Als eine der ersten Studierenden der Betriebsökonomie an der damaligen HWV hat Manuela Widera die Anfänge der Hochschule hautnah miterlebt. Im Gespräch erzählt sie von vibrierenden Schreibtischen im Unterricht, ihrer beruflichen Laufbahn und was sie davon hält, dass der Alumni-Verein aufgelöst und seine Aktivitäten in die FH integriert werden.
Interview von Kathrin Ott
Liebe Manuela, was hast du studiert und wie ist dir das Studium in Erinnerung geblieben?
Vor über 30 Jahren brauchte es noch viel praktische Erfahrung, um Betriebsökonomie studieren zu können*. Deshalb arbeitete ich nach meiner Banklehre rund drei Jahre in der Kundenberatung, bevor ich 1988 mit dem Studium begann. Ich gehörte mit etwa 20 Studierenden zur allerersten Betriebsökonomie-Klasse der heutigen FH Graubünden.
Der Unterricht fand damals im oberen Stockwerk der Carrosserie Theus statt. Nicht weit weg vom heutigen Hauptstandort, aber in einem industriellen Umfeld: Wenn unten in der Karosserie-Werkstatt gearbeitet wurde, vibrierten oben die Schreibtische. Obwohl die Studienbedingungen nicht ganz einfach waren, konnten wir damals das Studium noch aktiv mitgestalten. Uns gefiel das sehr gut, aber einige Dozierende blieben deswegen nicht lange (lacht). Insgesamt war es eine sehr spannende Zeit!
Wie ging es nach dem Studium weiter?
Ich begann in Zürich einen Job als Personalassistentin. Später folgten mehrere Jahre als Personalleiterin in verschiedenen Unternehmen. Vor rund 15 Jahren habe ich mich schlussendlich mit meiner Firma Soluziuns selbstständig gemacht und bin es bis heute geblieben. Heute berate ich Unternehmen und Führungskräfte in der Organisationsentwicklung.
Das Studium hat mich auf meinem Weg stets begleitet. Besonders bei der Selbstständigkeit habe ich immer wieder auf das erworbene Wissen zurückgreifen können. Zudem bin ich der FH Graubünden verbunden geblieben: Ich bin mehrere Jahre als Lehrbeauftragte für Personalmanagement tätig gewesen und habe die Hochschule auch als Beraterin/Coach unterstützt.
Wann bist du dem Alumni-Verein beigetreten und was hat dich dazu motiviert?
Ich bin eines der ältesten Mitglieder und bin direkt bei der Gründung Anfang der 90er dem Verein beigetreten. Mein Wunsch ist es gewesen, mit der Hochschule und den Absolventinnen und Absolventen in Verbindung zu bleiben und mein Netzwerk weiter auszubauen.
Welche Erinnerungen verbindest du mit den Anfängen des Vereins?
Besonders in Erinnerung geblieben sind mir das zehnjährige Betriebsökonomie-Jubiläum und weitere Jubiläumsfeiern. Dort konnte ich ehemalige Mitstudierende wiedersehen und den Kontakt auffrischen. Solche Begegnungen zeigen, wie wichtig Alumni-Arbeit für den langfristigen Zusammenhalt eines Netzwerks ist.
Was schätzt du besonders an der Mitgliedschaft?
Für mich steht die Verbundenheit mit der Hochschule und den ehemaligen Studierenden im Vordergrund. Zudem unterstütze ich dieses Engagement gerne.
Der Verein bietet spannende Webinare und Veranstaltungen an. Leider bin ich beruflich oft stark eingespannt und kann nur selten teilnehmen. Gelegentlich profitiere ich aber von den angebotenen Vergünstigungen.
An der Generalversammlung vom 11. Juni 2026 wurde beschlossen, den Verein aufzulösen. Wie stehst du zu diesem Entscheid?
Wenn die Alumni-Arbeit gut in die Strukturen der FH Graubünden eingebettet wird und die Ziele des bisherigen Vereins weiterhin erreicht werden können, ist das für mich in Ordnung. Ich vertraue darauf, dass eine gute und durchdachte Lösung gefunden worden ist. Ob durch die neue Organisationsform etwas verloren gehen könnte, kann ich als Aussenstehende nicht beurteilen.
Was wünschst du dir für die Zukunft der Alumni-Gemeinschaft?
Ich wünsche mir ein Treffen für langjährige Mitglieder. Ausserdem hoffe ich, dass der Mehrwert der Alumni-Gemeinschaft stärker sichtbar wird und die Absolventinnen und Absolventen stolz darauf sind, Alumni der FH Graubünden zu sein.
Was bedeutet Alumni-Sein für dich in einem Satz?
Vernetzt und verbunden bleiben – mit der FH Graubünden und meiner Berufsgruppe.
*Heute reicht eine Berufslehre oder ein Jahr praktische Erfahrung nach der Matura.
Manuela Widera berät mit ihrer Firma Soluziuns Unternehmen in der Organisationsentwicklung, dem betrieblichen Gesundheitsmanagement, bietet aber auch individuelle Coachings für Führungskräfte und Mitarbeitende an.
Kathrin Ott leitet die FHGR Alumni-Organisation.