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In­for­ma­ti­on Science an der FH Grau­bün­den Mit­glied im in­ter­na­tio­na­len iSchools-Verbund!

Das Schweizerische Institut für Informationswissenschaft SII ist in den erlesenen Kreis der renommierten internationalen Information Schools (iSchools) aufgenommen worden.

Das Jahr 2012 gehörte für mich und meine Familie zu den schönsten in unserem Dasein. Nach damals über 10 Jahren als Professor für Information Engineering an der FH Graubünden bekam ich die Möglichkeit für vier Monate ein Sabbatical resp. Forschungsaufenthalt zu machen. Diese Chance wollte ich nicht ungenutzt lassen, um nicht nur fachlich voranzukommen, sondern diese auch mit meiner Familie weit weg von Daheim und in einer völlig anderen Umgebung verbringen. Als promovierter Informationswissenschaftler waren mir die renommiertesten informationswissenschaftlichen Universitäten und Institute bekannt, sie befinden sich allesamt in den USA, wo auch die Fachrichtung seit Ende der 60er Jahren ihren Ursprung hat. Wie es der Zufall wollte, machten wir zwei Jahre vor dem Sabbatical Sommerferien in der San Francisco Bay und nicht zuletzt auf Drängen meiner Frau fasste ich den Mut, einfach so und ohne Voranmeldung, bei einer der Gründerschulen der iSchools, der School of Information an der University of California Berkeley (kurz Cal genannt), vorstellig zu werden. Zu der Zeit waren Semesterferien und auf dem atemberaubenden Campus waren primär staunende Touristen unterwegs. Das Gebäude der School of Information (dort schlicht iSchool genannt) schien gänzlich verlassen zu sein und als ich die Gänge entlang lief, sah ich nur eine einzige offene Büro-Türe auf deren Türschild Prof. Yale Braunstein stand. Yale war der dienstälteste Professor an der iSchool und nach einem Klopfen trat ich etwas zögerlich, aber dennoch bestimmt, ein. Ich stellte mich vor und erzählte ihm von meinem Vorhaben mit dem Sabbatical. Er sagte mir, dass an der iSchool praktisch täglich per Email solche Anfragen reinkommen und nur wenige Plätze für Gäste zur Verfügung stehen. Aber, wenn ich doch schon mal da bin… Zwei Jahre später – nach etlichen administrativen Herausforderungen – waren wir dann mit unseren zwei Kindern in Berkeley eingetroffen. Ich war an der University of California offiziell als Visiting Scholar eingeschrieben, dadurch durften meine Kinder die öffentlichen Schulen in Berkeley besuchen und meine Frau konnte ihrer selbständigen Tätigkeit auch von USA aus nachgehen.

Yale war mein Faculty Host und dank ihm wurde ich dort schnell integriert, habe Einblick in die Forschungsprojekte erhalten und mit den verantwortlichen Projektleitungen sprechen können, konnte diverse Vorträge besuchen, habe selbst aktiv an dem «Friday Afternoon Seminar» teilgenommen und eine Präsentation über meine Forschungsaktivitäten an der FH Graubünden gehalten. Aus Sicht meiner Tätigkeit in Chur konnte ich aber v.a. von der Analyse des dortigen Curriculums und den Aktivitäten mit den Studierenden profitieren – schliesslich stand mir unmittelbar nach meiner Rückkehr die Übernahme der Studienleitung im BSc in Information Science bevor.

Neben dem vollbepackten Rucksack mit Erfahrungen und neuem Wissen kehrte ich nach Chur auch mit einem Traum zurück: In Berkeley hatte ich zum ersten Mal von dem Verbund der renommiertesten informationswissenschaftlichen Hochschulen vernommen, der iSchools (ischools.org). Der international renommierte und damals schon emeritierte Professor für Bibliothekswissenschaft sowie Mit-Begründer der iSchools, Michael Buckland, sass zufällig mit mir im Büro und so hatte ich die Gelegenheit mit ihm immer wieder über diesen Verbund zu sprechen. Die iSchools-Organisation wurde 2005 von mehreren US-amerikanischen Schulen, die Bibliotheks- und informationswissenschaftliche Studiengänge anbieten, gegründet. Heute umfasst die iSchools-Bewegung über 100 Schulen weltweit und die zugehörigen Universitäten, Colleges und Institute gehören diversen Fachrichtungen wie Informationstechnologie, Bibliotheks- und Archivwissenschaft, Informatik und Informationswissenschaft an. Jede einzelne iSchool hat ihren Schwerpunkt und Ausrichtung, gemeinsam teilen sie das grundlegende Interesse an der Schnittstelle zwischen Information, Mensch und Technologie. Daraus etablierte sich auch der Begriff des «Information Professional», um Menschen zu beschreiben, die in Bereichen arbeiten, die sich aus der wachsenden Informations- und Wissensökonomie ergeben. Der steigende Bedarf an Information Professionals sowie zugehöriger Forschung im Informationsbereich ergab sich durch die zunehmend wichtiger werdende Rolle, die Information und Wissen in Politik, Verwaltung und Wirtschaft heutzutage spielt. Die Bildung und Forschung innerhalb der iSchools hat sich zum Ziel gesetzt, gemeinsam die Mensch-Maschine Schnittstelle, die Produktivität von Unternehmen, die Innovationszyklen von Industrien, das Design von Technologien, Informationsdienste für öffentliche und privatwirtschaftliche Unternehmen sowie die ethischen Grundsätze der Informations- und Technologienutzung zu verbessern.

Die Aufnahme in die Organisation ist mit entsprechend hohen Kriterien verbunden, neben dem Nachweis einschlägiger informationswissenschaftlicher Curricula sowie einem Forschungsvolumen von mind. 1 Million US$ sollten die aufzunehmenden Institutionen auch ein Doktorandenprogramm zur Sicherstellung des Bedarfs an Forschungspersonal aufweisen.

2020, also fast 10 Jahre nach meinem Sabbatical in Berkeley, ist mein Traum von damals in Erfüllung gegangen: Die FH Graubünden resp. das Schweizerische Institut für Informationswissenschaft SII wurde als die bisher einzige Hochschule aus der Schweiz in die Europäische Sektion der iSchools in Form eines «Associate Member» aufgenommen, Schulter an Schulter mit grossen Namen wie Oxford, Humboldt Universität zu Berlin oder die Karlsuniversität in Prag. Für die volle Mitgliedschaft fehlt uns nur noch das Doktorandenprogramm, das derzeit bildungspolitisch an Fachhochschulen in der Schweiz leider nicht vorgesehen ist. Institutsleiter Ingo Barkow arbeitet aber gerade daran ein in Partnerschaft mit ausländischen Universitäten gemeinsames EU-Doktorandenprogramm aufzustellen. Schliesslich steht bei mir bald wieder ein Sabbatical an und dieses Mal bewerbe ich mich stolz von der «iSchool Chur» aus.

Prof. Dr. Bernard Bekavac ist Studienleiter und Professor am Schweizerisches Institut für Informationswissenschaft (SII) an der FH Graubünden.

Anzahl Kommentare2
Kommentare

Anne-Marie Jaeger 25.03.2021

Congratulations – this is a great achievement!

Urs Naegeli 23.03.2021

Wow! Herzlichen Glückwunsch!