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SPHASH

Wenn Lernen auf die Praxis trifft und somit die Le­bens­um­stän­de be­nach­tei­lig­ter Men­schen ins Zentrum stellt

Konstruktive Zusammenarbeit entsteht dort, wo Menschen einander zuhören, ihre jeweiligen Stärken einbringen und gemeinsam Lösungen schaffen. Mit dieser Haltung erarbeiteten zwei Multimedia-Production-Studierende den neuen Auftritt einer Bündner Non-Profit-Organisation.

Für die Schweizer Partnerschaft Hôpital Albert Schweitzer Haiti (SPHASH) war es an der Zeit, an einem neuen Auftritt zu arbeiten. Mit der internen Umstrukturierung konnte dieses Projekt in Angriff genommen werden. Neben einer neuen Webseite bot es sich für die Non-Profit-Organisation im Gesundheitsbereich an, auch das Logo moderner zu gestalten. FHGR-Studierende des Bachelorstudiums Multimedia Production zeichneten sich als geeignete Partner aus. Nach einem ersten Treffen wurde schnell klar, dass die präsentierte Theorie kreativ umgesetzt und zu einem überzeugenden Ergebnis führen würde.

In wiederkehrenden Meetings wurden Ideen, Vorstellungen und Wünsche ausgetauscht und Anforderungen an die Webseite diskutiert. Dazwischen entstanden das Layout, sowie das technische Gerüst hier und die Inhalte da und wurden schliesslich zu dem, wofür SPHASH steht.

Die SPHASH ist eine Non-Profit-Organisation mit Sitz in Graubünden. Seit 1997 unterstützt sie das Albert-Schweitzer-Spital in Haiti ideell, personell und materiell, damit es langfristig wirtschaftlich selbsttragend wird und nachhaltig aufgestellt ist. Herzstück sind die Kinderklinik, der Sozialservice für die finanziell schwächsten Patient:innen und ein Dispensaire mit mobilen Kliniken in den Bergen, nach dem Grundsatz von “Leave No One Behind”.

Patientengeschichte 1

Der 13-jährige Stanio* wurde nach wo­chen­lan­ger er­folg­lo­ser Be­hand­lung an einem anderen Spital ins Hôpital Albert Schweit­zer ein­ge­lie­fert. Er hatte starke Atemnot und Was­ser­ein­la­ge­run­gen an Armen und Beinen. Dr. Tous­saint, Chef­arzt der Kin­der­kli­nik dia­gnos­ti­zier­te eine Herz­in­suf­fi­zi­enz infolge rheu­ma­ti­scher Herz­ent­zün­dung. Während einem wei­te­ren Monat wurde Stanio mittels sorg­fäl­tig do­sier­ter Me­di­ka­ti­on be­han­delt und ist heute wieder gesund und kann die Schule be­su­chen. Hier nach über­wun­de­ner Krank­heit im Spi­tal­gar­ten am Grab­stein des Spi­tal­grün­ders Dr. Mellon.

„Glück ist das Einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt.“

Dieses Zitat von Albert Schweizer untermauert die Arbeit der in Ilanz beheimateten Non-Profit-Organisation. Mit der Unterstützung von SPHASH können jährlich 25‘000 kranke und mangelernährte Kinder behandelt werden. Der Non-Profit-Bereich sieht sich angesichts der geopolitischen Lage zunehmend mit Herausforderungen konfrontiert, die es erschweren, auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen. Die alte Webseite der SPHASH würde unter diesen Bedingungen nicht mehr mithalten können. Ein intuitiv bedienbares Design – sowohl für Besuchende als auch für diejenigen, die sie pflegen, musste her. Durch den Kontakt eines Vorstandsmitglieds der SPHASH mit dem ehemaligen Rektor der FHGR, Jürg Kessler, kam die Kooperation zustande und der Ball geriet ins Rollen.

Der gesamte Entwicklungsprozess war geprägt von einer engen Zusammenarbeit zwischen den Studenten und SPHASH. In regelmässigen Abstimmungsrunden wurden Struktur, Funktionsumfang und gestalterische Elemente systematisch weiterentwickelt. Dabei übernahmen Joel Monza die Verantwortung für Konzept und Design, Siro Rudolf die technische Realisierung des Projekts.

Patientengeschichte 2

Die 12-jährige Guer­line* wurde nach über zwei Wochen qual­vol­len Bauch­schmer­zen mit Fieber, Durch­fall und hartem, auf­ge­trie­be­nen Bauch ins Hôpital Albert Schweit­zer ein­ge­lie­fert. In der ab­ge­le­ge­nen Gegend, wo sie zu Hause ist, gibt es keine schul­me­di­zi­ni­sche Ver­sor­gung. Hinzu kommt die Angst der Familie vor mög­li­chen Kosten. Erste An­lauf­stel­le für ihre Eltern war somit ein tra­di­tio­nel­ler Heiler, der das Mädchen mit ein­hei­mi­schen Pflan­zen be­han­del­te. Da sich Guer­lines Ge­sund­heits­zu­stand nicht bes­ser­te, trans­por­tier­ten sie ihre Ver­wand­ten auf einem Bett, zwei Stunden zu Fuss, in den nächs­ten Ort. Von dort aus konnte sie per Mo­tor­rad ins Hôpital Albert Schweit­zer ge­bracht werden. Bei der Auf­nah­me dia­gnos­ti­zier­te Dr. David Renelus, der neue Chef­chir­urg, eine durch Dünn­darm­per­fo­ra­ti­on ver­ur­sach­te diffuse Bauch­fell­ent­zün­dung. Im Labor konnte als Ursache eine schwere Ty­phus­in­fek­ti­on be­stä­tigt werden. Später, beim chir­ur­gi­schen Ein­griff wurden mehrere Darm­per­fo­ra­tio­nen fest­ge­stellt. Die be­trof­fe­nen Darm­ab­schnit­te konnten ent­fernt und eine vor­läu­fi­ge Aus­lei­tung des Dünn­dar­mes durch die Bauch­de­cke an­ge­legt werden. Das Mädchen hat sich von der In­fek­ti­on und OP gut erholt. An­schlies­send wurde ihr man­gel­haf­ter Er­näh­rungs­zu­stand auf der Päd­ia­trie be­han­delt und dank op­ti­ma­lem Verlauf der künst­li­che Darm­aus­gang wieder rück­gän­gig gemacht.

Als technische Basis diente WordPress, das als Content-Management-System eine effiziente Pflege und Erweiterung der Inhalte auch ohne Programmierkenntnisse ermöglicht. Um den Anforderungen der Organisation gerecht zu werden, programmierte Siro ein vollständig eigenes Theme, das die von Joel entwickelte Gestaltung, Benutzerführung, sowie die technische Architektur präzise auf SPHASH abstimmt. Ergänzend wurde mit RaiseNow eine professionelle, Schweizer Lösung für digitale Zahlungs- und Spendenprozesse eingebunden, die sowohl funktionale wie sicherheitsrelevante Aspekte berücksichtigt.

Patientengeschichte 3

Der 5jährige blasse Frantz* schrie laut, als er von seinen Eltern auf die Kin­der­ab­tei­lung ge­tra­gen wurde. Zwei Tage zuvor von einem Moto an­ge­fah­ren, brach er sich den Ober­schen­kel. Im 50 km ent­fern­ten Spital konnte man die Ver­let­zung nicht be­han­deln. Man schick­te die Familie in die Haupt­stadt Port-au-Prince. So wurde Frantz mehrere Stunden teil­wei­se zu Fuss, teil­wei­se auf Tap-Taps (Sam­mel­ta­xis) trans­por­tiert. Für die Ope­ra­ti­on ver­lang­te man dort einen Betrag, den seine Eltern nicht zahlen konnten. Der ihm an­ge­leg­te Gips war zu kurz und schmerz­te den Jungen bei jeder Be­we­gung furcht­bar. Schmerz­mit­tel bekam Frantz keine. Die Familie reiste wieder ab und kam zwei Tage später im Hôpital Albert Schweit­zer an. Wegen der Fraktur hatte er viel Blut ver­lo­ren. Ge­ges­sen hatte er kaum und er war sehr schwach. Frantz bekam erst Mal Schmerz­mit­tel und wurde noch am glei­chen Abend ope­riert. Bald hatte er wieder Farbe im Gesicht, lä­chel­te und fuhr mit dem Roll­stuhl im Zimmer herum. Alle Kosten, die die Familie nicht zahlen konnte, wurden von unserem So­zi­al­dienst, dem äl­tes­ten und nach­hal­tigs­ten Projekt der SPHASH über­nom­men.

Entstanden ist ein Produkt, das durch Design und Farben anspricht. Der Zweck ist auf den ersten Blick erkennbar, die Navigation ist klar und fällt einfach. Durch besondere Features entsteht eine stille Kommunikation mit de:r Besucher:in. Auch die mobile Nutzung vermag zu überzeugen. SPHASH ist begeistert vom Ergebnis. Die Rückmeldungen aus dem Umfeld sind durchgehend positiv.

Die Fremdperspektive auf die Arbeit der SPHASH durch FHGR-Talente äusserte sich durch innovative Ideen, welche im Alleingang eher nicht zustande gekommen wären. Wegweisende Konzepte fanden eine moderne Umsetzung. Eine von den Studenten erarbeitete Dokumentation mit Tutorial ermöglicht es der SPHASH, die Webseite selbständig redaktionell zu betreuen. Konstruktive Zusammenarbeit entsteht dort, wo Menschen einander zuhören, ihre jeweiligen Stärken einbringen und gemeinsam Lösungen schaffen.

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