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Lehre 2030: Die Wei­ter­ent­wick­lung der Ba­che­lor Stu­di­en­gän­ge

Hochschulen haben die Aufgabe, Fach- und Führungskräfte auszubilden, die mithilfe wissenschaftlicher Methoden die Herausforderungen unserer Zeit angehen. Damit das gelingt, entwickeln sich Hochschulen stetig weiter. Das gilt auch für die FH Graubünden. Wir reagieren auf Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft, berücksichtigen dabei den Einfluss neuer Technologien, die Studium und Arbeitswelt verändern und bereiten uns auf den Bezug des neuen Fachhochschulzentrums vor. Ein zentrales Projekt der FH Graubünden nennen wir daher «Lehre 2030».

Ein wichtiger Teil dieses Projekts ist die Weiterentwicklung der Struktur unserer Bachelorstudiengänge. Rückmeldungen aus Lehrevaluationen, Austrittsbefragungen, Hospitationen und Workshops mit Dozierenden und Studienleitenden zeigen, wo unsere Stärken liegen und geben Hinweise, wie wir unsere Hochschulbildung noch besser auf die Zukunft ausrichten können.

Mit dem Ziel, die Attraktivität unserer Studienangebote zu steigern, ihre Wirkung zu erhöhen und die vorhandenen Mittel gezielt einzusetzen, haben wir uns auf den Weg gemacht.

Gemeinsam wachsen - räumlich, kulturell und curricular

Mit dem neuen Fachhochschulzentrum Graubünden rücken wir als Hochschule näher zusammen: räumlich, kulturell und künftig auch curricular. Das ist eine grosse Chance, denn eine moderne Fachhochschule lebt nicht nur von starken einzelnen Studiengängen, sondern auch von einem gemeinsamen akademischen Selbstverständnis und wirksamer Lehre. Mit dem Projekt «Lehre 2030» wollen wir ein interdisziplinäres, qualitativ hochwertiges Studium gestalten, für das es sich lohnt, nach Chur an unseren Hochschulcampus zu kommen. Dabei setzen wir zunächst bei der Struktur an, um die Interdisziplinarität zu stärken, attraktive Studienerlebnisse gezielt einzubauen und Freiraum für individuellere Studienerlebnisse zu schaffen.

Zukunftskompetenzen bewusst in die Curricula integrieren

Die Arbeitswelt verändert sich mit zunehmender Geschwindigkeit: Digitalisierung, Transformation, geopolitische Veränderungen und die Künstliche Intelligenz beschleunigen Entwicklungen in nahezu allen Berufsfeldern. Darauf müssen unsere Bachelorstudiengänge antworten finden, denn das Gesetz (HFKG) schreibt den Fachhochschulen im Gegensatz zu den Universitäten vor, dass ihre Bachelor Programme direkt für eine Berufstätigkeit nach dem Studium ausbilden müssen.

Dafür haben wir an der FH Graubünden ein hochschulweites Kompetenzmodell erarbeitet. Es bildet die gemeinsame Ausgangslage für alle Studiengänge. Natürlich unterscheiden sich unsere Bachelorprogramme stark in ihren Fachkompetenzen. Neben diesem Kern, legen wir über alle Disziplinen hinweg besonderen Wert auf Kompetenzen, die in Zukunft noch wichtiger werden: die Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenzen.

Diese drei Kompetenzdimensionen werden künftig hochschulweit einheitlich definiert und systematisch in die Curricula integriert. Dabei ist es das Ziel, dass unsere Absolventinnen und Absolventen nicht nur fachlich überzeugen, sondern auch fähig sind, komplexe Probleme zu bearbeiten, interdisziplinär zu kooperieren, reflektiert zu handeln und sich in einer dynamischen Arbeitswelt weiterzuentwickeln. Kurzum sollen Studierende wirksam für den Arbeitsmarkt von morgen ausgebildet werden. 

Die neuen gemeinsamen Module im Überblick

Basierend auf dem Kompetenzmodell, werden fünf gemeinsame Module (20 ECTS) in allen Bachelor Curricula eingeführt. Dabei handelt es sich um zwei Pflicht- und drei interdisziplinäre Wahlpflichtmodule.

Bei den Pflichtmodulen stehen zwei Themen für alle Studierenden im Zentrum: «Wissenschaftliches Arbeiten & Künstliche Intelligenz» sowie «Innovation by Design». Während die Inhalte bereits heute in den meisten Curricula vorhanden sind, wird nun bei der Umsetzung als gemeinsame Pflichtmodule ein einheitliches Fundament gelegt. Damit setzen wir übergreifende akademische Standards und verankern Innovation als Kernthema der Hochschule. Somit lehren wir wissenschaftliches Arbeiten unter Nutzung der Möglichkeiten von KI-Tools als zentralen Bestandteil aller unserer Bachelorstudiengänge und können so die wissenschaftliche Integrität sicherstellen.

Mit den drei Wahlpflichtmodulen ermöglichen wir individuellere Studienpfade. Studierende können künftig stärker eigene Schwerpunkte setzen, interdisziplinäre Kombinationen wählen und attraktive, neue Lernformate erleben. Gerade diese Wahlpflichtmodule sind ein entscheidender Baustein für die Hochschulbildung der Zukunft. Sie eröffnen Lernräume über Fachgrenzen hinweg und stärken jene Kompetenzen, die in einer vernetzten, sich schnell verändernden Welt besonders relevant sind.

Mehr Vielfalt in der Hochschuldidaktik

Die Weiterentwicklung betrifft nicht nur Inhalte, sondern auch Formate. Unsere kleinen Klassen, die persönliche Atmosphäre und seminaristischen Lehrformen sind ein grosser Wert der FH Graubünden. Projektbasierte Lehre, Seminare, Projektarbeiten und Blockwochen stehen auch künftig im Zentrum der Lehre. Gleichzeitig wollen wir punktuell mit gemeinsamen Modulen innerhalb von Fachbereichen arbeiten und auch Vorlesungen im grossen Hörsaal umsetzen. Solche werden dort stattfinden, wo sie sinnvoll sind, etwa in hochschulweiten oder fachbereichsweiten Modulen, und wo sie disziplinübergreifende Hochschulerlebnisse schaffen.

Für die Studierenden bedeutet das mehr Abwechslung im Kompetenzerwerb. Neben intensiven Seminarformaten erleben sie künftig auch einzelne grössere akademische Lernsettings. Beides hat seinen Wert und gehört zu einer modernen Hochschulbildung.

Weniger Komplexität, mehr Klarheit

Ein weiterer wichtiger Schritt ist die Vereinfachung bestehender Strukturen. Künftig werden keine Module mehr über zwei Semester hinweg geführt. Das verbessert die Möglichkeiten für Mobilitätsfenster, Austauschsemester und Wiederholungen. Hinzu kommen eine minimale Modulgrösse von 4 ECTS und die Aufhebung von Einzelkursen. Damit reduzieren wir die Anzahl einzelner Leistungsnachweise und vereinfachen administrative Prozesse. Ab dem Herbstsemester 2027 gilt ein neuer Hochschulkalender, der dank Feedback von Studierenden auf deren Bedürfnisse optimiert wurde.

Qualität weiterentwickeln

Am Ende entscheidet nicht die Struktur allein über gute Lehre, sondern ihre Wirksamkeit. Deshalb verbinden wir die Architektur der Studiengänge mit einer Weiterentwicklung der Qualitätsentwicklungsprozesse. Mit der Überarbeitung der Kompetenzprofile und dem Mapping von Modul-Lernergebnissen auf die Kompetenzziele, wird parallel die Weiterentwicklung der Qualitätsevaluation und -entwicklung angestossen. Hier schliesst sich der Kreis zu den eingangs erwähnten Rückmeldungen aus Lehrevaluationen, Austrittsbefragungen, Hospitationen und Gesprächen.

«Lehre 2030» ist eine Investition in die Zukunft

Nachdem das Konzept zur «Lehre 2030» im Jahr 2025 in einem partizipativen Prozess über diverse Gremien der Hochschule entstanden ist, starten wir im Sommer 2026 in die Umsetzungsphase. Erste Studiengänge werden im Herbst 2026 mit angepassten Curricula starten (BSc Engineering und BSc Tourism), alle anderen Studiengänge starten im Herbst 2027. Wenn wir im Herbst 2028 gemeinsam den Betrieb im neuen Hochschulzentrum aufnehmen, werden wir nicht nur kulturell und örtlich, sondern auch curricular stärker zusammengewachsen sein. Ich freue mich, dieses Projekt zusammen mit unseren engagierten Dozierenden, Studienleitenden und Mitarbeitenden nun in die nächste Etappe zu führen.

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