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Ajer da cudeschs

Kultur zum Mit­neh­men: Das Projekt «Ajer da cu­deschs»

St. Moritz ist als internationaler Tourismusort bekannt – besonders während der Wintersaison, wenn die meisten Gäste ins Bündner Bergdorf reisen und eine charakteristische, von Bergwelt und Schnee geprägte Stimmung entsteht.

Diese besondere Atmosphäre hat die Forscherinnen Prof. Dr. Lena Pescia, Bianca Schenk und Onna Rageth des Instituts für Tourismus und Freizeit der Fachhochschule Graubünden inspiriert. Gemeinsam mit Gemma Clalüna und Tatjana Hagen von der Leih- und Dokumentationsbibliothek St. Moritz sowie Eli Müller und Paola Gianotti von Bregaglia Engadin Turismo haben sie ein Forschungsprojekt entwickelt, das die Potenziale von Bibliotheken und Tourismus neu zusammendenkt.

Das Projekt trägt den romanischen Titel «Ajer da cudeschs – Bücherluft». Ajer bedeutet «Luft», cudeschs «Bücher». Der Titel verweist auf die Idee, Literatur und Wissen künftig stärker als Teil der touristischen Grundversorgung zu verankern. Bücherluft also – ein Gegenpol zur vielzitierten Champagnerluft, mit der St. Moritz im öffentlichen Bild oft in Verbindung gebracht wird, und gleichzeitig ein Hinweis auf den bislang unterschätzten Mehrwert kultureller Inhalte für Einheimische wie Gäste.

Im Zentrum stand eine zentrale Frage: Welche bibliothekarischen Angebote sind für Gäste tatsächlich relevant – und weshalb werden sie bisher kaum genutzt? Viele Destinationen verfügen über solide Bibliotheksstrukturen, deren Sichtbarkeit jedoch gering ist. Genau hier setzt «Ajer da cudeschs» an: Angebote sichtbarer machen, Inhalte digital zugänglich halten und Bibliotheken als integralen Bestandteil des touristischen Erlebnisses positionieren.

Autorin: Onna Rageth

Kernstück des Projekts sind Podcasts, die von einheimischen Journalist:innen und lokalen Persönlichkeiten produziert werden und Inhalte der Bibliothek aufnehmen und erweitern. Eingesprochen werden die Beiträge ebenfalls von lokalen Stimmen – ein bewusster Entscheid, der regionale Expertise hörbar macht. Die Produktionen erfolgen auf Putèr, dem romanischen Idiom des Oberengadins, sowie auf Bargaiot, dem lombardischen Dialekt des Bergells. Da St. Moritz ein internationaler Ort ist, ergänzen deutsche, italienische und englische Inhalte das Angebot.

Über QR-Codes, die im Verlauf dieses Winters im öffentlichen Raum platziert werden, lassen sich die Geschichten jederzeit abrufen. Durch die Zusammenarbeit mit Engadin Bus können sie sogar unterwegs konsumiert werden.

Die Podcasts vermitteln weniger bekanntes Wissen über das Engadin und das Bergell und schaffen einen niederschwelligen digitalen Zugang zu lokalem Wissen – unabhängig von Öffnungszeiten oder Vorkenntnissen.

Das übergeordnete Ziel bleibt klar: Regionale Kultur soll nicht nur dekoratives Beiwerk sein, sondern ein fester Bestandteil des touristischen Angebots. Ob über Literaturspaziergänge, thematische Medienkollektionen oder digitale Erzählformate – Bibliotheken werden als Orte neu gedacht, die die Aufenthaltsqualität stärken, und dies über alle Saisons hinweg.

Vielleicht zeigt sich damit, dass St. Moritz und die umliegenden Dörfer der Region Maloja längst mehr sind als das bekannte Bild einer Champagnerluft. Sie stehen ebenso für «Ajer da cudeschs» – ein Angebot, das Wissen, Stimmen und Geschichten der Region auf sympathische Weise sichtbar und hörbar macht, ganz gleich, wo man sich gerade befindet. Bibliotheksinhalte lassen sich so innovativ und lebendig inszenieren: als bewegliche Räume, deren Geschichten zu den Menschen gelangen – und nicht mehr nur auf sie warten.

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