Zum Inhalt springen
Logo FHGR Blog

FHGR Blog

Vor­tei­le und An­wen­dun­gen von spi­ral­för­mi­gen Pfaden für au­to­no­me Roboter

Autonome Roboter folgen Pfaden, die vordefiniert sind oder vom Roboter situativ berechnet werden. Die Randbedingungen, die an solche Pfade gestellt werden, sind aus der subtraktiven und additiven Fertigung bekannt, aber komplex in der Umsetzung. Wir besprechen hier speziell die spiralförmigen Pfade und zeigen auf, welche vorteilhaften Eigenschaften diese bieten.

Roboter, die in von Menschen gestalteten Räumen und mit Menschen agieren sollen, haben es nicht leicht. Bewegen sie sich am Boden (UGV), geschieht dies fast immer fahrend. Dadurch treffen sie unweigerlich auf eine Vielzahl an Hindernissen, die wir Menschen ihnen in den Weg stellen. Roboter, die sich in Innenräumen bewegen, müssen Möbeln, Gegenständen, Menschen und Tieren, Treppen und Türen ausweichen. Im Aussenbereich bewegen sie sich zwischen Flora und Fauna, Wegen, Gebäuden, Gewässern, anspruchsvollen Geländeformen und der Witterung der Jahreszeiten.

Denken wir an staubsaugende oder rasenmähende Roboter, kommt erschwerend dazu, dass ein zentraler Teil ihrer Aufgaben darin besteht, das ganze ihnen zugeteilte Gebiet vollständig abzudecken. Das kann mitunter schlicht unmöglich sein, weil unüberwindbare Hindernisse vorhanden sind.

Bei der Festlegung des Pfads, auf dem sich ein Roboter bewegen soll, können unterschiedliche Ansätze verfolgt werden. Das Zufallsprinzip funktioniert immer, wird aber unter Umständen sehr lange benötigen, um die ganze Fläche abzudecken, und ist daher ineffizient. Eine andere, naheliegende Strategie kann sein, ein Gebiet mit einem einzigen, zusammenhängenden Pfad abzufahren. Dieses Vorgehen macht die sowieso schon anspruchsvolle Aufgabe noch herausfordernder. Was wir dazu benötigen, sind flächenfüllende Kurven. Diese sollten nicht mit den in der Mathematik bekannten raumfüllenden Kurven verwechselt werden. Die Mathematik fordert eine sogenannte Selbstähnlichkeit, d. h. wie bei einem Fraktal, die Eigenschaft, unabhängig von der Skalierung (dem «Zoomfaktor») bei der Betrachtung immer ähnlich auszusehen.

Da Roboter nicht unendlich klein sind, sondern eine bestimmte Grösse haben, macht es keinen Sinn, Pfade zu verwenden, die kleinere Strukturen enthalten. Zum Beispiel gibt es für einen staubsaugenden Roboter einen minimalen Bahnabstand, gegeben durch seine Grösse, den zu unterschreiten keinen Sinn macht. Diese mathematischen Kurven haben auch die Eigenschaft, sehr viele Richtungswechsel zu enthalten (z. B. die im 3D-Druck gebräuchlichen Hilbertkurven) und dadurch sehr lange zu werden, was für unsere Roboter auch eher unsinnig erscheint.

Ich möchte hier exemplarisch auf zwei Projekte eingehen, an denen unsere Hochschule in der näheren Vergangenheit beteiligt war. Zum einen ein Projekt, in dem der Grund von kleinen Seen kartiert werden soll, und zum anderen ein Projekt, bei dem der Grad an Lichtverschmutzung in der Umwelt bestimmt werden soll.

Die Ober­flä­che von den für uns re­le­van­ten Seen ist in der Form ähnlich zu der Um­ge­bung, in der sich staub­saugen­de oder ra­sen­mä­hen­de Roboter bewegen, nur ten­den­zi­ell ein­fa­cher, da meist weniger Inseln vor­han­den sind, als es Mö­bel­bei­ne in einem Wohn­zim­mer oder Büsche in einem Garten gibt. Ein sehr klas­si­scher Ansatz ist das zeilen- oder spal­ten­wei­se Vor­ge­hen, bei dem in einem mä­an­dern­den Hin und Her eine Fläche ab­ge­deckt wird (Ab­bil­dung 1).

Abbildung 1
Abbildung 2

Häufig wird dieses Muster auch gedreht ver­wen­det, also unter einem vor­ge­ge­be­nen Winkel. Dieses Vor­ge­hen ist aber im Falle von Hin­der­nis­sen nicht so einfach an­wend­bar (Ab­bil­dung 2).

Eine Lösung kann sein, den Pfad zu un­ter­bre­chen und jeweils den kür­zes­ten Pfad um das Hin­der­nis herum zur Fort­set­zung zu suchen. Dieses Vor­ge­hen führt aber zu vielen ähn­li­chen Aus­weich­ma­nö­vern und Umwegen (Ab­bil­dung 3).

Abbildung 3
Abbildung 4

Mit­hil­fe einer Ap­pro­xi­ma­te Convex De­com­po­si­ti­on (ACD) [1] kann ein solches löch­ri­ges und kon­ka­ves Gebiet in an­nä­hernd konvexe Teil­ge­bie­te zerlegt werden. So ist es möglich, die Pfad­pla­nung er­folg­reich auf diesen Teil­ge­bie­ten durch­zu­füh­ren. Das Finden von Pfaden, die diese Teil­ge­bie­te ver­bin­den, ist weniger auf­wän­dig. Al­ler­dings können auch diese zu­sam­men­ge­nom­men eine nicht zu ver­nach­läs­si­gen­de Länge auf­wei­sen (Ab­bil­dung 4).

Es gibt weitere Ansätze, die aber alle das grund­le­gen­de Problem nicht lösen. Als Bei­spiel dazu sei das Vor­ge­hen von 3D-Fi­la­ment-Dru­ckern auf­ge­führt, dort kann die­sel­be Pro­ble­ma­tik beim Er­stel­len der Füllung (Infill) be­ob­ach­tet werden. Der Druck­kopf hat al­ler­dings den Vorteil, dass er abheben und über die Löcher «fliegen» kann. Trotz­dem ist dieser Ver­gleich hilf­reich, da die For­schung in diesem Gebiet in den letzten Jahren mit den Con­nec­ted Fermat Spirals [2] eine Lösung für unser Problem ge­fun­den hat (Ab­bil­dung 5).

Abbildung 5
Abbildung 6

Das Vor­ge­hen funk­tio­niert auf sehr komplex ge­form­ten Flächen, schlimms­ten­falls mit mi­ni­ma­len Über­lap­pun­gen der Pfade. Aber die Al­go­rith­men können dies in der Regel sehr gut ver­mei­den, denn im Ge­gen­satz zu unserer Aufgabe, ein Gebiet ab­zu­fah­ren, ist es im Falle von 3D-Druck kri­tisch, ob eine Stelle mehr­fach oder zu nahe pas­siert wird, das be­ein­flusst den Ma­te­ri­al­auf­trag negativ. Im er­wähn­ten Projekt hat dieses Vor­ge­hen noch einen wei­te­ren ent­schei­den­den Vorteil, wir können einen See so entlang des Ufers und somit gröss­ten­teils entlang der Hö­hen­li­ni­en des See­bo­dens be­fah­ren. Da wir unter anderem nach Pflan­zen suchen, die in be­stimm­ten, eng be­grenz­ten Tiefen leben, ist das ein zu­sätz­li­cher, un­schätz­ba­rer Vorteil des Vor­ge­hens. In unserem zweiten Projekt dieser Art war das tech­ni­sche Ziel, ein droh­nen­ba­sier­tes Go­nio­pho­to­me­ter [3] zu rea­li­sie­ren (Ab­bil­dung 6).

Ein Go­nio­pho­to­me­ter wird dazu ver­wen­det, eine Licht­quel­le aus allen Blick­win­keln zu ver­mes­sen, also die Ober­flä­che einer Kugel mit der Licht­quel­le im Zentrum mit Mess­punk­ten ab­zu­de­cken. Bei fest in­stal­lier­ten Go­nio­me­tern im Labor werden ty­pi­scher­wei­se die Punkte so gewählt, dass sie auf den Schnitt­punk­ten der Längen- und Brei­ten­gra­de liegen (wenn die Kugel eine Welt­kar­te wäre). Soll nun eine grosse Kugel von 10 oder 100 Metern Radius anhand einer flie­gen­den Drohne ver­mes­sen werden, stellt sich die Frage nach dem op­ti­ma­len Flug­pfad. Ähnlich wie im vor­he­ri­gen Fall könnte das Vor­ge­hen zeilen- oder spal­ten­wei­se (also entlang der Längen- oder Brei­ten­gra­de) sein, um nach jedem Umlauf auf den nächs­ten Ring zu wech­seln (Ab­bil­dung 7).

Abbildung 7
Abbildung 8

Dies wäre für Drohnen mit Schwe­be­fä­hig­keit (Multi-/He­li­ko­pter) möglich, nicht aber für Fest­flüg­ler (Flug­zeu­ge). Weiter hat es den Nach­teil, dass die ver­schie­de­nen Punkte bei der Be­rech­nung von Fluss­grös­sen durch die Ober­flä­che – also z. B. der Ab­strah­lung – mit un­ter­schied­li­chen Ge­wich­ten in die Be­rech­nung ein­ge­hen. Das ist un­prak­tisch und ins­be­son­de­re bei Po­si­ti­ons­feh­lern auch pro­ble­ma­tisch. Weiter er­lau­ben diese Art von Pfaden oder Gittern nur eine be­stimm­te Anzahl von Punkten und Zahlen, die nicht als Pro­duk­te von zwei klei­ne­ren Zahlen dar­ge­stellt werden können, wie Prim­zah­len, sind bei­spiels­wei­se nicht möglich. Ein Ansatz zur Lösung dieser Pro­ble­me ist die Ver­wen­dung von Ar­chi­me­des­spi­ra­len. Sie er­lau­ben es, anhand eines ein­zi­gen zu­sam­men­hän­gen­den Pfades, die ganze Ku­gel­ober­flä­che so gleich­mäs­sig ab­zu­de­cken, dass für jeden Mess­punkt die Ge­wich­tung gleich gross ist (Ab­bil­dung 8).

Über die Ober­flä­che nu­me­risch zu in­te­grie­ren, um ver­schie­de­ne Grössen zu be­rech­nen, ist dann nur noch eine Frage davon, die Mess­wer­te auf­zu­sum­mie­ren und ska­lie­ren (wie bei einer Mit­te­lung). Diese beiden Spi­ral­pfad­an­sät­ze bieten zu­sätz­li­che, in­ter­es­san­te Ei­gen­schaf­ten und Mög­lich­kei­ten. So können die Con­nec­ted Fermat Spirals weiter ver­all­ge­mei­nert werden für be­lie­big ge­form­te Ober­flä­chen, um z. B. Tun­nel­sys­te­me in Berg­wer­ken oder Mi­nen­schäch­ten zu kar­tie­ren (Ab­bil­dung 9).

Abbildung 9

Es ist auffällig, dass die beschriebenen Probleme der Pfadfindung grosse Ähnlichkeiten mit Problemen in der additiven und subtraktiven Fertigung aufweisen, also im 3D-Druck und der CNC-Bearbeitung. Diese neuen und doch altbekannten Probleme haben keine allgemeinen Lösungen, die hier vorgestellten Ansätze sind aber sehr robust und decken viele Anwendungsgebiete ab.

Weitere Blogs der FH Graubünden gibt es hier zu lesen.

Quellverzeichnis

Wei, Xinyue, Liu, Minghua, Ling, Zhan, Su, Hao. Approximate convex decomposition for 3d meshes with collision-aware concavity and tree search. 2022. CoACD GitHub Repository

Haisen Zhao, Fanglin Gu, Qi-Xing Huang, Jorge Garcia, Yong Chen, Changhe Tu, Bedrich Benes, Hao Zhang, Daniel Cohen-Or, Baoquan Chen. Connected Fermat Spirals for Layered Fabrication. 2016. CFS Project Page

Ursin Solèr, Constantinos A. Bouroussis, Robin Derungs. UAV flight paths for goniometric mapping and numerical integration. 2025. PREPRINT

Anzahl Kommentare 0
Kommentare