Am 11. September war es wieder so weit. Mehr als 640 Studierende der FH Graubünden entdeckten die Churer Altstadt und genossen das Rockkonzert auf dem Arcas-Platz. Was das Ende der Einführungswoche markierte, ist gleichwohl der Anfang ihres Bachelor- oder Masterstudiums – und zwar in den Fachbereichen Wirtschaft und Dienstleistung, Technik und Informatik oder Architektur, Bau- und Planungswesen. Insgesamt studieren über 2000 Studierende an der FH Gaubünden. Schweizweit sind rund 300'000 Personen an einer der drei tertiären Hochschultypen Universitäre Hochschule (UH), Fachhochschule (FH) oder Pädagogische Hochschule (PH) eingeschrieben. Während an den UH rund 180'000 Personen studieren, sind es an den FH 90'000 und an den PH 25'000.
Der Anteil der Studierenden hat sich seit dem Jahr 2000 verdoppelt, was in erster Linie mit der Etablierung der FH und der PH zusammenhängt und weniger mit dem Wachstum der Studierenden an den UH. In Graubünden liegt der Anteil der Jugendlichen, die bis zum 25. Altersjahr ein Maturitätszeugnis erworben haben, bei rund 40 Prozent. Die Hälfte davon sind gymnasiale Abschlüsse und die andere Hälfte sind Berufsmaturitäts- und Fachmaturitätsabschlüsse. Oder anders formuliert: Rund drei Viertel aller Jugendlichen in Graubünden absolvieren eine Berufslehre.
Die Zugänge zu den drei Hochschultypen sind unterschiedlich: Für die UH führt der primäre Zulassungsweg über die gymnasiale Maturität, für die PH über die gymnasiale Maturität oder die Fachmaturität mit pädagogischer Ausrichtung. Die Aufnahme an eine FH erfordert eine Berufsmaturität in Kombination mit einer der Studienrichtung verwandten Berufslehre oder eine Fachmaturität mit einer dem Fachbereich verwandten Studienrichtung. Neben diesen Hauptzugangswegen sind jedoch auch andere Zugänge zu den Hochschulen möglich, welche die Durchlässigkeit zwischen den verschiedenen Bildungstypen ermöglichen. Die alternativen Zugänge sind in der Regel mit Zusatzleistungen verbunden.
Im letzten Jahr verliehen die FH in der Schweiz insgesamt 15’263 Bachelor- und 4’650 Masterabschlüsse. Die meisten davon entfielen auf die Fachbereiche Wirtschaft und Dienstleistungen (30 Prozent aller Bachelor- und Masterabschlüsse) sowie Technik und IT (17 Prozent aller Bachelor- und 11 Prozent aller Masterabschlüsse). Im Fachbereich Architektur, Bau- und Planungswesen haben insgesamt 5,5 Prozent ein Bachelor- und 4 Prozent ein Masterstudium abgeschlossen. Letzten Samstag wurden insgesamt rund 500 Studierende der FH Graubünden diplomiert. Erfreulich dabei ist, dass gemäss einer Erhebung bei den Hochschulabsolventinnen und Hochschulabsolventen (Berechnungen FHGR) des Bundesamtes für Statistik, fünf Jahre nach Abschluss 97,44 Prozent (gewichtet) der Absolvierenden erwerbstätig sind.
Die FH nehmen eine besondere Rolle im Hochschulsystem Schweiz ein. Besonders aufgrund ihres Zugangs über die Berufsbildung, des hohen Anteils berufstätiger Studentinnen und Studenten in Teilzeit- oder dualen Studienformaten sowie wegen ihrer spezifischen Ausrichtung der Lehre. Entsprechend bereiten die FH ihre Studierenden mittels praxisorientierter Studien sowie durch anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung auf berufliche Tätigkeiten vor, welche die Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Methoden erfordern. Damit positionieren sich die FH seit ihrer Gründung vor mehr als 30 Jahren als Teil der Berufsbildung und mehr noch, sie markieren die Speerspitze der beruflichen Bildung.
Abgängerinnen und Abgänger der FH tragen dazu bei, Lösungen für die Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft zu entwickeln. Sie sind es, welche in Zusammenarbeit mit Wirtschaft und Gesellschaft einen entscheidenden Beitrag zur Sicherstellung der Wettbewerbsfähigkeit, der Innovationskraft sowie der Demokratiefähigkeit leisten. Und, sie sind gesuchte Fach- und Führungskräfte. Die Frage ist also nicht, wie viele Studentinnen und Studenten wir brauchen, sondern wie viel Bildung unsere Gesellschaft benötigt und wie viel uns diese Bildung wert ist.
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Prof. Dr. Gian-Paolo Curcio ist Rektor der Fachhochschule Graubünden.