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 © Klubschule Migros

In 5 Tagen um die Welt: Englisch lernen in virtuellen Räumen

Virtual Reality (virtuelle Realität, VR) brauchte Zeit, um real zu werden.

Lange kämpfte die Technologie mit einem unklaren Image, wurde nicht wirklich ernst genommen und in die Gaming-Ecke abgedrängt. Hardware war teuer und umständlich, Inhalte schlecht zugänglich. Das Medium war weit entfernt von Massentauglichkeit und breitgefächerten Einsatzmöglichkeiten. Doch die letzten Jahre brachten einen Quantensprung. Grosse Player liefern sich ein Wettrüsten – Headsets werden immer handlicher und günstiger. Die Technologie lässt ihr Nischendasein hinter und auch die Forschungsaktivität in dem Bereich nimmt zu.

VR hält Einzug in der Architektur ­– z. B. wenn Objekte bereits vor dem Spatenstich begehbar gemacht werden. Museen lassen Dinosaurier zum Leben erwachen. In der Psychotherapie wird VR zur Behandlung von Phobien wie z.B. Angst vor Höhe, Spinnen etc. eingesetzt. Industrie-Arbeiter können an virtuellen Anlagen Handgriffe und Arbeitsabläufe üben. Und auch im Bildungsbereich zeigt sich das Potential. Studien zeigen: Wir lernen besser, wenn verschiedene Sinne gleichzeitig angesprochen werden.
VR-Umgebungen ermöglichen es, Sprachszenarien in einem authentischen Setting zu üben. Indem Lernende in immersive Welten eintauchen, während sie eigentlich im Klassenzimmer sitzen, werden verschiedene Wahrnehmungskanäle aktiviert und dadurch die Gedächtnisleistung beim Erkennen, Lernen und Reproduzieren von Wissen gesteigert.

Auch die Klubschule Migros hat diverse solche Studien aufmerksam verfolgt. Gemeinsam mit der FH Graubünden hat sie deshalb ein Pionierprojekt gestartet mit dem Ziel, einen neuen Englischkurs zu entwickeln, bei dem VR Teil des didaktischen Konzepts ist. Mitfinanziert wurde das Vorhaben von Innosuisse, der Schweizerischen Agentur für Innovationsförderung.

In diesem Sprachkurs werden die Teilnehmenden auf eine Reise rund um die Welt geschickt. Dabei verschränken und ergänzen sich reale und virtuelle Welt. Im Unterrichtszimmer liegt der Fokus auf interaktiven Übungen und Austausch in der Gruppe. Mit Hilfe von VR können sich die Lernenden aber auch an unterschiedliche Destinationen «teleportieren» und diese hautnah erleben. In authentischen Situationen werden sie in Konversationen mit englischsprachigen Personen versetzt. Für diesen Zweck hat die FH Graubünden eigens VR-Anwendungen konzipiert und umgesetzt mit Fokus auf Interaktionsmöglichkeiten für die User. Dass die Lernenden selber Einfluss auf das Geschehen nehmen können, wurde sehr positiv aufgenommen, wie erste User Testings zeigten.

Bei der Kursentwicklung wurde Wert darauf gelegt, den Lernenden das nötige Wissen zu vermitteln, um sich auf Reisen stressfrei in englischer Sprache verständigen zu können – wie zum Beispiel in einem Restaurant oder an der Hotelrezeption. Es werden aber auch wertvolle Tipps zu fremden Kulturen und Mentalitäten vermittelt, um das interkulturelle Verständnis zu fördern. Erste Kursdurchführungen sind ab Herbst geplant.

Durch die wissenschaftliche Beobachtung der Konzeptionsphase, in der didaktische Überlegungen und technische Limitationen aufeinandertreffen, sowie durch die Auswertung ausgedehnter Benutzertests können die Wechselwirkungen und Herausforderungen an der Schnittstelle zwischen Technologie und Mensch erarbeitet werden und Erkenntnisse in weitere Anwendungen einfliessen.

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Anzahl Kommentare1
Kommentar

Marcel Hanselmann 23.10.2019

Hallo Nathaly,
sehr cooles Projekt. :-)
Danke für den Blogbeitrag.
Liebe Grüsse
Marcel