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Von Chur nach Chicago: Men­to­ring über Kon­ti­nen­te hinweg!

Die FH Graubünden vernetzt Studierende im letzten Studienjahr mit erfahrenen Fach- und Führungskräften für persönliche Entwicklung, wertvolle Einblicke in einen Berufsalltag sowie für einen erfolgreichen Berufseinstieg nach dem Studium. Im Mentoringjahr 2024/25 stellte sich Georg Heitz (Sportdirektor bei Chicago Fire bis Ende 2024, heute Verwaltungsratsmitglied beim FC Lugano) als Mentor dem Sport-Management-Studenten Michel Rohrbach zur Verfügung. Das Duo traf sich sogar persönlich in Chicago!

Erfahrungsbericht von Mentor Georg Heitz:

Das Mentoringprogramm mit Michel war sehr gut gelaufen. Anfangs tauschten wir uns in regelmässigen Webex-Meetings über verschiedene Aspekte des Fussballgeschäfts aus, wobei ich Michel jeweils eine Recherche zu einem spezifischen Thema als Hausaufgabe und damit Vorbereitung gab. Fussballclubs können, je nach Kultur, Grösse, aber auch Wirtschaftskraft, sehr verschieden organisiert sein. Dadurch gibt es auch völlig unterschiedliche Jobprofile; in einem kleinen Verein kann ein(e) sportlich Verantwortliche(r) mehrere Aufgaben gleichzeitig wahrnehmen (Scouting von Talenten, Vertragsmanagement, Verhandlungen, Kaderplanung, allgemeine Führungsaufgaben, Kommunikation), derweil diese Funktionen in einer grösseren Organisation auf mehrere Schultern verteilt sind. Ein Sportdirektor ist entsprechend nicht unbedingt derselbe Job beim FC Bayern München wie beim FC St. Gallen. Wir haben versucht, uns auf die Profile zu beschränken, die für Michel irgendwann in seinem Berufsleben relevant sein könnten.

Michel hat sich jeweils seriös auf unsere Gespräche vorbereitet. Er brachte natürlich auch schon Vorkenntnisse mit, aber er verfügt generell über eine sehr schnelle Auffassungsgabe und hat beispielsweise sofort verstanden, dass die Einkommensströme bei Schweizer Fussballclubs sehr karg fliessen, weswegen die Vereine auf aussergewöhnliche Einnahmen (Transfer von Spielerrechten, Teilnahme an internationalen Wettbewerben, Mäzenatentum) angewiesen sind, weil sie sich grundsätzlich alle einem strukturellen Defizit ausgesetzt sehen. Ich habe zudem versucht, Michel die Eigenheiten einer Liga mit einem Salary Cap (wie es in der US-amerikanischen Major League Soccer praktiziert wird) verständlich zu machen.

Eine Frage, die Studierende natürlich auch beschäftigt, ist, wie man den Zugang zum anvisierten Markt findet. Das ist im Profifussball aufgrund diverser Klischees schwieriger als in anderen Branchen. Oft setzen die Entscheidungsträger voraus, dass jemand selbst Profifussballer:in war, um ihm oder ihr den Zuschlag für eine Management-Funktion zu geben. Und kaum jemand ist direkt als Sportchef:in eingestiegen …

Gerade deswegen haben wir versucht, Michel anlässlich seines Besuchs in Chicago Einblicke in gänzlich verschiedene Tätigkeiten in der Sportabteilung eines Fussballclubs zu gewähren. Er zeigte sich erfreulicherweise sehr interessiert an der ganzen Datenanalyse – ein Bereich, in dem ich am ehesten eine Eintrittsmöglichkeit in die Branche sehe, wenn man selbst nicht Nationalspieler:in war. Die Entwicklung der Datenanalyse im Fussball ist rasend schnell, der Einfluss etwa von KI wird diesen Trend nur noch verstärken; ich gehe zudem davon aus, dass es auf diesem Gebiet schon bald eine grosse Nachfrage nach Talenten (und damit Chancen für Berufseinsteiger) geben wird.

Michel erlebte per Zufall auch eine Transferverhandlung live. Wir haben in der Folge auch über Verhandlungstaktiken und Gestaltungen im Vertragswesen gesprochen. Selbstverständlich war er auch im täglichen Austausch mit dem Trainerstab und dem medizinischen Staff. Hervorheben sollte man an dieser Stelle zwei Dinge: einerseits Michels Sozialkompetenz, anderseits auch eine erfrischende Neugierde. Er hat jeweils ausreichend viele und anspruchsvolle Fragen gestellt.

In der Nachbereitung haben wir nochmals die Unterschiede zwischen der MLS und der Schweizer Liga herausgearbeitet und uns dann auch vermehrt dem Thema FC Lugano gewidmet. Mir war wichtig, Michel auch auf die Schattenseiten des Jobs hinzuweisen. Zum einen kann es sehr lange dauern, bis man an der Spitze einer Organisation ankommt, zum anderen muss man bereit sein, viele Opfer zu bringen. Es gibt in diesem Beruf keine Wochenenden, und es gibt keinen Ferientag, an dem man nicht in irgendeiner Form arbeiten muss. Und letztlich ist die Jobsicherheit im Profisport aufgrund der ständigen (auch medialen) Aufgeregtheit schon wesentlich kleiner als in anderen Industrien. Michel hat diese Bemerkungen sehr ernst genommen (er hatte auch live erlebt, mit welchem Engagement die Leute bei der Arbeit sind bzw. sein müssen und unter welchem Erwartungs- und Resultatdruck sie stehen).

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