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KI im aka­de­mi­schen Kontext er­for­dert das Be­herr­schen des eigenen Fach­be­reichs

Texte, Bilder, Codes und Analysen entstehen auf Knopfdruck – scheinbar mühelos. Möglich machen das generative Sprachmodelle, umgangssprachlich «Künstliche Intelligenz» (KI) genannt. Was lange als technische Spielerei galt, ist heute für viele Teil des Alltags und steht für einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Umbruch.

Das zeigt sich insbesondere auch in der Präsenz dieses Themas vergangene Woche am Weltwirtschaftsforum in Davos. Es wurde deutlich, dass mit der wachsenden Leistungsfähigkeit von KI-Systemen auch die Intensität des kritischen Diskurses zunimmt. Wir stehen mitten in einem Wandel, der nicht nur Technologien betrifft, sondern unser Verständnis davon, was menschliche Intelligenz ausmacht. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass die Zuschreibung von Intelligenz an Maschinen deutlich später einsetzt als ihre tatsächliche Überlegenheit in einzelnen kognitiven Leistungen. Rechner – vom einfachen Taschenrechner bis hin zu modernen Hochleistungscomputern – waren dem Menschen in ihrer Rechenleistung sehr früh überlegen.

Dennoch haben wir Menschen weder dem Taschenrechner noch dem Computer Intelligenz zugeschrieben. Erst seit Maschinen mit sogenannten Sprachmodellen Texte erzeugen, beginnen wir sie als intelligent wahrzunehmen und ihnen Intelligenz zuzuschreiben. Offenbar berührt Sprache einen zentralen Aspekt dessen, was wir als menschlich empfinden. Das ist insbesondere darum interessant, als dass Sprachmodelle im Grunde mathematische Modelle sind, welche die Abfolge von Elementen in einer Sequenz, beispielsweise eben Wörter in einem Text, in Form eines stochastischen Prozesses modellieren.

Wie wir wissen, sind generative Sprachmodelle nicht nur leistungsfähig, sondern auch fehleranfällig, biasbehaftet und abhängig von der zugrunde liegenden Datenqualität sowie der Aufgabenstellung. Wer ihnen unkritisch vertraut, riskiert Fehlentscheidungen – in der Wissenschaft ebenso wie in Wirtschaft, Politik und Bildung. Damit sind wir noch weit weg von den in verschiedenen Tageszeitungen dargestellten Szenarien, welche den Untergang der Menschheit, die Machtübernahme durch Maschinen oder auch die Abkehr vom humboldtschen Bildungsideal beschreiben, wobei Letzteres massgeblich von den Bildungsinstitutionen im Allgemeinen abhängt.

Hochschulen tragen in Bezug auf die Nutzung von KI eine besondere Verantwortung, mit der sich die Rektorinnen und Rektoren der Schweizer Hochschulen im Detail auseinandergesetzt haben. Sie halten fest: «Die verantwortungsvolle Nutzung von KI-basierten Technologien in einem akademischen Kontext setzt eine Beherrschung des jeweiligen Fachgebiets voraus. Folglich ist es Aufgabe der Hochschulen, darauf zu achten, dass sich die Studierenden weiterhin selbstständig vertiefte fachliche und methodische Kompetenzen aneignen, um unter anderem die durch Künstliche Intelligenz erzeugten Inhalte richtig bewerten und einordnen zu können.» (vgl. swissuniversities, 2024). Der Wunsch der Menschheit, komplexe Inhalte und Zusammenhänge, ohne eigene Arbeit zu erschliessen und damit ein spezifisches Fachgebiet zu beherrschen, bleibt somit unerfüllt.

Daraus ergibt sich, zumindest ein vorläufiger Widerspruch: Je höher die technologische Durchdringung der Gesellschaft ist, desto mehr menschliche Fähigkeiten benötigt sie. Studierende sollen befähigt werden, KI bewusst und kompetent als Werkzeug einzusetzen. Gleichzeitig müssen sie lernen, technologische Systeme kritisch zu hinterfragen und die zugrundeliegenden Parameter zu verstehen. Auf dieser Basis sind die mittels KI-basierten Technologien generierten Produkte hinsichtlich ihrer Güte zu prüfen, insbesondere in Bezug auf Objektivität, Validität und Reliabilität, um sie anschliessend in eine systematisch wissenschaftliche Methodik zu integrieren. Und dies erfordert von den Studierenden vertieftes fachliches und methodisches Wissen sowie entsprechende Kompetenzen in ihrem spezifischen Fachbereich.

Künstliche Intelligenz vermag menschliche Intelligenz nicht zu ersetzen – zumindest noch nicht. Einen Fachbereich zu verstehen, zu erschliessen und zu beherrschen bleibt notwendige, wenn auch nicht hinreichende Voraussetzung für die Nutzung KI-basierter Technologien im akademischen Kontext.

Hier gibt es weitere Blogs der FH Graubünden zu lesen.

Das hochschulweite Fach AI & Ethics ist ein gutes Beispiel dafür, wie Studierende im Bereich KI geschult werden.

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