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Distance Learning und Homeoffice zu eigenartigen Zeiten

Das Wetter ist schön, es wird wärmer. Auf den Strassen sind nur wenige Leute anzutreffen. Und das ist gut so.

Ich hätte es nur schwer glauben können, hätte mir das jemand letzten Winter erzählt. Die Menschen sind im Frühling sonst wie Spinnen: Kaum ist die Sonne raus, sind sie überall. Durch alle Ritzen scheinen sie zu kriechen.

Aber dieses Jahr ist das eben nicht so. Wer kann, arbeitet im Homeoffice und schon die Kleinsten machen ihre der-die-das-Übungen von zuhause aus. Für viele ist es eine grosse Umstellung. Einige haben zurzeit sogar gar keine Arbeit mehr. Ich bin froh, dass ich als Lernende Kauffrau an der Fachhochschule Graubünden noch reichlich zu tun habe. Und auch die Berufsschule, die ich online zweimal wöchentlich besuche, lässt uns KV-Schülerinnen und -Schüler nicht im Stich. Nein, sogar fast mehr Arbeit bekommen wir. Prüfungen online abzuhalten, ist für viele Lehrpersonen nicht ganz einfach. Darum müssen wir viele schriftliche Arbeiten schreiben, welche schlussendlich auch aufwändiger sind als eine Prüfung, die bloss eine Lektion dauern würde.

Doch es ist auch eine Chance. Die Lehrpersonen werden mehr oder weniger gezwungen, sich an neue, digitale Tools heranzuwagen und langsam aber sicher endlich mal die Hellraumprojektoren zu vergessen. Ich denke, dass auch viele Personen in meinen Alter von der Situation profitieren können. Selbständiges Lernen wird immer wichtiger. Dies zeigt zum Beispiel auch der neue Lehrplan 21, welcher unter anderem Selbständigkeit ins Zentrum stellt. Dieser Lehrplan kam zwar erst nach meinem Oberstufenabgang in den Einsatz, dennoch war dieses Thema auch während meiner Schulzeit ein grosses. Wochenpläne mussten schon in der 3. Primarstufe gemeistert werden und auch das war nur der Anfang. Danach kamen Lerntagebücher, Projektarbeiten und vieles mehr.

Dennoch ist die jetzige Situation auch für uns nicht einfach. Denn die riesige Auswahl von Programmen ist verlockend für unsere Lehrpersonen. Nein, für die Berufsschule reicht Microsoft Teams nicht aus. Dazu müssen alle Lernenden Zoom und Discord auf dem Smartphone und dem Laptop installieren. Und nein, nur ein Gerät reicht leider nicht aus. Ausserdem fordert das Distant Learning, das in meinem Fall stark einem Selbststudium ähnelt, eine hohe Menge an Selbstdisziplin.

An der FH Graubünden habe ich die Arbeit schon zuvor grösstenteils auf dem Computer erledigt, aber ich konnte ab und zu auch die Post holen gehen, was den Kopf etwas durchgelüftet hat. Die Schule war ebenfalls nicht immer digital. Jedoch muss man nun nicht nur den ganzen Tag vor dem Bildschirm sitzen, sondern das auch noch zuhause tun. Dort verbringt man normalerweise eher die Freizeit als die Arbeitszeit, daher ist die Ablenkungsgefahr gross; «Wenn ich schon zuhause bin, kann ich ja noch etwas aufräumen». Auch wenn diese «Ablenkungs-Aktivitäten» im Endeffekt produktiv sind, ist das sicher nicht das, was sich Lehrpersonen oder Vorgesetze wünschen. Aber egal wie fest man sich auch konzentriert, irgendwann fühlt es sich an, als ob das Hirn geschmolzen sei und jederzeit aus den Ohren fliessen könne. Jedoch habe ich das Gefühl, dass sich mein Hirn allmählich daran gewöhnt hat. Es stürzt seltener ab und scheint auch besser mit der Situation ganz allgemein umgehen zu können.

Die Corona-Krise ist also eine skurrile Zeit. Sie scheint nicht selten wie ein Fiebertraum. Wenn man so wenig als nötig nach draussen geht, geht auch viel Unterhaltung den Bach runter. Aber anstatt diese Zeit einfach so über uns ergehen zu lassen und zu warten, bis die Normalität zurückkehrt, können wir neues ausprobieren und lernen. Ich löse in letzter Zeit zum Beispiel viele Sudokus. Auch lese ich wieder mehr, was ich mir schon vor Jahren zum Ziel gemacht habe. Es tönt schrecklich, aber vielleicht können wir uns dank der «Corona-Zeit» erinnern, was wir tun möchten und was uns wirklich wichtig ist.

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