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Pa­raho­tel­le­rie – Power­bran­che mit viel Po­ten­ti­al

Ferien- und Zweitwohnungen, Serviced Apartments, Jugendherbergen, Chalets, Lodges – all diese Beherbergungsformen haben miteinander gemein, dass sie unter dem Oberbegriff der Parahotellerie zusammengefasst werden. Gerade in Zeiten von Corona sind diese Arten der Beherbergung in ihrer Beliebtheit nur noch gestiegen. Die vielen Vorzüge, welche eine Ferienwohnung oder eine abgelegene Berghütte bieten, sind mannigfaltig: Unabhängigkeit, Privatsphäre, Naturnähe oder eine eigene Küche, um nur ein paar wenige zu nennen.

Ein eminenter Unterschied der Parahotellerie zur klassischen Hotellerie ist das Erwerbs-Ökosystem, welches, zur reinen Erwirtschaftung der Übernachtungskosten, zusätzliche Einnahmen generiert. In einem Hotel können dies eine integrierte Gastronomie, Spa- und Wellnessangebote oder Sport- und Fitnessmöglichkeiten sein. Die Diversifikation des touristischen Geschäftsfeldes dringt zunehmend auch in den Bereich der Parahotellerie vor; die Entwicklung von auf Concierge Services und Facility Management spezialisierten Firmen nimmt stetig zu. Warum ist dem so? Gerade private Zweitwohnungen werden von ihren Besitzern sowie deren Familien und Freunden sehr selten genutzt (zusammengenommen im Schnitt sechs Wochen pro Jahr). Die Vermietung an Dritte ist in den seltensten Fällen gegeben, was bedeutet, dass diese Immobilien einen signifikanten Teil des Jahres leer stehen. Dies bedeutet, dass erhebliches touristisches Potential in der professionellen Bewirtschaftung von Zweit- und Ferienwohnungen schlummert.

Im Rahmen eines Leistungsauftrags des Amtes für Wirtschaft und Tourismus Graubünden hat das Team des Instituts für Tourismus und Freizeit (ITF) ermittelt, inwiefern Concierge Services und Facility Management Angebote für Zweit- und Ferienwohnungsbesitzer zu einer gesteigerten Vermietungsbereitschaft führen könnten. Die Seite der Mieter wurde ebenfalls beleuchtet, um herauszufinden, ob hotelähnliche Dienstleistungen auch in einem Parahotellerie-Setting genutzt werden.

Eine vertiefte Analyse der Concierge Services hat gezeigt, dass spezialisierte Dienstleistungen für Eigentümer sowie Mieter von Zweit- und Ferienwohnungen zum einen als Marketinginstrument verwendet, oder aber, je nach Kontext, auch explizit als umsatzgenerierende Dienstleistungen angeboten werden können. Dabei ist die persönliche Betreuung von Mensch zu Mensch nach wie vor zentral. Letzteres alles nach dem Leitspruch des gewissenhaften Concierge Monsieur Gustave H. aus Wes Andersons bekanntem Film «The Grand Budapest Hotel» – erkenne das Begehr, bevor das Begehr begehrt wird. Der Wissensvorsprung ist folglich auch diejenige Tugend, welche auf der Suche nach dem perfekten Service das vielsagende Zünglein auf der Waage darstellt. Concierge Services und Facility Management Angebote sind demnach eine Form der Personalisierung, da sie eine individuelle, teilweise sogar massgeschneiderte Kundenpflege bedeuten, welcher im Idealfall das Wissen um Vorlieben sowie Abneigungen der Empfänger vorausgeht.

Das für Graubünden und weitere Bergkantone wichtige Thema der Parahotellerie wird durch das ITF auch eventtechnisch aufgegriffen: Das 14. Tourismus Trendforum findet dieses Jahr vom 26. Oktober bis 10. November rein online statt und ist für die Teilnehmenden kostenlos. Während sieben Abenden beleuchten die Rednerinnen und Redner die neuen Stars im Aufenthaltstourismus von verschiedenen Blickwinkeln und zeigen, inwiefern Zweit- und Ferienwohnungen momentan eine Renaissance erleben.

Anmeldung und weitere Informationen unter www.fhgr.ch/trendforum

Onna Rageth ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Tourismus und Freizeit (ITF) an der Fachhochschule Graubünden.

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