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For­schung als Ent­de­ckungs­rei­se

Ob Humboldts Reise nach Amerika, die gescheiterte Antarktisdurchquerung von Shackleton oder die Mondlandung – Entdeckungsreisen faszinieren uns bis heute. Menschen wagen sich in noch unbekannte Gebiete vor, um Neues zu entdecken und zu lernen. Was macht diese Gier nach Neuem aus? Neugier ist ein Zustand wie auch ein Persönlichkeitsmerkmal zugleich. Sie bezeichnet den starken Wunsch, Neues zu erleben, zu erkunden, zu untersuchen, zu erfahren. Neugier zeigt sich in explorativen Verhaltensweisen des Menschen, wobei es besonders gut bei Kindern beobachtet werden kann.  

Neues entdecken, entspricht dem Kern von Forschung. Im Gegensatz zum zufälligen Entdecken meint Forschung derweil die systematische Suche nach neuen Erkenntnissen, deren Dokumentation und Veröffentlichung. Es geht also darum, auf der Basis von anerkanntem, theoretischen Hintergrundwissen, rational akzeptierbare, empirisch und theoretisch überprüf-, reproduzier- und verallgemeinerbare Erkenntnisse zu gewinnen. Diese Erkenntnisse werden anschliessend der Gemeinschaft vermittelt und zur Diskussion gestellt. Letzteres ist dabei von zentraler Bedeutung, da es sowohl die Prüfung des Bestehenden ermöglicht als auch Ausgangspunkt für Neues sein kann. Forschung ist demnach ein iterativer Prozess, im Wesentlichen bestehend aus Behaupten und Widerlegen.

Und wer profitiert von der Forschung? In erster Linie die Gesellschaft. Denn Aufgabe der universitären Hochschulen, der Fachhochschulen und der pädagogischen Hochschulen ist es, aus Forschung Erkenntnisse zu gewinnen, daraus Wissen zu schaffen, dieses Wissen in Lehre und Weiterbildung zirkulieren zu lassen, um damit Menschen zu befähigen, Lösungen für Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft zu entwickeln. Im Kern aller Tätigkeiten an Hochschulen steht die Forschung. Sie ist nicht Selbstweck, sondern steht stets im Dienst der Gesellschaft.

Die Forschung dient der Gesellschaft, wenn Themen ein breites Spektrum abdecken, kontrovers diskutiert werden, eine antizipierende Wirkung erzeugen, Handlungswissen generieren und schliesslich zur konkreten Anwendung in Wirtschaft und Gesellschaft kommen. Ein Blick auf die Liste der Nationalen Forschungsprogramme des Schweizerischen Nationalfonds und die Flagship-Initiativen von Innosuisse liefert Hinweise auf die gesellschaftliche Relevanz von Forschung: «Innovation in der Pflanzenzüchtung», «Baukultur», «Digitale Transformation», «Psychische Gesundheit von Jugendlichen», «Digitale Resilienz», «Deglobalisierung», «Nationale KI-Initiative für Präzisionsonkologie» oder «Think Earth – Regeneratives Bauen».

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass gesellschaftlich relevante Forschung nicht nur thematisch breit ausgerichtet ist, unterschiedliche Perspektiven integriert und sowohl kurz- als auch langfristige Fragestellungen berücksichtigt. Da sie personal-, infrastruktur-, finanz- und zeitintensiv ist, benötigt sie auch entsprechende strukturelle Voraussetzungen. Darum regeln Bund und Kantone die Zuständigkeiten im Schweizer Bildungssystem klar. Zuständig für die Forschung sind die Hochschulen. Damit diese ihrer Verantwortung gerecht werden können, benötigen sie – neben Offenheit, Autonomie und Ressourcen – vor allem eines: Neugier. Sie ist die Grundlage für neue Erkenntnisse und treibt den wissenschaftlichen Fortschritt voran. In diesem Sinne: auf geht’s, auf die nächste Entdeckungsreise.

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