Stellen Sie sich vor, tausende Menschen feiern vor einer gigantischen Staumauer. Plötzlich scheint sie zu brechen, Wasser strömt heraus - und alle jubeln. Was zunächst dramatisch klingt, ist eine spektakuläre audiovisuelle Illusion, ermöglicht durch kreative Technologien.
«Creative Technology» umfasst innovative Anwendungen wie interaktive Fassadenprojektionen, Tracking-Technologien, audiovisuelle Performances im Theater sowie beeindruckende Lichtshows bei Festivals und DJ-Sets und vieles mehr. Das klingt nach urbanem Flair grosser Städte wie Basel oder Berlin, aber diese kreative Stadt-Kultur blüht auch in Chur. Und dies unterstützt der neue Minor «Creative Technology» im Studienangebot Multimedia Production an der Fachhochschule Graubünden.
In diesem Kurs geht es über die klassische Medienproduktion hinaus: Hier werden Event-Technik, Sensorik, Software und audiovisuelle Inhalte zu innovativen und interaktiven Installationen kombiniert. Der Ansatz: praxisnah und hands-on – selber machen. Denn am besten erschliessen sich Zusammenhänge, indem man selbst gestaltet, experimentiert und auch mal auf die Nase fällt.
Dieser Kurs bringt verschiedene technische, gestalterische und planerische Kompetenzen aus dem Multimedia-Spektrum zusammen. Die Studierenden erproben die Kommunikation zwischen verschiedenen Medienkomponenten und erlangen grundlegende Kompetenzen in visueller Programmierung.
Aus einfachen audiovisuellen Ideen entstehen interaktive Erlebnisse, die schliesslich als einzigartige Medieninstallationen erlebbar werden und in Echtzeit angepasst werden können.
Besonderer Fokus liegt auf echten Einsatzmöglichkeiten. Es sollen keine theoretischen «Micky Maus»-Projekte für die Schublade entstehen. Die Studierenden haben die Möglichkeit, das kulturelle Leben in Chur zu bereichern und den urbanen Raum einzigartig zu gestalten. Die Studierenden setzen ihre erlernten Superkräfte gezielt für lokale Events und Kulturformate wie Polenta7000 oder das Junge Theater Graubünden ein und tragen dazu bei, Chur als lebendige Stadt zu etablieren, die Outdoor-Erlebnisse und urbane Kultur optimal verbindet.
Ein Highlight der ersten Durchführung war das Multimedia-Igloo im Medienhaus (Standort I). Dort entwickelten die Studierenden faszinierende Kuppelprojektionen, die interaktiv auf Klang, Bewegungen und weitere sensorische Inputs reagierten. Zudem entstanden innovative audiovisuelle Performances für DJs und Tanzvorführungen, eine kameragesteuerte Ausstellung sowie beeindruckende interaktive Musikvisualisierungen – teilweise auf einer grösseren Latlights-Installation, die nun im Foyer des Medienhauses zu erleben ist.
Doch Creative Technology beschränkt sich nicht allein auf kreative und kulturelle Anwendungen. Viele Technologien, die heute selbstverständlich in Bereichen wie Medizin, Smart Home, Architektur, Militär oder Gaming verwendet werden, hatten ihren Ursprung in Film- und Theaterproduktionen. Was spielerisch und bunt beginnt, eröffnet ganz nebenbei wertvolle Kompetenzen für die Arbeitswelt von morgen.
In einer lebendigen Workshop-Atmosphäre mit grossem Teamgeist und Experimentierfreude entwickeln die Studierenden Projekte, die direkte Anwendung finden. Dabei darf auch einmal kreativ an Grenzen gegangen werden, um innovative Lösungen zu realisieren.
«Creative Technology» ist deshalb mehr als nur ein Kurs – es ist eine Einladung, die Zukunft aktiv und kreativ mitzugestalten.
Video Trailer Creative Technology HS25
Jan Fiess und Philip Krüger sind Dozierende am Institut für Multimedia Production (IMP) der Fachhochschule Graubünden.