaverse nicht dazu nutzen, meinem Avatar die neusten, virtuellen Sneakers von Nike zu kaufen. Die trage ich dann doch lieber an meinen eigenen Füssen.

Juliane Streitberg ist wissenschaftliche Projektmitarbeiterin am Institut für Management und Weiterbildung (IMW) an der FH Graubünden.

Anzahl Kommentare2
Kommentare

tgetgellucinda 24.08.2022

Alle EMBA-Studierenden und auch Alumni der Management-Weiterbildung hatten die Möglichkeit, am Study Trip teilzunehmen.

Patrick Q. 23.08.2022

Sehr cooler und spannender Beitrag! Hoffe alle konnten etwas interessantes lernen. Darf ich fragen, welcher Studiengang die Reise angetreten hat?